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"Diana" im Kino London - zwischen Pizza und Palast

Diana ziert die Speisekarte. „Da Mario“ heißt das italienische Restaurant im ... Foto: Wolfgang Molitor 12 Bilder
Diana ziert die Speisekarte. „Da Mario“ heißt das italienische Restaurant im ... Foto: Wolfgang Molitor

Am 9. Januar 2014 startete der Film „Diana“ in den Kinos. In London können Lady-Di-Fans die bevorzugten Plätze der „Königin der Herzen“ besuchen.

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London - Der werbende Hinweis protzt auf den Stufen zu einem feinen Gebäude an der Gloucester Road. Nur einige Hundert Meter entfernt von Kensington Palace. Königin Queen Victoria höchstpersönlich hatte den Bau einst in Auftrag gegeben, doch längst hat ihm ein anderes Mitglied der Royals neuen Glanz und Berühmtheit eingehaucht. „Da Mario“ heißt das italienische Restaurant im Erdgeschoss mit der Hausnummer 15 nahe Queens Gate, das sich kühn mit dem Titel „Princess Di’s Local Pizzeria“ schmückt. Hier ist sie oft mit ihren Söhnen William und Harry eingekehrt, hat Spaghetti und Pizza bestellt. Klar, dass der Wirt das auszunutzen versteht und im Innern mit einem großen Gemälde an die hungrig-königlichen Gäste erinnert, auf dem Prinzessin Diana geradezu verliebt auf eine radgroße Da-Mario-Pizza stiert.

„Everybody sells me out“

Geschmacklos wie die Tagliatelle. „Everybody sells me out“: Jeder mache mit ihr sein Geschäft, soll Diana einmal geklagt haben. Resignierend. Delianne Forget verdient ihr Geld mit intimen Di-Geschichten wie dieser. Sie bietet Gruppenspaziergänge auf Dianas Spuren an, umgerechnet 152 Euro für den rund dreistündigen Walk. „Hier hat sie oft gegessen“, sagt Forget und führt nach 5 Wellington Terrace Bayswater Road zu „Diana“, einem libanesischen Imbiss. Von der in abwaschbares Plastik eingehüllten Speisekarte strahlt die Prinzessin zwischen Sandwich-Angeboten und Getränkepreisen den kauenden Gästen entgegen. Neben ihr ein Teil des Falafel-Teams von Abdul Daoud, der die Wände seines kleinen Ladens geschäftstüchtig mit Diana-Fotografien vollgepflastert hat.

Ein echter Royalist wie sein Kompagnon Fouad, der hinter der Theke steht. „Nebenan hat Lucas Constantinou den Jungs die Haare geschnitten“, erzählt Delianne. Sie verrät, wo Dianas Hairstylist Daniel Galvin noch heute Reichen und Schönen Locken dreht: 58-60 George Street. Oder wo Diana im Juli 1979 ihre erste eigene Wohnung bezog, die sie von ihren Eltern, den Spencers, zur Volljährigkeit geschenkt bekommen hatte: Coleherne Court 60. Der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel, der schon Hitlers „Untergang“ inszenierte, hat der Prinzessin mit seinem Film „Diana“ ein weiteres Denkmal gesetzt.

Doch nach der Londoner Weltpremiere Anfang September - wie erwartet ohne Besuch aus der königlichen Familie - verschwand die Liebesgeschichte mit Hauptdarstellerin Naomi Watts schon nach vier Wochen wieder aus den britischen Kinos. Nicht nur, weil 16 Jahre nach ihrem tödlichen Autounfall in Paris mittlerweile vor allem Sohn Prinz William und seine Frau Kate die Schlagzeilen beherrschen. Noch immer spaltet die „Königin der Herzen“ die britische Öffentlichkeit. „Ich hatte Angst davor, die berühmteste Frau unserer Zeit zu spielen, weil man so viel verglichen wird und die Menschen denken: Sie gehört uns“, sagt die 44-jährige Watts, die im Film eine Nasenprothese trägt, um Diana noch ähnlicher zu sein. Königin der Herzen? Oder doch ein männermordender Vamp?

Diana - die Schöne? Oder doch das Biest?

