Der Schienenverkehr soll klimaneutral werden. Dafür erproben Betreiber und Hersteller gegenwärtig unterschiedliche Technologien. Von Montag an verkehrt der erste batteriebetrieben Personenzug im Südwesten.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)

Berlin - Nun wird es ernst. Die Deutsche Bahn und der Hersteller Alstom testen von Montag an den deutschlandweit ersten Batteriezug im Fahrgastbetrieb. Werktags wird der Zug in Baden-Württemberg zwischen Horb und Stuttgart fahren, ab Februar an Wochenenden auch in Bayern zwischen Pleinfeld und Gunzenhausen im Fränkischen Seenland. Die Beteiligten sehen die Premiere als großen Schritt für eine umwelt- und klimafreundliche Antriebstechnologie im Nahverkehr, wie der DB-Regio-Chef Jörg Sandvoß betont.

Die Deutsche Bahn AG will bis 2040 klimaneutral unterwegs sein. Die Zugflotte wird bislang aber erst zu einem Teil mit Ökostrom versorgt. Und ein Drittel des Schienennetzes ist noch nicht elektrifiziert und muss daher mit Dieselzügen befahren werden, insgesamt sind das bundesweit noch 450 Regionallinien.

Eine deutlich nachhaltigere Alternative könnten Elektrozüge mit Batterieantrieb sein, die Abschnitte ohne Oberleitung mit Akkus überbrücken. Wie der erste voll zugelassenen Batteriezug von Alstom, genannt Battery Electric Multiple Unit (BEMU), mit dem die DB Regio nun bis Anfang Mai im Testbetrieb mit Fahrgästen Erfahrungen sammeln will. Der Test werde „wichtige Daten aus der Praxis liefern und zeigen, dass unser Batteriezug diese Lösung bietet“, hofft Alstom-Manager Müslüm Yakisan.

Technologie wurde seit dem Jahr 2016 entwickelt

Die Technologie entwickelt Alstom seit 2016 mit der Technischen Universität Berlin, unterstützt von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie sowie mit Geldern des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. Der Zug wird auf zwei Strecken mit unterschiedlichen Anforderungen getestet. Im Südwesten können die Batterien während der Fahrt geladen werden, in Bayern nur an den elektrifizierten Ziel- und Startbahnhöfen, da auf der Strecke Stromleitungen fehlen.

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Die Akku-Züge eignen sich wegen der begrenzten Ladekapazität besonders für kürzere Strecken oder Verbindungen, auf denen in einem Abschnitt die Oberleitung fehlt und deshalb ein normaler E-Zug nicht weiterkommt. Bisher muss deshalb die gesamte Fahrt mit Dieselzügen erfolgen. Der Akku-Zug könnte damit auch die teure Elektrifizierung weniger genutzter Strecken ersparen, was die Reaktivierung stillgelegter Trassen beschleunigen und verbilligen könnte.

Auch die Wasserstofftechnologie wird getestet

Auf längeren Strecken ohne Stromleitungen könnten dagegen Wasserstoff-Züge zum Einsatz kommen, um den Schienenverkehr klimaneutral zu machen. Auch hier laufen verschiedene Tests, die DB AG ist am Förderprojekt H2goesRail beteiligt, das ebenfalls im Südwesten läuft. Siemens Mobility entwickelt dafür einen neuen zweiteiligen Regionalzug auf der Basis seines Modells Mireo, zudem wird die benötigte Infrastruktur zur Betankung und Instandhaltung aufgebaut. Ab 2024 soll das komplexe Gesamtsystem für ein Jahr getestet werden.

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Wasserstoff als wegweisende Zukunftstechnologie, benötigt aber eine aufwendige Infrastruktur zur Produktion und Versorgung. Der geplante Regionalzug soll Tempo 160 fahren können, 600 Kilometer Reichweite haben und so leistungsfähig wie elektrische Triebzüge sein. Der Wasserstoff soll nachhaltig in Tübingen von DB Energie mit Hilfe von Ökostrom produziert werden.

Der Wasserstoffzug soll künftig einen Dieseltriebwagen ersetzen, der auf der sogenannten Kulturbahn zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim fährt. Dadurch sollen laut DB jährlich bei 120  000 Kilometer rund 330 Tonnen CO2 eingespart werden.

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