Denkmalschutz in Stuttgart-Feuerbach Das rote Haus steht den Stadtplanern im Weg

Die Flächen rund um den Feuerbacher Bahnhof sollen in den kommenden Jahren attraktiver werden. Was mit dem Eingangsgebäude zum Tiefbunker passieren wird, ist derzeit noch nicht klar. Wohl erst im Jahr 2023 wird Gewissheit herrschen. Foto: Archiv Torsten Ströbele
Die Flächen rund um den Feuerbacher Bahnhof sollen in den kommenden Jahren attraktiver werden. Was mit dem Eingangsgebäude zum Tiefbunker passieren wird, ist derzeit noch nicht klar. Wohl erst im Jahr 2023 wird Gewissheit herrschen. Foto: Archiv Torsten Ströbele

Werden Teile das Eingangsgebäudes zum Tiefbunker in Feuerbach abgerissen? Der Verein Schutzbauten kämpft mit der Denkmalpflege um den Erhalt.

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Stuttgart - Auf dem ehemaligen Schoch-Areal und rund um den Feuerbacher Bahnhof entsteht das neue Quartier am Wiener Platz. Auf einer Gesamtfläche von etwa 2,6 Hektar werden unter anderem in den nächsten zwei bis drei Jahren circa 170 Wohnungen gebaut. Das Areal besitze dank seiner Lage das Potenzial, sich zum „Tor zu Feuerbach“ zu entwickeln, heißt es auf der Internetseite der Stadt Stuttgart. Da passt ein rotes Gebäude direkt an der Stadtbahnhaltestelle vor dem Feuerbacher Bahnhof für das Amt für Stadtplanung und Wohnen nicht so ganz ins Bild und Konzept. Es handelt sich dabei um das Zugangsgebäude zu einem Tiefbunker, der laut Baubürgermeister Peter Pätzold „1940 als Luftschutzbunker erbaut und 1971 bis 1974 als Zivilschutzanlage des Kalten Krieges und Schutz gegen die Auswirkungen eines Atomkrieges für einen längeren Aufenthalt umgebaut wurde“.

Der Eingang steht seit Mai unter Denkmalschutz

Bislang ist die Stadt davon ausgegangen, dass nur der unterirdisch gelegene Bunker denkmalgeschützt ist. Allerdings hat das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart im Zuge weiterer Prüfungen nun im Mai dieses Jahres auch das Eingangsgebäude unter Denkmalschutz gestellt. Sehr zum Leidwesen der Stadtplaner, die eigentlich das rote Gebäude entfernen lassen wollten, um einen neuen Zugang zum Tiefbunker zu schaffen – „städtebaulich verträglich und historisch angemessen“, wie Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Wohnen es im Bezirksbeirat formulierte. Gemeinsam mit der Denkmalpflege sollten neue Ideen gefunden werden – auch in enger Abstimmung mit dem Verein Schutzbauten, der sich um den Tiefbunker kümmert.

Verein Schutzbauten wehrt sich vehement

Der Vorsitzende des Vereins, Rolf Zielfleisch, befürchtete aber bis zuletzt, dass die Stadt das Eingangsgebäude zum Tiefbunker einfach abreißen lassen würde, ohne ein schlüssiges Konzept vorlegen zu können. Zielfleisch machte seinem Ärger im Bezirksbeirat und in vielen E-Mails an Stadtverwaltung und Lokalpolitiker Luft. Das ging dem einen oder anderen aber zu weit. „Die Schärfe hat uns überrascht“, sagte Holch. „Ich verbuche das mal unter dem großen Eifer im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements.“ Man wolle den Verein weiterhin beteiligen und mitbestimmen lassen. Allerdings müsse der Umgang miteinander besser werden.

Eine Alternative könnte die Unterführung sein

Mittlerweile scheint man auf einem guten gemeinsamen Weg zu sein. Mitte Oktober trafen sich Verantwortliche der Stadt, der Landesdenkmalpflege und des Vereins Schutzbauten vor Ort, um über mögliche Lösungen zu sprechen. „Wir hatten den Eindruck, dass es ein fruchtbares Zusammentreffen war. Der Verein bedankt sich für die konstruktiven Gespräche“, sagt Zielfleisch. Thema war unter anderem auch die gewünschte Erweiterung des Tiefbunkermuseums. „Eine mögliche Alternative zur Unterbringung wäre die an den Tiefbunker anschließende Fußgängerunterführung unter der Steiermärker Straße“, heißt es in einer Vorlage an den Gemeinderat. Diese Option solle „im Rahmen einer Machbarkeitsuntersuchung analysiert werden“. Sie werde im ersten Quartal 2022 vergeben und liege voraussichtlich bis Ende 2022 vor, sagt Holch auf Nachfrage unserer Zeitung. „Auf ihrer Grundlage werden wir mit den Denkmalbehörden und dem Verein Schutzbauten über Varianten verhandeln.“ Dann wird auch endgültig geklärt, ob das aktuelle Eingangsgebäude teilweise abgerissen wird oder so bestehen bleibt. „Sollte eine Veränderung des oberirdischen Bunkerzugangs möglich sein, dann werden wir den Ideenwettbewerb für dessen künstlerische Gestaltung voraussichtlich 2023 durchführen“, erklärt Holch.

Für Angelika Reiff von der Landesdenkmalpflege macht es aus heutiger Sicht allerdings wenig Sinn, das Trafohaus als Teil des Eingangsgebäudes abzureißen: „Aber wir hören uns natürlich alle Vorschläge und Ideen erst einmal an.“

Das „Wiener Loch“ wird wenig genutzt

Den Vorschlag, die Fußgängerunterführung unter der Steiermärker Straße für das Tiefbunkermuseum zu nutzen, fand sie auf jeden Fall gut – wie auch Feuerbachs Bezirksvorsteherin Andrea Klöber, die diese Idee überhaupt erst ins Spiel gebracht hat. Das „Wiener Loch“, wie sie die Unterführung nennt, werde aktuell sehr wenig genutzt: „Ich fände es gut, wenn es für etwas Sinnvolles und Gutes genutzt werden würde.“ In der wenig frequentierten Unterführung befinde sich bereits ein Zugang zu einem Nebenarm des Tiefbunkers, der Teil der Gesamtausstellung sei und als Nebenausgang fungiere, heißt es in einer Vorlage an den Gemeinderat: „In der Untersuchung soll dargestellt werden, wie die Unterführung genutzt werden könnte, um die funktionalen Anforderungen des Vereins zu erfüllen.“

Dazu Rolf Zielfleisch: „Der Verein ist jetzt aus der Angelegenheit raus. Mehr können wir nicht unternehmen. Ich hoffe es führt zu einem glücklichen Ende. Für mich persönlich würde ein Scheitern die sofortige Beendigung aller Aktivitäten bedeuten.“




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