Am Montagabend gehen in Deutschland wieder Zehntausende auf die Straße, um gegen die Einschränkungen in der Coronapandemie und eine mögliche allgemeine Impfpflicht zu protestieren.

Frankfurt a.M. - . Zehntausende Menschen sind am Montagabend in Deutschland auf die Straße gegangen, um gegen die Einschränkungen in der Corona-Pandemie und eine mögliche allgemeine Impfpflicht zu protestieren. Bei den meist unangemeldeten Demonstrationszügen schritt die Polizei vielfach ein, weil gegen aktuelle Pandemie-Auflagen verstoßen wurde. Teils kam es zu Auseinandersetzungen mit den Einsatzkräften, es gab Verletzte und Festnahmen. An mehreren Orten protestierten Menschen gegen die Kundgebungen, warben für Solidarität und riefen zur Trauer um die Corona-Toten auf.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte am Dienstag im „Morgenmagazin“ des ZDF, sie sei froh, „dass es gestern einigermaßen ruhig geblieben ist“. „Aber wir verzeichnen leider auch regional einen sehr großen Zulauf der Rechtsextremisten, und das bereitet uns schon Sorge“, erläuterte sie. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstrationen sollten sich fragen, mit wem sie auf die Straße gehen.

Mehr als 20.000 Demonstranten bei 67 „Zusammenkünften“ in Thüringen

Zugleich verwies sie auf „das hohe Gut der Versammlungsfreiheit“. Es gehöre zu einem Rechtsstaat dazu, abweichende Meinungen bei Demonstrationen zu äußern. „Das Demonstrationsgeschehen ist sehr heterogen“, sagte die SPD-Politikerin.

Im sächsischen Bautzen hatten am Montagabend einige der 800 Demonstranten Polizisten mit Flaschen und Pflastersteinen beworfen, drei Beamte wurden laut Polizei verletzt und ambulant behandelt. Um das Durchbrechen einer Absperrung zu verhindern, setzte die Polizei Pfefferspray ein. Vier Polizeifahrzeuge wurden beschädigt.

In Thüringen zählte die Polizei landesweit mehr als 20.000 Demonstranten bei 67 „Zusammenkünften“, drei Beamte seien verletzt worden, einer von ihnen schwer. Details waren zunächst nicht bekannt. In der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt Magdeburg löste die Polizei nach eigenen Angaben eine unangemeldete Demonstration von etwa 1.800 Menschen auf. Fünf Polizistinnen und Polizisten seien leicht verletzt worden.

Demos ach in Baden-Württemberg

Fast 1.000 Menschen versammelten sich nach Angaben der Polizei im niedersächsischen Gifhorn, dort wurden zwei Beamte leicht verletzt. Im sächsischen Freiberg beschädigten zwei Personen ein Polizeifahrzeug.

Bis zu 4.000 Protestierende zählte die Polizei in Rostock, rund 2.600 Menschen gingen in Schwerin auf die Straße. Im fränkischen Schweinfurt nahm die Polizei nach eigenen Angaben eine 51-Jährige fest, die einen Polizisten ins Bein gebissen hatte. In Nürnberg beteiligten sich laut Polizei rund 3.900 Menschen an einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen.

Die Gegner der Maßnahmen waren bei Demonstrationen in Mannheim in der Minderheit. Bis zu 600 Menschen bildeten nach Angaben der Polizei eine Menschenkette, um für mehr Solidarität zu werben.

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In Leipzig setzte das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ein Zeichen gegen die anhaltenden Proteste. Es hatte in seinem Aufruf betont, in der Stadt sei kein Platz „für Verschwörungsmythen, Wissenschaftsleugnung, Antisemitismus und Menschenverachtung“. Unterstützt wurde die Aktion von den Grünen, der SPD und den Linken sowie unter anderem von der Stiftung Friedliche Revolution und dem Bündnis „Aufruf 2019“. Die Polizei bilanzierte einen friedlichen Verlauf, allerdings hätten Polizisten in der Innenstadt immer wieder Präsenz gezeigt, um Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern des Protestes und mutmaßlichen Gegnern der Corona-Maßnahmen zu verhindern.

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