Die Coronakrise und die Formel 1 Mercedes macht den Laden dicht

Von Jürgen Kemmner 

Für das Formel-1-Team beginnt ein dreiwöchiger Stillstand – dem Rennzirkus fehlen Einnahmen.

Testfahrten durfte Lewis Hamilton noch bestreiten – doch danach war Schluss. Foto: dpa/Lat Images
Testfahrten durfte Lewis Hamilton noch bestreiten – doch danach war Schluss. Foto: dpa/Lat Images

Stuttgart - Mercedes macht den Laden dicht. An diesem Samstag beginnt beim Formel-1-Team eine Drei-Wochen-Pause, in der die Fabriken in Brackley und Brixworth (Motorenwerk) komplett heruntergefahren sind und die Hallen sowie die Büros menschenleer sein werden. Damit reagiert das Weltmeisterteam auf die Corona-Pause, die sich die Rennserie verordnet hat; die Sommerpause vom August wird vorgezogen, damit in dieser Zeit verschobene Rennen stattfinden können. In den nächsten drei Wochen wird der Betrieb bei Mercedes komplett ruhen, auch im Homeoffice arbeitet niemand. Bisher hatte der Großteil der Belegschaft von insgesamt 1400 Personen bereits von zu Hause gearbeitet. Im Laufe der Woche wurde das Arbeitspensum sukzessive heruntergefahren. Auch in den übrigen Formel-1-Werken kehrt der absolute Stillstand ein.

Der wichtigste Grund für die Zwangspause der Formel 1, neben der Terminsuche für verschobene Rennen: Nur so können die Teams Geld sparen. Weil keine Großen Preise gefahren werden, erhalten die Rennställe keine Einnahmen, mitunter haben Teamsponsoren aufgrund der Corona-Krise ebenfalls finanzielle Probleme und können ihren Verpflichtungen nicht im vereinbarten Umfang nachkommen. „Eine Krise, wegen der die halbe Saison verschoben werden muss, gab es noch nie. Die Teams werden die finanziellen Auswirkungen enorm spüren“, prophezeit Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur, „wenn Rennen abgesagt werden, bekommen wir unseren Anteil am TV-Geld nicht.“ Daher müssten Lösungen gefunden werden, sonst könnten kleinere Rennställe an den Rand des Ruins getrieben werden.

Die großen Teams haben es leichter

Die großen Teams wie Mercedes, Ferrari und Red Bull können diese Engpässe leichter überbrücken, wenngleich auch sie für den dreiwöchigen Boxenstopp dankbar sind. Kurzarbeit, wie sie Daimler in Deutschland beantragt hat, würde der Rennsport-Abteilung des Konzerns letztlich keinen Nutzen bringen – Halbgas war in der größten Rennserie des Planeten noch nie eine Alternative auf dem Weg zum Erfolg. Ganz oder gar nicht. „Unser Produkt ist Racing, und wenn wir keine Rennen fahren, müssen wir Konsequenzen ziehen“, sagt einer aus dem Mercedes-Umfeld.

Allerdings ruhen nicht sämtliche Aktivitäten in der Formel 1. Die Teambosse, die Oberen des Weltverbandes Fia und des Rechteinhabers Liberty Media suchen nach einem Königsweg aus der Krise, derzeit könnte die Saison am 14. Juni in Kanada beginnen. Doch sicher ist das nicht. Und bei Mercedes in Brackley steht doch nicht alles still: Das Werk ist an einem Projekt zur Produktion von Atemgeräten beteiligt. Es gibt derzeit Wichtigeres als Motorsport.