Die Straf-Verteidigerin Ulrike Zecher Diana mit Spielbein

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Ulrike Zecher, aufgewachsen in Metzingen, ist eine der renommiertesten Strafverteidigerinnen Berlins, Frauenrechtlerin, Ex-Kommunistin, Ex-Grüne und Schwäbin. Abschluss der zehnteiligen Serie über Schwaben in Berlin.

Ulrike Zecher in ihrer Kanzlei.  Bei den Richtern ist  sie bekannt dafür, nie locker zu lassen und immer gewinnen zu wollen. Foto: Maurizio Gamberini
Ulrike Zecher in ihrer Kanzlei. Bei den Richtern ist sie bekannt dafür, nie locker zu lassen und immer gewinnen zu wollen. Foto: Maurizio Gamberini

Metzingen - Berlin hat Ulrike Zecher ihr geliebtes Cello gekostet. Aber heute, gut 40 Jahre später, kann sie sagen: Das hat sich echt gelohnt.

Wie sich das anfühlt, spürt sie manchmal morgens, wenn sie von ihrer Wohnung in einer Seitenstraße direkt auf den Savignyplatz spaziert, an dem ihre Kanzlei liegt. Droben in der Beletage angekommen, kann sie dann vom Schreibtisch aus den Tag vorüberziehen sehen, dieses geschäftige, rauschende Treiben – im Sommer über dicke Geranien auf ihrem Balkon hinweg, oder jetzt im Winter von den roten Neonschriftzügen der Kneipen und Cafés beleuchtet.

Es atmet sich gut mit Blick auf die große, graue, bunte Stadt, auch wenn an manchen Tagen ein dicker Seufzer dazukommt – so wie vergangenen Freitag. Weil es halt immer wieder Kämpfe gibt, die man nicht gewinnen kann, zumindest vorerst. So war es oft in der Lebensgeschichte von Ulrike Zecher, Strafverteidigerin, Frauenrechtlerin, Ex-Kommunistin, Ex-Grüne, Schwäbin.

Am Freitag hatte sie gedacht, sie könne jetzt ein Kapitel dieser Geschichte abschließen. Da sollte nämlich die ehrwürdige Vereinigung der Berliner Strafverteidiger endlich ihren Namen ergänzen – um die Strafverteidigerinnen. Es klappte nicht.

Als der Verein vor einigen Jahren sein 50. Jubiläum feierte, war das schon undenkbar. Ulrike Zecher, Vorstandsmitglied, seit Jahrzehnten erfolgreiche Strafverteidigerin, organisierte damals die Jubiläumsfeier und wollte die Verfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach als Rednerin gewinnen. Limbach schrieb aber nun im Briefwechsel dauernd an die „sehr geehrten Kollegen“. Bis Zecher nachfragte, was das soll. Da sagte die Präsidentin, sie könne ja gar nicht anders, so lange der Verein so heiße. Ulrike Zecher kämpfte damals vergeblich um die Umbenennung, das Thema schaffte es nicht mal auf die Tagesordnung. Weshalb sie damals nach all den Jahren aus der Vereinigung austrat. Inzwischen wieder eingetreten, dachte sie, dass die Abstimmung am Freitagabend eine Formsache sei. Weit gefehlt. „Manchmal muss man weitergehen, wenn man Dinge nicht ändern kann“, sagt sie.

Unnachgiebige Energie

Entspannt sitzt Ulrike Zecher in einem Freischwinger am Besprechungstisch ihres Büros und erzählt die Limbach-Geschichte. Auf dem Boden steht die eiserne Skulptur einer Diana, lässig, mit angewinkeltem Spielbein, den Bogen über die Schulter gelegt. Aber jederzeit zum Schuss bereit. Man kann deutlich etwas von der unnachgiebigen Energie spüren, die ihre Besitzerin entfalten kann, wenn es drauf ankommt. Zecher ist eine der renommiertesten Berliner Strafverteidigerinnen – jeder Richter im Kriminalgericht weiß, dass er es hier mit einer zu tun hat, die zwar nicht immer auf Konfrontation geht, aber immer gewinnen will. Und nicht locker lässt.

Ist dieses Immerweiterbohren schwäbisch? Jedenfalls ist es typisch Zecher, Dinge in Frage zu stellen. „Ich bin sehr frei groß geworden“, sagt die Anwältin. Nicht so selbstverständlich in Metzingen im Albvorland, in den 50er Jahren. Hier wuchs Ulrike Zecher als zweites von fünf Kindern auf, der Vater war Schneidermeister, der Opa hatte eine Schuhmacherwerkstatt, die Mutter einen Laden. Vielleicht sind das Berufe, in denen man das Durchhalten und das Genausein genau so lernt wie das Denken neuer Entwürfe.

Und für Mädchen und Frauen gab es in der Tat viel an neuen Entwürfen zu denken: „Wenn mein Vater mich besonders loben wollte, dann nannte er mich nicht Ulrike, sondern Ulrich. Und er meinte das total nett“, erinnert sich Ulrike Zecher. Aus der Schule wurde sie nach Hause geschickt, wenn sie Hosen trug. Und als sie in Tübingen ihr Studium begann, musste sie jeden Abend nach Hause fahren. Alleine wohnen als Frau ging nicht.