Demografische Entwicklung Kinder und Familien werden zu einer Minderheit

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Der Blick in das Jahr 2060 macht deutlich, dass sich die Politik noch viel intensiver um die junge Generation wird kümmern müssen.

Bis 2060 verliert Baden-Württemberg gut 15 Prozent seiner Bevölkerung. Foto: dpa
Bis 2060 verliert Baden-Württemberg gut 15 Prozent seiner Bevölkerung. Foto: dpa

Stuttgart - Die Stadträte haben am Montag in die Zukunft geblickt. Die Reise ging in das Jahr 2060. Was die Politiker im Jugendhilfe- und Sozialausschuss erfuhren, war wenig erbaulich. "Im Jahr 2060 werden Kinder, Jugendliche und Familien zu einem knappen Gut, um das sich die Gesellschaft noch viel intensiver wird kümmern müssen, um ihre Zukunft zu sichern", erklärte Ulrich Bürger vom Kommunalverband für Jugend und Soziales. Der Erziehungswissenschaftler hat Prognosen des Statistischen Landesamtes ausgewertet und einen Bericht über Kinder- und Jugendhilfen im demografischen Wandel verfasst. Eine seiner pointierten Feststellungen lautet: "Kinder und Familien werden zu einer Minderheit, die immer stärker unter dem Druck der Älteren leiden muss."

Den Prognosen zufolge verliert Baden-Württemberg bis 2060 gut 15 Prozent seiner Bevölkerung. Anstelle von 10,7Millionen werden noch 9,1 Millionen Menschen im Land leben. Drastisch ist der Schwund bei den unter 21-Jährigen, deren Zahl von 2,32 Millionen auf 1,52 Millionen sinken wird. Wachsen freilich wird in den 50 Jahren vor allem der Anteil der Menschen, die 65 Jahre und älter sind. Kamen die Senioren im Jahr 2008 noch auf einen Anteil von 19,3 Prozent, werde dieser 2060 auf stattliche 31,5 Prozent ansteigen. "Der Verteilungskampf um die finanziellen Ressourcen wird zunehmen, und die Politik wird hart daran arbeiten müssen, einen gerechten Ausgleich zu finden", erklärte Bürger.

"Stuttgart ist eine glückliche Stadt"

Der Verbandsvertreter fürchtet, dass die Interessen der Familien ins Hintertreffen geraten werden, weil sich die Politik an den großen Wählergruppen orientiere. "Ich plädiere deshalb dafür, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken." Nur so könne sichergestellt werden, dass die Politiker die Jüngeren nicht aus dem Blick verlieren.

Der Landeshauptstadt freilich bescheinigte Ulrich Bürger, zumindest bis zum Jahr 2025 in einer günstigen Lage zu sein: Stuttgart gehöre zu den Stadtkreisen, die in der Altersgruppe von sechs bis 21 Jahren sogar mit leichten Zuwächsen und bei den unter Sechsjährigen nur mit leichten Rückgängen rechen müssten. "Stuttgart ist eine glückliche Stadt", so Bürger. Den von seinem Vortrag schwer beeindruckten Kommunalpolitikern riet der Verbandsexperte dennoch dringend dazu, den qualitativen und quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung weiter voranzutreiben und damit auch den Ausbau der Ganztagsschulen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Fokus

Seine Forderung untermauerte er mit weiteren Zahlen: In der Gruppe der 21- bis 65-Jährigen, dem "produktivsten Alterssegment" also, seien derzeit nur 75 Prozent erwerbstätig. "Wir müssen es schaffen, diese Quote zu steigern, weil es die Altersgruppe ist, die auch die anderen mitfinanziert." Deshalb müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden.

Zum Abschluss legte Bürger noch einige Vergleichszahlen zwischen den Stadt- und Landkreisen im Land vor. Während Stuttgart beispielsweise bei der Betreuungsquote der unter Dreijährigen gut abschneidet, liegt es bei der Schulsozialarbeit an allgemeinbildenden Schulen abgeschlagen hinter Städten wie Heidelberg und Ulm.

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