„Desaströse Lage“ bei der Remstalkellerei Hiobsbotschaft zur Adventszeit

Von Annette Clauß 

Schlechte Nachrichten für die rund 1300 Mitglieder der Remstalkellerei: Diese befindet sich laut der Geschäftsführung derzeit in einer „wirtschaftlich desaströsen Lage“.

Angesichts schlechter Zahlen arbeitet die Remstalkellerei an einer Konsolidierungsstrategie, die  sie ihren  Mitgliedern  im Frühjahr vorstellen will. Foto: Gottfried Stoppel
Angesichts schlechter Zahlen arbeitet die Remstalkellerei an einer Konsolidierungsstrategie, die sie ihren Mitgliedern im Frühjahr vorstellen will. Foto: Gottfried Stoppel

Weinstadt - Dass die Remstalkellerei seit einigen Jahren mit wirtschaftlichen Problemen kämpft, ist bekannt. Allerdings hat sich die Lage nun offenbar dramatisch zugespitzt: In einem am Freitag versandten Rundschreiben teilen der Geschäftsführer Peter Jung und Heike Schacherl, Vorstand Finanzen und Verwaltung, den rund 1300 Mitgliedern der Genossenschaft mit, dass die Remstalkellerei sich „in einer wirtschaftlich desaströsen Lage“ befinde. „Die Remstalkellerei hat derzeit keine Liquiditätsprobleme“, heißt es zwar ebenfalls, allerdings werden die Wengerter darauf hingewiesen, dass die Traubengeldauszahlungen von sofort an und bis vorerst kommenden Februar eingestellt werden. Die vorläufigen Auszahlungen der vergangenen vier Jahre müssten korrigiert werden wegen der „deutlich verfehlten Absatz- und Umsatzerwartungen“.

Peter Jung ist seit August dieses Jahres hauptamtlicher Geschäftsführer der Remstalkellerei – ein Posten, der zuvor rund fünf Jahre lang vakant gewesen war. Sein Kommentar zu der aktuellen Situation ist kurz und knapp: „Ich gebe kein Statement ab.“ Jung will sich auf Nachfrage weder dazu äußern, wer die Verantwortung für die schwierige Lage der Genossenschaft trägt, noch ob es bereits Reaktionen der Genossenschaftsmitglieder auf das Rundschreiben gegeben hat.

Außerordentliche Generalversammlung im Frühjahr

„Die Mitglieder sind ausreichend informiert“, sagt der Geschäftsführer – alles Weitere werde man mitteilen, sobald die Jahresabschlusszahlen vorlägen. Bei einer außerordentlichen Generalversammlung im kommenden Frühjahr, angepeilt sei ein Termin im März, würden Mitglieder wie auch Presse informiert.

In dem Rundschreiben an die Mitglieder ist von einer „jahrelang fehlerhaften Einschätzung der Weinmarktentwicklung“ die Rede – das Absatzpotenzial der eigenen Weine sei zu optimistisch eingeschätzt worden. Insbesondere der Jahrgang 2016 macht den Verantwortlichen offenbar Sorgen. Denn der könne weder in Sachen Qualität noch in Sachen Quantität – da im Überfluss vorhanden – als marktgerecht bezeichnet werden.

Bei dem jüngst eingelagerten aktuellen Jahrgang sieht die Sache anders aus, was den 2016er jedoch erst recht zu einem Problemwein macht. Dieser habe „nahezu über Nacht“ den kompletten Wert verloren. Nun sieht sich Peter Jung gezwungen, die noch eingelagerten Weine der Jahrgänge 2016, 2015 und 2014 einer „Sonderverwertung“ zuzuführen, sie also möglichst schnell loszuwerden, notfalls auch zum Schnäppchenpreis.

„Sonderverwertung“ der Jahrgänge 2016 bis 2014

Die im Jahr 2016 eingelagerten Mengen an Traubensaft wurden damals mit knapp sieben Millionen Liter beziffert, ihren gesamten Weinbestand im Keller gab die Remstalkellerei zum Jahresanfang 2017 mit 11,3 Millionen Liter an. Wie viele Liter Wein des Jahrgangs 2016 zum aktuellen Zeitpunkt noch auf Kunden warten – auch zu dieser Frage wollte sich Peter Jung am Montag nicht äußern.

Als weiteren Schritt kündigt die Geschäftsführung der Remstalkellerei eine „umfangreiche Konsolidierungsstrategie“ an, an der derzeit gearbeitet werde und die man bei der außerordentlichen Generalversammlung im Frühjahr vorstellen wolle.

Das Treffen dürfte spannend werden. Fraglich ist, ob bei dieser Gelegenheit auch der derzeit vakante Posten des Vorstandsvorsitzenden neu besetzt wird. Der damalige Vorstandsvorsitzende, Claus Mannschreck, hatte Mitte Oktober überraschend seinen Posten geräumt. Als Grund dafür nannte er private Gründe. Seine Stelle, so hieß es damals, werde man bei der nächsten Generalversammlung wiederbesetzen. Diese war eigentlich für Ende des zweiten Quartals vorgesehen.