Der neue Schießtrainer Engelbert Sklorz Die Wunderwaffe der deutschen Biathleten

Engelbert Sklorz ist seit Mai Schießtrainer des deutschen Biathlon-Teams – in seiner Freizeit tritt der Bayer als Sportschütze bei Wettkämpfen an. Foto: imago/Ernst Wukits
Engelbert Sklorz ist seit Mai Schießtrainer des deutschen Biathlon-Teams – in seiner Freizeit tritt der Bayer als Sportschütze bei Wettkämpfen an. Foto: imago/Ernst Wukits

Schießtrainer Engelbert Sklorz verblüfft selbst die Routiniers im deutschen Biathlon-Team mit seinen ausgefeilten Methoden und Akribie. Bei Benedikt Doll weckt der Bayer sogar häufig ein schlechtes Gewissen.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Stuttgart - Er ist wahnsinnig schwer zu ermüden, eher gibt der Athlet auf als er“, sagt Benedikt Doll, und Vanessa Hinz meint: „Er bringt irre viel neuen Input und sieht so viele kleine Sachen, die ich nicht erkannt habe.“ Die Lobeshymnen sind an Engelbert Sklorz gerichtet, den neuen Schießtrainer, der seit Mai im Amt ist. Ein nimmermüder, akribisch arbeitender Analyst mit Röntgenblick, der die Sportler sehr gut versteht, der ihnen vermitteln kann, woran es hapert, und der weiß, wie man jedes Manko abstellt. Eine Wunderwaffe der deutschen Biathleten in der Weltcup-Saison, die am Wochenende in Kontiolahti beginnt.

Ganz recht ist es dem 55-jährigen Bayer nicht, dass seine Person so ins Zentrum gerückt wird. Er macht doch nur seinen Job. Aber der ist im Biathlon der entscheidende, er macht den Unterschied zwischen Gold und Blech. Schnell laufen ist wichtig, wer am Schießstand die Scheiben aber häufiger verfehlt als trifft, bringt es kaum über Kreismeisterschaften hinaus. „Schießen ist bei mir Dreh- und Angelpunkt. Ich weiß, dass ich an den Schießzeiten feilen muss“, sagt Denise Herrmann. Die Ex-Weltmeisterin ist bisweilen eine Wackelkandidatin. Sie ist eine der stärksten Läuferinnen der Szene, und wenn die 31-Jährige (nahezu) fehlerfrei am Schießstand bleibt, ist sie fast sicher auf dem Treppchen. Mitunter verfehlt Herrmann mehr als eine Scheibe, dann verschwindet sie im Nirwana der Ergebnislisten.

Martin Fourcade – der perfekte Schütze

„Die Ausbildung beim Schießen ist beim Verband lange vernachlässigt worden“, sagt Engelbert Sklorz, „das wird nun nachgeholt.“ Der viele Jahre zuständige Gerald Hönig musste im Frühjahr gehen, er heuerte bei den Österreichern an. Sklorz, der Bundespolizist aus Bad Endorf, ist für alle Biathleten im Deutschen Ski-Verband (DSV) zuständig, von den Stars wie Denise Herrmann und Arnd Peiffer bis zum Nachwuchs, deshalb pendelt er von einem Lehrgang zum nächsten, von einem Stützpunkt zum anderen. Schießtraining nach dem Gießkannenprinzip nennt er das. Sein Ausbildungsgeheimnis ist im Grunde keines, abgesehen davon, dass er eine Analyse betreibt, die an penetrante Akribie grenzt. Ein Erbsenzähler am Schießstand. Mit seinen Geräten nimmt er den gesamten Verlauf auf, um ihn in Einzelteile zu zerlegen. Wie baut der Sportler den Schuss auf? Wie ruhig hält er die Waffe? Atmet er richtig? Kann man den Anschlag verbessern? Das gesamte System Sportler-Gewehr muss absolut ruhig sein, das Ziel im Zentrum, dann erst darf der Schuss abgegeben werden. „Es geht um viele Kleinigkeiten, die alle passen müssen“, sagt Sklorz. Manche Biathleten erreichen den Druckpunkt am Abzug zu schnell, sie lösen den Schuss um Sekundenbruchteile zu früh, weil das Ziel noch nicht im Zentrum ist. Daneben. „Er sieht Dinge, die mir nicht aufgefallen sind“, sagt auch Simon Schempp, „es war gut, dass einer von außen gekommen ist, mit einem neuen Blickwinkel.“

Für Sklorz ist der zurückgetretene Martin Fourcade der perfekte Schütze, weil der Franzose nach der Maxime handelt: Wenn die Waffe nicht vollkommen ruhig und das Ziel nicht zentriert ist, feuert er nicht. Lieber baut er den Schuss neu auf, auch wenn es Zeit kostet. „Diese Maxime versuche ich zu vermitteln“, sagt der Schießexperte.

Schießen kann jeder lernen

Im Grunde, da ist Sklorz überzeugt, kann jeder schießen lernen; wer Talent mitbringt, erreicht ein hohes Niveau schneller. „Es ist wie Autofahren“, sagt der Ex-Biathlet (aktiv 1982 bis 1990), „manche können es sofort und manche brauchen mehr Zeit.“ Der Rest ist Fleißarbeit, von zähen Trockenübungen bis zum Training unter Belastung am Stand. Wegen dieser monotonen Struktur haben Umschüler aus dem Langlauflager wie Herrmann keine schlechteren Chancen wie solche, die seit dem Jugendalter im Biathlon sind.

Um ein perfekter Schütze zu werden, ist Fleiß nötig, aber auch der Kopf. Stichwort: der letzte Schuss, der so oft daneben geht – und das Rennen entscheidet. Sklorz predigt immer wieder, jeden Schuss einzeln zu betrachten. „Jeder Schuss ist neu“, sagt er, die Biathleten sollten nicht ans Ergebnis denken, sondern stoisch ihre Schießroutine abrufen. Das funktioniert aber nicht immer, was im Grunde erfreulich für die Fans ist, weil dieser Aspekt die Sportart so spannend macht.

Der Schießtrainer prüft sich als Sportschütze bei Wettbewerben, dabei wurde er deutscher Polizeimeister im Team und gewann die bayerische und die oberbayerische Meisterschaft. Das Geheimnis des perfekten Schusses ist keines, jeder Schütze kennt es: Ziel im Zentrum, Waffe ruhig, Druckpunkt am Abzug langsam kommen lassen. Bei Benedikt Doll meldet sich manchmal das schlechte Gewissen, wenn er an Engelbert Sklorz denkt. „Die Trockenübungen“, sagt der Schwarzwälder, „die habe ich zuletzt vernachlässigt. Da muss ich wieder mehr machen.“ In Kontiolahti schlägt für Ex-Weltmeister Doll am Samstag (11 Uhr/ZDF) im Einzel die Stunde der Wahrheit.

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