Der Fußball-Spielmacher Klaus Raff Nur den Schokoriegel hat er selten gewonnen

Klaus Raff mit seiner zwölfjährigen Hündin Lotta. Mit dem Fußballsport hat der ehemalige „Römer“ Spielmacher, der stets  Bestnoten erhielt, nicht mehr viel zu tun. Foto: /Susanne Degel
Klaus Raff mit seiner zwölfjährigen Hündin Lotta. Mit dem Fußballsport hat der ehemalige „Römer“ Spielmacher, der stets Bestnoten erhielt, nicht mehr viel zu tun. Foto: /Susanne Degel

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und in Kernen: Wir wollen in dieser Serie Akteure vorstellen, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Klaus Raff, der bei den „Römern“ auch schon mit Asgeir Sigurvinsson verglichen wurde.

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Uhingen/Rommelshausen - Raff wie Sigurvinsson“ – so titelte am 25. Oktober 1987 die Fellbacher Zeitung nach dem 3:1-Pokalsieg der Fußballer der Spvgg Rommelshausen beim SC Korb. Zweifellos ein Ritterschlag für die Nummer zehn der „Römer“. Mit herunterhängenden Stutzen, schönen Dribblings und Traumpässen am Fließband hatte Klaus Raff in dem Erstrundenspiel um den württembergischen Verbandspokal in seiner Spielweise den Artikel-Schreiber Thomas Rennet – und nicht nur diesen – an den damaligen VfB-Profi Asgeir Sigurvinsson erinnert. Immerhin: Der Isländer gilt bis heute als einer der besten Spielmacher, die je das Trikot mit dem roten Brustring getragen haben.

Klaus Raff fiebert mit 1860 München mit

Klaus Raff, der „Sigi“ aus der Landesliga, hatte in jenem Spiel die 1:0-Führung erzielt und hernach die Tore von Jürgen Rube und Ralf Dobelmann mustergültig vorbereitet. Mehr als 33 Jahre ist das jetzt her. Mittlerweile hat Klaus Raff, 56, mit Fußball nicht mehr viel zu tun. Ab und an sieht man ihn noch beim 1. Göppinger SV unter den Zuschauern – wenn der Oberligist gute Teams zu Gast hat. Und er fiebert nach wie vor mit 1860 München, den Löwen, mit, seinem Lieblingsverein. „Ich hatte als Fußballer eine schöne Zeit, aber die ist jetzt lange vorbei“, sagt Klaus Raff, der in Uhingen wohnt.

Mit dem Kicken hatte er einst als Siebenjähriger bei seinem Heimatverein ASV Aichwald begonnen. Als B-Jugendlicher wechselte er zu den Stuttgarter Kickers, blieb aus familiären Gründen aber nur die eine Saison auf Degerlochs Höhen. Nach vier Jahren beim Stuttgarter Sportclub, bei dem er nach der A-Jugend den sofortigen Sprung ins Landesliga-Team schaffte, wechselte er zur Spvgg Rommelshausen. „Ich weiß allerdings nicht mehr, wie es dazu kam“, sagt der Vater einer Tochter und lacht.

Bei den „Römern“ die schönste Zeit als Fußballer verbracht

Dass er bei den „Römern“ indes seine schönste Zeit als Fußballer verbrachte, ist ihm in bester Erinnerung geblieben. Dort sei es sehr familiär gewesen, das habe ihm gut gefallen. Und es habe auch nie großen Druck gegeben. Vor allem bei Horst Reit und seiner Familie sei er immer herzlich willkommen gewesen. Auch die Feste im Reit’schen Hof, bei denen regelmäßig auch VfB-Profis wie die Förster-Brüder oder Guido Buchwald dabei waren, seien toll gewesen. Überdies habe ihm die Arbeit mit Johann („Buffy“) Ettmayer, 30-facher österreichischer Nationalspieler und zwei Jahre Trainer in „Rom“, gefallen. „Er hat mir das beigebracht, was ihn selbst stark gemacht hat“, sagt Klaus Raff, der als Mechaniker in Esslingen arbeitet. Oft hatten sich die beiden nach dem Training noch ein Privatduell geliefert. Wer trifft öfter die Latte – so hieß das Spiel. „Ich habe selten den Schokoriegel gewonnen, um den es ging“, sagt Klaus Raff, der einen guten Schuss hatte und stets den linken Schuh zuerst geschnürt hat. Schmunzeln muss er heute noch, wenn er an seinen Mitspieler Jürgen Rube denkt. „Vor dem Spiel haben wir auf dem Klo immer noch eine zusammen gepafft.“

Das spektakulärste Tor war ein Kopfballtreffer

Als Klaus Raff die Spvgg Rommelshausen nach drei Spielzeiten verließ, sei ihm das sehr schwer gefallen. Doch der sportliche Anreiz war zu groß. So wollte ihn der Trainer Erich Schmeil unbedingt in seinem Team haben, also wechselte Klaus Raff zum Verbandsligisten VfL Sindelfingen, mit dem ihm der Aufstieg in die Oberliga, seinerzeit die höchste Amateurklasse, gelang und in dessen Trikot er sein wohl spektakulärstes Tor erzielte: Im Derby gegen die SV Böblingen vor 3000 Zuschauern sei ihm, am 16-Meter-Raum stehend, der Ball nach einem „echt hart getreten Eckstoß voll auf die Birne geflogen“ und von dort ins Tor. „Das war nicht gewollt, und ich hatte danach Schädelweh wie nie zuvor“, sagt Klaus Raff, dessen einzige Schwäche das Kopfballspiel war.

Mit 34 Jahren die Laufbahn beendet

Mit 34 hat Klaus Raff seine Laufbahn beendet – im Trikot des Oberligisten VfL Kirchheim, bei dem er dreieinhalb Jahre spielte und auch Kapitän war. Damals kickte er auch noch in der württembergischen Auswahl mit Leuten wie Markus Gisdol, aktuell Trainer des Erstligisten 1. FC Köln, oder Andreas Menger, Ex-Torwarttrainer beim VfB, zusammen. Warum der Sprung zum Profi nicht klappte, obwohl er das Potenzial dazu hatte? Vermutlich lag’s am fehlenden Quäntchen Glück, sagt Klaus Raff. Damals seien lange nicht so viel Scouts unterwegs gewesen wie heute. „Wenn ich mal wirklich richtig gut gespielt habe, war keiner da. Und wenn einer da war, bin ich ausgewechselt worden.“ Enttäuscht ist er darüber nicht. „Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist“, sagt er. Aber schade findet er es allemal. „Ich hätte eine Chance verdient gehabt.“

Was bleibt, sind dennoch viele schöne Erinnerungen – im Kopf und in Zeitungstexten verfasst. Letztere hat seine Frau Annette („die beste Ehefrau der Welt“) in fünf Ordnern zusammengetragen und ihm zum 40. Geburtstag geschenkt. In einem klebt auch jener Artikel vom 25. Oktober 1987: „Raff wie Sigurvinsson“.




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