Die Krise in Griechenland Nur ein kleines Aufatmen an den Märkten

Von kdo 

Hans-Werner Sinn vom Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo, gehört zur Riege der Skeptiker, die den jetzt gefundenen Kompromiss mit Griechenland als keine dauerhafte Lösung sehen. An der Börse ging es dennoch erst einmal aufwärts.

Hans-Werner Sinn, der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstiuts Ifo gehört zu den Skeptikern. Foto: dpa
Hans-Werner Sinn, der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstiuts Ifo gehört zu den Skeptikern. Foto: dpa

An den Finanzmärkten hat die Einigung der Euro-Staats-und Regierungschef mit der Athener Regierung ein kleines Kursfeuerwerk ausgelöst, aber keine Euphorie. Der deutsche Aktienindex Dax baute seine jüngsten Gewinne aus und stieg um mehr als 1,5 Prozent auf fast 11500 Punkte. Europäische Standardwerte legten noch stärker zu, der Euro Stoxx 50 sprang um mehr als 1,7 Prozent nach oben. Noch gibt es viele Fragezeichen, Details müssen noch verhandelt werden, aber so viel steht fest: Der europäische Rettungsfonds ESM soll dem Mittelmeer-Anrainer unter die Arme greifen. Binnen drei Jahren sollen weitere 82 bis 86 Milliarden Euro nach Athen fließen.

Die Einschätzung der Kompromissformel ist umstritten

Unter Anlegern und Ökonomen blieb die Einschätzung der gefundenen Kompromissformel allerdings umstritten: „Viele Leute glauben, dass das vorliegende Papier gut für Griechenland ist. Das ist es nicht. Während der Beschluss den Rest Europas viel Geld kosten wird, wird all dieses Geld nicht genügen, um die griechischen Bürger zufriedenzustellen. Griechenland ist zu teuer und deshalb nicht mehr wettbewerbsfähig. Es macht keinen Sinn, die Probleme des Landes mit immer mehr Geld zuschütten zu wollen,“ sagte der noch amtierende Präsident des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn. Sein Kollege Marcel Fratschr vom DIW dagegen ist der Ansicht: „Die Einigung ist ein gutes Resultat für Europa und für Deutschland. Das geplante dritte Programm ist mehr als großzügig für ­Griechenland. Die Bundesregierung hat sich mit den meisten ihrer Forderungen durchgesetzt. Es wäre verfrüht, die ­Einigung als einen Erfolg anzusehen. Es ist lediglich ein erster Schritt, die wirtschaftliche Abwärtsspirale Griechenlands aufzuhalten.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, ist ebenfalls skeptisch: „Die Auflagen für Griechenland sind härter als gedacht. Das wird Tsipras nicht mit eigener Mehrheit durch das Parlament bekommen, sondern auf die Oppositionsparteien angewiesen sein. Es ist gut möglich, dass es zu einem dritten Hilfsprogramm kommt, aber nach wie vor keinesfalls sicher. Denn die Erfahrung lehrt, dass der Teufel im Detail steckt. Wir haben es in Athen mit einer Regierung zu tun, die keine Einsicht in die Notwendigkeit von Reformen zeigt. Ein drittes Hilfspaket steht nach wie vor auf Messer Schneide. Der Euro-Raum ist tief gespalten.“

Schwierige Parlamentsabstimmungen stehen noch bevor

Für Thomas Gitzel, den Ökonomen der VP Bank steht fest, dass die Champagnerflaschen vorerst im Kühlschrank bleiben sollten, denn noch muss das neue Hilfspaket durch einige nationale Parlamente. Während Angela Merkel das Paket durch den Deutschen Bundestag bringen dürfte, stehen in der Slowakei, in Estland und Finnland schwierige Abstimmungen an. Doch die größte Hürde steht noch bevor: Als erster Schritt muss Alexis Tsipras Nägel mit Köpfen machen und das Paket bis Mittwoch durch das griechische Parlament bringen. „Der Nervenkrimi geht in den nächsten Tagen also weiter“, sagt Gitzel .

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) spricht von einem sehr großen Vertrauensvorschuss an die Griechen, damit sie im Euro bleiben können. Die Geduld der europäischen Nationen sei aufs Äußerste strapaziert worden. Nun erwarte Europa „ein deutliches Signal für den überfälligen Aufbruch der griechischen Politik“, sagte der BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber.

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