Der neue „Tatort“ aus Norddeutschland Gesichter der Wahrheit

Hat Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) die Libanesin Alima (Sabrina Amali) getötet? Szene aus „Alles was Sie sagen“ Foto: NDR 7 Bilder
Hat Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) die Libanesin Alima (Sabrina Amali) getötet? Szene aus „Alles was Sie sagen“ Foto: NDR

„Alles was Sie sagen“ mit dem „Tatort“-Bundespolizist Falke ist ein cleveres Spiel mit Perspektiven und Erinnerungen. Die Überprüfung eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers führt Falke und dessen Kollegin Grosz nach Lüneburg – dort gerät der Polizist selbst unter Tatverdacht.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)

Stuttgart - Die Wahrheit hat viele Gesichter. Der neue „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring als Bundespolizist Thorsten Falke ist eine fiktionale Fingerübung dieser Binsenweisheit; sein ungewöhnliches Erzählmuster liegt weitab vom klassischen Whodunnit.

Falke und Julia Grosz (Franziska Weisz), die inzwischen im vierten Fall an seiner Seite ist, sollen in Lüneburg einen Libanesen überprüfen. Tarek Salam (Youssef Maghrebi) steht unter Verdacht, Mitglied einer Miliz und an Gräueltaten beteiligt gewesen zu sein. In Lüneburg lebt der „Vorzeigeflüchtling“ gut integriert, assistiert sogar im Deutsch-Unterricht für Geflüchtete. Doch als die Ermittler in der Schule auftauchen, nimmt er Reißaus.

Am Ende – und das ist der Anfang von „Alles was Sie sagen“ von Regisseur Özgür Yildirim – können die Kommissare den Libanesen in einer leer stehenden Fabrik dingfest machen, allerdings kommt dabei eine Frau zu Tode: die Schwester Salams (Sabrina Amali), die sich als dessen Ehefrau ausgegeben hatte.

Falke gerät unter Tatverdacht

Wer hat sie erschossen? Unter Tatverdacht gerät Falke, der von Grosz direkt neben der Toten mit der Waffe in der Hand vorgefunden wird, und so beginnen noch in der Nacht die Vernehmungen durch den Lüneburger Polizeiboss Joachim Rehberg (Jörn Knebel). Die Drehbuchautoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf konstruieren den Krimi als Wechsel aus kammerspielartigen Vernehmungen im Verhörraum und Rückblenden, die das Geschilderte veranschaulichen. Schnell stellt sich heraus, dass Falke und Grosz die Geschehnisse unterschiedlich darstellen.

Der Krimi ist ein cleveres – und überraschend aufgelöstes – Spiel mit Wahrheiten, Perspektiven, Wahrnehmungen und Erinnerungen, bei dem es keine Gewissheiten gibt. Der Zuschauer erlebt einen anrührend eifersüchtigen Falke und eine Grosz, die zwischen Heimlichtuerei und eruptiver Offenheit schwankt und sogar mal vom „krassen Sex“ mit einem Polizisten-Ex schwärmt. Die Flüchtlingsthematik ist Nebensache, im Zentrum steht die schwierige Chemie zwischen den beiden Bundespolizisten, die am Schluss nicht mehr gar so schwierig ist. Oder es zumindest nicht mehr zu sein scheint – man weiß es nicht so genau.




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