Die Mode-Designerin Katja Schlegel Stylische Brezeln

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Eigentlich fand Katja Schlegel Berlin immer abstoßend. Jetzt macht sie in Mitte Mode für Kunden auf der ganzen Welt.

Zwei Kollektionen denkt sich Katja Schlegel jedes Jahr aus: „Oft geht es mit einer Farbe los oder mit einem Wort, dann entwickelt sich eins aus dem anderen.“ Foto: Maurizio Gambarini
Zwei Kollektionen denkt sich Katja Schlegel jedes Jahr aus: „Oft geht es mit einer Farbe los oder mit einem Wort, dann entwickelt sich eins aus dem anderen.“ Foto: Maurizio Gambarini

Ludwigsburg/Berlin - Berlin hat manchmal eine merkwürdige Art, seine Neulinge willkommen zu heißen. Der 15. November 2000 war ein glasklarer Morgen, die Sonne schien. Um die Ecken pfiff schon jener Winterwind, zu dem die Berliner immer ihre Rollkragenpulligesichter machen und behaupten, er komme direkt aus Sibirien. Was wahrscheinlich stimmt, sich aber auf jeden Fall so gnadenlos anfühlt. Katja Schlegel zog an diesem Morgen um. Der Laster hielt vor der Tür in einer Straße im Prenzlauer Berg, alle schleppten Möbel und Kartons in die Wohnung.

Die kleine Matratze ihres fünfjährigen Sohns lehnte an der Hauswand. Ein Mann bog um die Ecke, in der Hand ein Wegbier, an seiner Seite ein Hund. „Der Hund hob sein Bein und pinkelte an die Matratze. Der Mann ging einfach weiter. Ich dachte so: Willkommen in Berlin.“

Heute, 16 Jahre später, ist das eine super Partygeschichte, die man lachend erzählen kann. „Na ja“, sagt Katja Schlegel, „der erste der vielen Momente, in denen man denkt: warum musst du so rau sein, Berlin?“ Die 49-Jährige sieht so gar nicht rau aus, während sie das sagt. Ihrem Gesicht, den hellen Augen, dem breiten, offenen Lächeln sieht man an, dass es immer Schwierigkeiten haben wird, den verschlossenen U-Bahn-Blick zu mimen. Zu neugierig, zu verschmitzt. Katja Schlegel sitzt in ihrem Atelier hinter dem Schreibtisch, zurückgelehnt, ein Bein untergeschlagen. Draußen vor der Tür liegt Mitte, Alte Schönhauser Straße. Wer Mode liebt, der muss hier trotz aller Veränderungen seine Kreditkarte immer noch gut festhalten.

Jeansbluse mit halsfernem Kragen

Längst sind die kleinen Läden, die es hier früher gab, den internationalen Modekonzernen gewichen, die in ihren Flagship-Stores Kollektionen präsentieren. Verkehrssprache in Läden und Restaurants ist Englisch, Deutsch verstehen die wenigsten. Auf Katja Schlegels langer Jeansbluse mit halsfernem Herrenkragen glitzert ein riesiges silbernes Viereck, der weich gewaschene Stoff ist federleicht – natürlich ein eigener Entwurf. Hinter ihr im Regal liegen sortiert Kunstbände und Zeitungen und dazwischen wie Skulpturen immer mal wieder ein Paar besonders schöner Schuhe. Zwischen Stoffmustern, Katalogen, Entwürfen, die den Raum von allen Seiten enger werden lassen, ist der Tisch bemerkenswert leer. Katja Schlegel sagt, sie brauche Ordnung zum Denken.

Vor der offen stehenden Bürotür scheint es zu summen vor Geschäftigkeit. Mitarbeiter schneidern, telefonieren, rechnen, kochen, laute Musik fräst sich durch den Raum. Zwischendrin schaut immer wieder Katjas Ehemann Kai durch die Tür und spricht kurz etwas ab. Die beiden sind ein Team, auch beruflich, entwerfen und vermarkten unter ihrem Label Starstyling Mode aus Berlin – für Kunden aus der ganzen Welt. Rückblickend könnte man sagen: das war zwar keine Absicht, aber wer die kleine Katja kannte, der konnte sich denken, dass es so kommen würde. „Ich hatte schon als Kind die ganze Zeit Uhu an den Fingern“, sagt die Designerin und Stylistin. Sie zeichnete, schnitt, klebte, bastelte – und versetzte sich damit komplett in ihre eigenen Welten. Oder sie baute sie nach.

Katja Schlegel ist in Ludwigsburg aufgewachsen. „Das Schloss war für mich wahnsinnig wichtig“, sagt sie. „Ich hab’ da praktisch gelebt.“ Kaum ein Wochenende verging für das Kind ohne eine Schlossführung. Katja kannte alle Räume, alle Geschichten, Klamotten. „Etwas später hatte ich dann eine Ägyptenphase.“ Aus dieser Lust am Sich-Versenken in Stile, Umgebungen, Atmosphären, Welten wurde später schließlich ihr Beruf.

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