Dienstfahrrad in Rutesheim Stadt finanziert das private Pedelec mit

Von Arnold Einholz 

Von dem Leasing-Modell profitieren Mitarbeiter und Arbeitgeber. Die bevorzugen teure Gefährte.

Im Rutesheimer Rathaus haben bereits 27 Mitarbeiter ein „JobRad“. Foto: dpa
Im Rutesheimer Rathaus haben bereits 27 Mitarbeiter ein „JobRad“. Foto: dpa

Rutesheim - Nicht nur die Mitarbeiter der Kämmerei können gut rechnen, sondern auch andere Beschäftigte der Stadt. Das Modell „JobRad“ ist ein Erfolg. Bereits 27 Mitarbeiter machen davon Gebrauch und haben sich überwiegend teurere Pedelecs gekauft – und die Stadt zahlt großzügig ihren Beitrag dazu.

„Es ist doch einfach klasse, wenn nun das Auto öfters stehen bleibt und unsere Mitarbeiter mit dem Pedelec zur Arbeit kommen. Und nicht nur die, die in Rutesheim wohnen, sondern auch die aus benachbarten Wohnorten“, freut sich Bürgermeisterin Susanne Widmaier.

Stadt zahlt 10 Euro monatlich dazu

Die Stadt Rutesheim beteiligt sich nämlich beim „JobRad“ und bietet allen Mitarbeitern an, über dieses Modell ein neues Fahrrad (Kaufpreis maximal 4000 Euro) zu leasen und privat zu nutzen. Das läuft über einen privaten Leasingpartner. Analog zum Job-Ticket wird in Rutesheim ein freiwilliger Zuschuss von monatlich zehn Euro gewährt und die Prämie für die Vollkaskoversicherung übernommen – die kann sich beispielsweise bei einem Rad im Wert von 2500 Euro bei monatlich 8,75 Euro bewegen.

Um seinen Beamten und Richtern zu ermöglichen, Räder zu leasen, hat das Land Baden-Württemberg 2017 das Gesetz zur Entgeltumwandlung geändert. Durch Gemeinderatsbeschluss hat nun die Stadt Rutesheim das örtliche Tarifrecht ergänzt und damit werden alle Beschäftigten der Stadt gleich behandelt und niemand bevorzugt. Dadurch wurde der Weg frei für das Model „JobRad“. Mitarbeiter beziehen ihr Wunschrad über den Arbeitgeber und sie sparen dabei. Damit der Arbeitnehmer sein persönliches Rad steuerbegünstigt nutzen kann, muss der Arbeitgeber Vertragspartner und der Leasingnehmer sein.

Steuervorteil für beide Seiten

Der Arbeitgeber schließt dann mit seinem Mitarbeiter eine Ergänzung zum Arbeitsvertrag ab und zwar einen Überlassungsvertrag zu dem vom Mitarbeiter gewählten Rad. Darin regeln beide die Bedingungen für die Rad-Nutzung und vereinbaren unter anderem die monatliche Gehaltsumwandlung.

Bei der Gehaltsumwandlung entscheidet der Mitarbeiter, einen Teil seines vertraglichen Arbeitsentgelts nicht in bar, sondern als Sachbezug für den Zeitraum der Überlassung des Rades zu erhalten. Da der Sachlohn steuerlich aber nicht mit der kompletten Umwandlungsrate, sondern pauschal nach der sogenannten Ein-Prozent-Regel bewertet wird, entsteht ein deutlicher Steuervorteil, der die Umwandlung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer attraktiv macht.

Private Nutzung erlaubt

Das Rad darf sowohl betrieblich wie privat gefahren werden. Es ist auch keine Mindestnutzung für den Weg zur Arbeit vorgeschrieben. Für die Pflege und Wartung seines „JobRads“ ist der jeweilige Nutzer selbst verantwortlich. Beim Wechsel des Arbeitgebers kann der Vertrag auf den neuen Arbeitgeber übertragen werden, sofern dieser ein Vertragspartner in dem Modell ist. Die Leasing-Laufzeit bei solchen Rädern beträgt immer 36 Monate.

Welche finanziellen Auswirkungen hat ein solches Modell? Der Rechnung zugrundegelegt wird ein Pedelec zum Kaufpreis von 2500 Euro für einen Arbeitnehmer mit Steuerklasse 1. Bei einer Laufzeit von 36 Monaten beträgt die monatliche Leasingrate 82 Euro. Bei einem Bruttogehalt von 3000 Euro liegt die tatsächliche monatliche Rate bei runden 53 Euro, das ist eine Gesamtersparnis gegenüber dem Direktkauf von 700 Euro.

Auch der Arbeitgeber spart

Was hat der Arbeitgeber davon, außer fiteren und gesünderen Mitarbeitern, die Geld sparen und nicht in den Staus stecken bleiben? Wie immer bei Entgeltumwandlungen spart der Arbeitgeber seinerseits die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Die Ersparnis ist bei einem teuren Rad mit höherer Leasingrate höher.

Die Arbeitgeberanteile errechnen sich mit der Hälfte der Beitragssätze zur Sozialversicherung. Das sind etwa 19,5 Prozent und im Beispielsfall bei 82 Euro monatlich etwa 16 Euro Ersparnis. Die gibt Rutesheim durch den Zehn-Euro-Zuschuss und die Übernahme der Versicherungsprämie an die Mitarbeiter weiter.