Die Orsons auf dem Kulturwasen Schwung in die Blechkiste

Von Björn Springorum 

Echte Heimspielstimmung: Die Orsons wurden auf dem Kulturwasen frenetisch begrüßt. Verdientermaßen: Beim Konzert haben sie die Songs ihres neuen Albums vorgestellt – unser Video fängt die Stimmung ein.

Die Orsons bei ihrem Auftritt auf dem Kulturwasen am 17. Juli 2020 Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt 11 Bilder
Die Orsons bei ihrem Auftritt auf dem Kulturwasen am 17. Juli 2020 Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Stuttgart lässt sich seine Orsons nicht nehmen: Obwohl inzwischen nur noch zur Hälfte im Kessel heimisch, gab es für das Quartett auf dem Kulturwasen einen frenetischen Empfang, wie er sonst nur echten Heimspielen vorbehalten ist. Am Erscheinungstag ihres Albums „Tourlife4Life“ zeigen sich Maeckes, Bartek, Tua und Kaas von ihrer allerbesten Seite: Pünktlich um acht erklingt das epische Intro des neuen Werks, das die Band nur ein Jahr nach dem großen „Orsons Island“auf einem neuen kreativen wie versatilen Hoch zeigt.

Sie spielen aber auch viele Songs vom vorigen Album, dieser Hip-Hop-Reise ins Ich, wechseln sich mit den Rap-Parts ebenso munter ab wie mit den absonderlichen Moves. Das irrwitzige „Dear Mozart“, das fiebrige „Grille“, das sehnsuchtsvolle „Dir Dir Dir“ und das intensive „Der Sog“ machen noch mal klar, dass „Orsons Island“ das Rap-Album des Jahres 2019 war.

Eine politische Geste

Aber es ist natürlich auch „Release Day“, wie die wild durcheinander hüpfenden Orsons mit gewohnter Verstärkung durch Produzent Jopez immer wieder betonen. Also gibt es auch ordentlich neues Material auf die Mütze, geschrieben auf der letzten Tour, in dem Umfeld dargeboten, für das es gemacht wurde: Musik, mal ekstatisch, mal fordernd, mal doppelbödig, mal albern, zusammengehalten vom irrwitzigen Orsons-Sound, der sich längst nicht mehr nur auf Rap beschränkt.

„Leb schnell“ oder „Schüttel dein Skelett“ stehen für die wilden, die niemals erwachsen werdenden Orsons, während „Oioioiropa“ mit angemessener Gravitas durch die Kopfhörer und Autoradios schallt. Ein Lied wie ein Fanal, eine Abrechnung mit unseren Privilegien, bei dem die Band am Ende stramm auf der Bühne steht. Jux und Tollerei immer gern, kaum einer kann das besser als die Orsons; eine ungewohnt politische Geste wirkt da aber gleich umso tragender.

Liegestühle und Scheibenwischer

Hunderte Autos sind auf den Platz gefahren, zumeist junge Menschen baumeln aus den Seitenfenstern, singen, jubeln, befolgen jede von Bartek erteilte choreografische Anweisung, lassen die Lichthupe aufblitzen, manch einer betätigt aus eher unerklärlichen Gründen die Scheibenwischer. Davor stehen Liegestühle, Dutzende, in denen Zweier- und Vierergruppen lümmeln und wippen. An gewisse Regeln muss sich dabei auch die Orson-Bande halten: „Schwung in die Kiste“, nicht ihr bester, aber erfolgreichster Song, kommt fast zum Schluss, danach wird sich artig bedankt und Stuttgarts Blechkisten und Liegestuhlsitzer in die laue Cannstatter Sommernacht entlassen. Die Orsons – sogar hinter dem Steuer ein Genuss.




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