Den Hilfsdiensten im Kreis Esslingen geht das Schutzmaterial aus Alarmsignale aus der ambulanten Pflege

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In der Corona-Krise sind auch die mobilen Hilfsdienste am Limit angekommen – oder schon darüber hinaus. Im Kreis Esslingen können sie ihre Aufgabe bis jetzt noch unter halbwegs vertretbaren Bedingungen erfüllen: allerdings nicht mehr lange.

Bis jetzt  sind die  Pflegedienste im Kreis Esslingen noch mit Schutzausrüstung versorgt. Aber es wird immer enger. Foto: dpa/Jana Bauch
Bis jetzt sind die Pflegedienste im Kreis Esslingen noch mit Schutzausrüstung versorgt. Aber es wird immer enger. Foto: dpa/Jana Bauch

Kreis Esslingen - Nun soll sie also auf dem Weg nach Baden-Württemberg sein: die in der Corona-Krise dringend benötigte Schutzausrüstung, an der es in Kliniken, Arztpraxen, Altenheimen, Behinderteneinrichtungen und bei Rettungsdiensten mangelt. Zumeist fehlen in dieser behördlichen Aufzählung ambulante Hilfs- und Pflegedienste, deren Klientel jedoch fast vollständig zur sogenannten Risikogruppe gehört und deren Beschäftigte keinen vorgegebenen Sicherheitsabstand zu ihrer Kundschaft einhalten können.

Ein Blick in den Kreis Esslingen zeigt, dass die Alarmsignale, die der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (BAD) jetzt noch einmal ausgesandt hat, mehr als berechtigt sind. Der BAD fordert eine zentrale staatliche Beschaffung und Vorhaltung von Desinfektionsmitteln, Schutzkleidung und in der pflegerischen Versorgung benötigten Hilfsmitteln sowohl für kommunale, gemeinnützige wie auch privatgewerbliche Einrichtungen und Anbieter.

Pflegefachkraft näht Schutzmasken für sich und ihre Kolleginnen

Wie groß die Erfordernisse sind, machen die Schilderungen einer jungen Frau deutlich, die für einen ambulanten Pflegedienst unter anderem im Schurwald arbeitet: „Mundschutz, Einmalhandschuhe und -kittel sowie das Händedesinfektionsmittel sind gewissermaßen rationiert. Wir achten zwar auf alle Regeln der Hygiene, auf uns und auf die Kundschaft, was aber nahezu unmöglich ist.“ Inzwischen helfe sie sich selbst, sagt die Pflegefachkraft. „Nach Feierabend setze ich mich hin und nähe Schutzmasken für mich und meine Kolleginnen.“

Ganz so weit ist es beim DRK-Pflegedienst Curavita in Esslingen noch nicht. „Wir haben alles in Bewegung gesetzt, sind mit Schutzkleidung ausgestattet und haben die wichtigen Sachen vorrätig“, erklärt die Geschäftsführerin Yvonne Gick. Auch personell sei Curavita noch gut aufgestellt. Coronabedingte Ausfälle gebe es nicht. „Unsere Leute sind hoch motiviert und die Betreuten gottfroh, dass wir weiterhin kommen können“, fügt sie hinzu. Als Devise hat Yvonne Gick daher ausgegeben, alle Vorgaben strikt einzuhalten, noch vorsichtiger und noch hygienischer zu arbeiten als ohnehin üblich.

Andrea Geiselhart: Die Einsicht ist da, dass man uns nicht vergessen sollte

Mit den Worten „angespannt, aber noch ruhig“ beschreibt Andrea Geiselhart, die Chefin des gleichnamigen Wendlinger Pflegedienstes, die momentane Situation. „Wir sparen Ressourcen so gut es eben geht, auch in personeller Hinsicht.“ Bis jetzt sei noch niemand ausgefallen, weil ebenso vorsichtig wie überlegt gehandelt werde. „Wir setzen Prioritäten, haben etwa die Hauswirtschaft heruntergefahren, leisten aber alles, was lebensnotwendig ist und unterstützen jeden, der Unterstützungsbedarf hat“, betont Geiselhart. Nicht zuletzt die Leitungskräfte seien deshalb gefordert, um beispielsweise die Tourenpläne von Tag zu Tag anzupassen.

Was das notwendige Schutzmaterial angeht, sieht die Geschäftsführerin hingegen Land. „Wir waren und sind noch versorgt, auch wenn eine Vorhaltung des Materials eigentlich nicht vorgesehen ist. Inzwischen ist aber auch auf den höheren Aufsichtsebenen die Einsicht da, dass man uns nicht vergessen sollte, obwohl wir am Ende der Kette stehen“, sagt Geiselhart.

Johannes Sipple: Versorgung mit Schutzutensilien ist geradezu dramatisch

Johannes Sipple, der die Geschäfte der Esslinger Sozialstation leitet, will sich mit einem „Platz in der zweiten Reihe“ ebenfalls nicht länger abfinden. Mit rund 100 Beschäftigten versorge die Sozialstation mehr als 1000 Pflegebedürftige. „Und ich muss unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausdrücklich loben, weil alle voll am Start sind und sich untereinander präventiv isolieren“, erklärt Sipple.

Dass die Sozialstation bei einigen ihrer Angebote an Grenzen stoße, etwa bei der Lieferung von warmem Essen, sei keine Frage, ergänzt er. „Und auch die aktuelle Versorgung mit Schutzutensilien ist geradezu dramatisch“. Sipple ist deshalb gespannt, „ob und was von dem dringend benötigten Material bei uns ankommt, oder ob der Kreis und die Städte erst mal nach sich und ihren Kliniken schauen.“