Der neue Agrarminister Christian Schmidts Rückkehr zu seinen Wurzeln

Niemand hatte damit gerechnet, dass Christian Schmidt in die erste Reihe rückt. Foto: dpa
Niemand hatte damit gerechnet, dass Christian Schmidt in die erste Reihe rückt. Foto: dpa

Christian Schmidt hat sich als Außen- und Sicherheitsexperte profiliert. Jetzt wird der CSU-Vize Nachfolger von Hans-Peter Friedrich und übernimmt das Amt des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft.

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Berlin - Er ist Bäckersohn. Und weil Christian Schmidt aus Obernzenn, einem 2300-Seelen-Dorf in Mittelfranken stammt, hat der 56 Jahre alte CSU-Politiker einige Anknüpfungspunkte, die ihm in seiner neuen Aufgabe helfen können: Am Montag trat Schmidt als Nachfolger von Hans-Peter Friedrich das Amt des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft an. Seit 1990 ist der Jurist und Vater von zwei Töchtern Bundestagsabgeordneter. Er vertritt den Wahlkreis Fürth, den er bei den Bundestagswahlen immer direkt gewann – zuletzt bekam er im September 2013 mehr als 49 Prozent der Erststimmen.

Schmidt war einige Jahre Kirchenvorsteher in Obernzenn und amtiert als stellvertretendes Mitglied der Synode der evangelischen Kirche in Bayern. Er leitet den Evangelischen Arbeitskreis der CSU, deren Spitze er seit 2011 als stellvertretender Parteivorsitzender angehört. Einer breiteren Öffentlichkeit ist Schmidt bisher nicht bekannt. Dabei genießt er in Berlin als Fachmann in der Außen- und Verteidigungspolitik einen guten Ruf.

Schmidt war von 2005 bis Dezember 2013 parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsressort und sitzt der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft vor. Er sei ein überzeugter Transatlantiker und ein entschlossener Europäer, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), als Schmidt die Aufgabe im Verteidigungsministerium abgab und ins Ministerium für Entwicklungshilfe wechselte. Dort war er nur wenige Wochen aktiv, bevor er nun aus der zweiten Reihe der Politik an die Spitze des Agrarressorts aufrückte.

Viel Anerkennung für seinen Fleiß

Schmidt ist mit Sicherheit keine Verlegenheitslösung. Dass er viel Erfahrung in der Leitung eines Ministeriums hat und sich rasch auch in neue Aufgaben einarbeiten kann, steht fest. Kein anderer parlamentarischer Staatssekretär hat je länger im Verteidigungsressort gearbeitet als Schmidt. Auch hat er sich mit seiner sachlichen Art und seinem Fleiß viel Anerkennung erworben. Nur muss er jetzt zeigen, dass er auch in der ersten Reihe der Politik bestehen kann.

Gewiss lag sein Schwerpunkt bisher nicht im Feld der Agrarpolitik. Allerdings kann Schmidt im Landwirtschaftsressort auf erfahrene Mitarbeiter zählen. Zudem hat das Ressort nicht mehr die frühere Bedeutung. Für den Verbraucherschutz ist in der Großen Koalition Justizminister Heiko Maas (SPD) zuständig. Und die milliardenschwere EU-Agrarförderung hat Brüssel für die kommenden Jahre neu verteilt. Friedrich hatte sich als „Minister für den ländlichen Raum“ verstanden – also einen Ansatz verfolgt, der weit über die eigentliche Agrarpolitik hinausgeht. Ob Schmidt diesen Ansatz übernimmt, bleibt abzuwarten. Heimatliebe ist ihm allemal eigen. Zu seinem Abschied im Verteidigungsministerium spielte das Stabsmusikkorps der Bundeswehr im Januar 2014 Marschmusik, den Beatles-Song „All you need is love“ und als Hommage an Schmidts Heimat das „Frankenlied“




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