Bei Markus Lanz diskutieren die Umweltministerin Steffi Lemke und die Journalisten Ulf Röller, Wolfram Weimer und Johannes Hano über den politischen Umgang mit den Olympischen Winterspielen in Peking. Die Sportler, prophezeit der China-Korrespondent Röller, werden sich noch wundern.

Politik/ Baden-Württemberg: Carola Fuchs (cls)

Stuttgart - Impfpflicht? Was hierzulande so kontrovers wie leidenschaftlich diskutiert wird, darüber kann Ulf Röller in China nur lächeln. Denn das hieße ja, sagt der China-Korrespondent des ZDF, dass man eine Wahl hätte, sich nicht impfen zu lassen. In China aber hat man keine Wahl. Wenn der Präsident Xi Jingping, „eine gottähnliche Figur mittlerweile“, im Reich der Mitte zur Impfung aufrufe, „dann stellt man sich an“. So einfach ist das.

Röller war zusammen mit seinem ZDF-Kollegen, ehemaligem China-Korrespondenten und aktuellem USA-Berichterstatter Johannes Hano, der neuen Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) und dem Publizisten Wolfram Weimer am Dienstag zu Gast bei Markus Lanz. Kurz vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking am 20. Februar ging es unter anderem um die Frage, wie die Politik es halten sollte mit einem Land als Austragungsort, in dem Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind – eine durchaus interessante und bereichernde Abwechslung zu den sonst üblichen Corona-Talkrunden.

China nimmt keine Rücksicht auf Befindlichkeiten

Denn Röller rechnet damit, dass deutsche Sportler und Sportfunktionäre noch Bauklötzchen staunen werden, falls sie während des Aufenthalts in China positiv getestet würden, „wie sie die Kontrolle über ihr Leben verlieren“. China werde da „keine Rücksicht nehmen auf deutsche Befindlichkeiten“, weil man es mit persönlichen Befindlichkeiten eben ohnehin nicht so hat in dem asiatischen Reich.

Röller verweist auf die Freiheitsbewegung in Hongkong, die plattgemacht worden sei, auf Arbeitslager oder die Militäraufmärsche am südchinesischen Meer, um Druck zu machen gegenüber Taiwan – das habe nichts mit einer friedlichen, demokratischen Welt zu tun. Peking wird der erste Austragungsort sein, der sowohl Sommer- als auch Winterspiele veranstaltet hat. Röller findet das zumindest „irritierend“. Damit adle man ein autoritäres Regime, schließlich seien diese Spiele „eine der politischsten Ereignisse, die die Welt zu bieten hat“. Deshalb habe Xi Jingping sie auch unbedingt in seinem Land haben wollen.

Weimer hätte sich ein klareres Signal gewünscht

Der Publizist Wolfram Weimer hätte sich denn auch ein klareres Signal vonseiten der deutschen Politik gewünscht. Selbst der deutsche Rennrodler Felix Loch habe die deutsche Regierung aufgefordert, sich dem Olympiaboykott von Großbritannien, Australien und den USA anzuschließen. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und die Innenministerin Nancy Faeser (SPD) haben zwar angekündigt, nicht nach Peking zu reisen, dies aber ausdrücklich als persönliche Entscheidung deklariert.

Zu einem offiziellen diplomatischen Boykott haben sich Deutschland und die EU-Staaten als Gesamtheit nicht durchringen können. „Enttäuschend“ findet Weimer das. Er verweist darauf, dass in Hongkong 59 Journalisten in Haft sind; eine Frau, die in Wuhan die Zustände während der Coronapandemie filmisch dokumentiert habe, sei zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden und befinde sich aktuell in Hungerstreik. Und die westliche Welt, kritisiert er, schweige dazu.

Lemke: „Da haue ich nicht mit der Brechstange rein“

Auch der Umweltministerin Lemke missfällt das Maß an Umweltzerstörung, das auch bei diesen Winterspielen betrieben werde. Peking ist nicht gerade ein Schneeloch, im Gegenteil: Schnee ist die Ausnahme. Um dort Skipisten zu präparieren, wird ein enormer energetischer Aufwand betrieben. Allerdings sei das kein singuläres Ereignis, meint die Ministerin. „Die Frage von Umweltschutz und von Menschenrechten hängen nicht alleine an olympischen Spielen.“

Es gebe eine massive Zerstörung der Umwelt rund um den Globus auch im Zusammenhang mit anderen internationalen Großereignissen, inklusive Verletzung von Menschenrechten. „Diese Diskussion voranzutreiben und bessere Antworten zu finden als in der Vergangenheit ist diffizil“, da sei man sofort im Spannungsfeld Diplomatie, Menschenrechte, Wirtschaftsinteressen. „Da haue ich nicht mit der Brechstange rein.“

Nicht dass sich China viel darum scheren würde, meint Johannes Hano. Diplomatischer Boykott oder nicht, „so what“, das ist die Einschätzung des New-York-Korrespondenten. Die westliche Welt habe durch das Scheitern des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP gegenüber China an Einfluss verloren. „Wir hätten die Regeln setzen können“, sagt Hano. „Wir sind geschwächt, jetzt setzt China die Regeln.“

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