Die Deutschkurse für Flüchtlinge sind in Stuttgart modellhaft vielfältig. Jetzt sollen Kursleiter höhere Honorare bekommen, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ersetzt jedoch nicht die vollen Kostensteigerungen. Dies und die Pandemie bringt die Träger in Finanznot.

Lokales: Barbara Czimmer (czi)

Stuttgart - Die Nachricht vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) war zunächst mal eine gute: Die Honorare für die Leiter von Sprachkursen sollen von Januar 2021 an um sechs Euro von 35 auf 41 Euro erhöht werden, eine Steigerung um rund 17 Prozent. Die schlechte Nachricht folgte sodann: Das Bamf erstattet nur zwölf bis 12,8 Prozent der höheren Kosten, zu Lasten der Anbieter von Sprachkursen.

Träger beklagen Finanzierungslücke

Große Sozialunternehmen wie Caritas, aber auch kleine Vereine bieten Deutschkurse für Flüchtlinge an. Die Kostenentwicklung sei riskant für die Träger, weil die Kostenerstattungssätze nicht auskömmlich seien. Durch höhere Teilnahmegebühren sei das Defizit nicht auszugleichen, zumal laut Bamf die Gebühren ohnehin steigen sollen, von derzeit 220 auf 232 Euro pro 100 Unterrichtseinheiten. „Vielen Teilnehmenden wird der Zugang zu den Bundesintegrationskursen aufgrund mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten verwehrt“, heißt es in einem Schreiben an die Stadt. Sie plädieren dafür, die Teilnahmegebühr auf dem Stand von 2020 zu belassen.

Die finanzielle Lage der Träger hat sich in der Pandemie deutlich verschlechtert: Online-Kursangebote scheiterten oft an der technischen Ausstattung von Flüchtlingsunterkünften, wegen der Hygieneregeln war der Unterricht nur noch in kleinen Gruppen möglich.

Stadt unterstützt Kursanbieter

Gari Pavkovic, der Leiter der Abteilung für Integrationspolitik, hat die Bedenken der Träger in einem Schreiben an das Bamf weitergeleitet und fügt an, dass die Landeshauptstadt das Ziel verfolge, bedarfsgerechte und passgenaue Kurse anzubieten. Sollten jetzt Sprachkursträger „wegen finanzieller Engpässe wegbrechen, kann die Stadt dem nicht mehr gerecht werden“. Er bittet das Bamf nun um „konstruktive Lösungen“, doch seit Monaten wartet er darauf vergeblich.

Im Bemühen darum, den Ausstieg von Sprachkursträgern zu verhindern, hat die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Anna Christmann, ein Unterstützungsschreiben an das Bamf geschickt. Darin heißt es: „Die Erhöhung der Honorare ist zu begrüßen, sie darf aber nicht an den Sprachkursträgern hängen bleiben. Wir bitten Sie, sich für eine Verbesserung der aktuellen Rahmenbedingungen einzusetzen.“