Delianne kann sie alle aufzählen, die Liebschaften mit den „First guys“: James Hewitt, Oliver Hoare, James Gilbey, dem Rugby-As Will Carling, dem Sänger Bryan Adams, John Kennedy jun., dem Schauspieler Kevin Costner. Und sie weiß von Charles’ Liebe zu Camilla zu berichten, die den Prinzen von Wales beherrscht. Diana - die Schöne? Oder doch das Biest? Hirschbiegel gibt sich gelassener. Seine leicht schmalzige Geschichte basiert auf Kate Snells Buch „Diana - Her Last Love“ und handelt von der Beziehung zu dem Herzchirurgen Hasnat Khan (gespielt von „Lost“-Star Naveen Andrews) in ihren letzten beiden Lebensjahren, die daran scheitert, dass der Pakistani mit dem Medienrummel nicht leben möchte, der die meistfotografierte Frau der Welt umgibt.

„Als Deutscher bin ich nicht wirklich Teil dessen, was in diesem Land hier vorgeht“, sagt der 56-jährige Regisseur. Er habe das Gefühl gehabt, einen Film machen zu können, „der so authentisch, ehrlich und wahr wie möglich ist - ohne dabei Angst haben zu müssen“. Die Zeitung „The Guardian“ lässt das kalt. „Die Wahrheit ist, dass Diana 16 Jahre nach dem schrecklichen Tag 1997 ein zweites Mal gestorben ist“, urteilt ihr Filmkritiker Peter Bradshaw. Vernichtend. „Wir sind hier eben nicht sehr romantisch“, sagt Cathy vom britischen Filmverleih. Wenige Schritte vom Kensington Park entfernt, dort, wo sich nach der Todesnachricht vor den golden glänzenden Toren des Palastes Blumenberge türmten, zelebriert Dickson D’Zousa seinen Diana-Cocktail.

„Eine Balance zwischen Sweetness und Sharpness“

Der Barkeeper in der Stables Bar im sehr britischen, sehr noblen Milestone-Hotel in 1 Kensington Court schüttelt Brockman’s Gin mit Zitronensaft und Zuckersirup und rundet das Ganze mit geschlagenem Eiweiß, Petersilie und Basilikum ab. „Eine Balance zwischen Sweetness und Sharpness“, zwischen Süße und Schärfe, mit einem schaumigen Häubchen, schwärmt Dickson, bevor Andrew Pike, der Direktor, charmant zum exklusiven Afternoon Tea mit feinsten Sandwiches, Scones und Petits Fours einlädt.

Delianne Forget wartet. Ihre Erinnerungstour durch Kensington Gardens, wo ältere Herren wie Kolonialoffiziere markig nach Hündchen rufen, die auf die Namen Bess, Scott oder Fred hören (oder auch nicht), ist noch nicht zu Ende. Es geht zum Hyde-, Green und St. James Park, wo die Gänse eleganter watscheln als viele Jogger. Tellergroße Hinweistafeln im Boden geben über elf Kilometer die Richtung vor. Zum Memorial Fountain, den erst 2004 eröffneten halb offiziellen Diana-Denkmalbrunnen am Serpentine-See. Zum Memorial Playground, einem Spielplatz, auf dem behinderte und nicht behinderte Kinder rund um ein großes Segelschiff zusammen spielen.

Zum Black Lion Gate. Oder zu einem kleinen Tor an der Orangerie hinterm Kensington-Palast - zwei von Dianas Schlupflöchern, um mit Baseball-Kappe und Sonnenbrille getarnt bei Harvey Nichols Luftballons für den Kindergeburtstag einzukaufen oder sich bei McDonald’s an der Kasse in die Schlange einzureihen. Zu Harrod’s, wo Di das blaue Kleid kaufte, das sie bei der Bekanntgabe ihrer Verlobung mit Charles trug. Und zurück zum Kensington Palast, zur Ausstellung „Fashion Rules“, die bis Sommer 2015 mit anderen Kleidungsstücken aus der Royal Ceremonial Dress Collection (unter anderem mit Haute Couture von Queen Elizabeth und Prinzessin Margret) vier bezaubernde Roben Dianas präsentiert: Abendkleider von Zandra Jones, Murray Arbeid und Catherine Walker für Staatsbesuche und Bankette in Kyoto, Brasilien oder Florenz. Auf den Spuren von Lady Di - zwischen Film und Falafel, zwischen Pizza und Palast.

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