Auf dem Kleinen Schlossplatz in Stuttgart haben mehrere Hundert Menschen gegen das Regime im Iran demonstriert und sich mit der dortigen Frauenrevolution solidarisiert.

„Nur wegen ein paar Haaren“ und „Tod der islamischen Diktatur“ übersetzt eine Iranerin, was in Farsi auf Papier zu lesen ist. Die es halten, skandieren „Jin Jian Azadi“, also „Frau, Leben, Freiheit“. Worte, mit denen seit Wochen weltweit gegen das iranische Regime protestiert wird – auch bei einer erneuten Kundgebung der iranischen Community auf dem Kleinen Schlossplatz.

Auslöser war der Tod von Mahsa „Jina“ Amini. Die 22-Jährige wurde am 13. September von der Sittenpolizei wegen „unislamischer“ Kleidung verhaftet, fiel in Gewahrsam ins Koma und starb.

Ihr Bild prangte in Stuttgart auf einer Stoffbahn nebst den Aufrufen „Globale Solidarität mit der Frauenrevolution im Iran“ und „Nieder mit der Islamischen Regierung im Iran“. Mehrere Hundert Menschen von Jung bis Alt kamen, um den Kampf des Volks und die feministische Revolution im Iran zu unterstützen, wo Frauen ihre Kopftücher verbrennen und ihre Haare abschneiden.

Auch den Opfern des „blutigen Novembers“ 2019 wurde gedacht. Damals, bei den Demonstrationen gegen hohe Preise und Armut, soll die islamische Regierung in weniger als einer Woche über 1500 Menschen getötet haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Vertreter des iranischen Innenministeriums berichtete.

Über 130 seien aktuell von der Polizei umgebracht worden, so Iran Human Rights Watch. „Ein Freund wurde im Auto erschossen, weil er hupte“, so Studentin Rosa. „Es gibt ein Video.“ Nika Shakarami wiederum verschwand beim Protest in der Hauptstadt Teheran am 20. September. Ihre Familie suchte sie tagelang in Gefängnissen, Krankenhäusern und Leichenhallen. In einer solchen war sie, mit „vielfachen Verletzungen durch Schläge mit hartem Objekt“, wie der Sender BBC Persien berichtete.

Nikas Tod befeuerte die Proteste im Iran. In Stuttgart trugen einige der Demonstrierenden das Bild der 17-Jährigen, riefen „Mord, Terror, Hinrichtung, islamische Regierung“ und „Mullah muss weg“, sangen die inoffizielle Landeshymne „Ey Iran“ und „Baraye“ von Shervin Hajipour. Der Sänger saß für seinen Protestsong aus Tweets bis vor kurzem im Gefängnis.