Deutsche Umwelthilfe Kretschmann weist Kritik an Dienstwagen zurück

Von Arnold Rieger 

Beim Klimaschutz lassen sich die Grünen nicht gern belehren. Genau dies macht die Deutsche Umwelthilfe aber jetzt mit ihrem Dienstwagen-Check. Die Reaktion ist entsprechend wütend.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann neben einem Mercedes-Benz GLC F-Cell, der Brennstoffzellen- und Batterietechnik zu einem Plug-in-Hybrid kombiniert. Der Wagen gehört zum Fahrzeugpool des Staatsministeriums. Foto: dpa/Christoph Schmidt
Ministerpräsident Winfried Kretschmann neben einem Mercedes-Benz GLC F-Cell, der Brennstoffzellen- und Batterietechnik zu einem Plug-in-Hybrid kombiniert. Der Wagen gehört zum Fahrzeugpool des Staatsministeriums. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Stuttgart - Jürgen Resch und Winfried Kretschmann werden keine Freunde mehr. Dafür hat der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH) den Ministerpräsidenten schon zu oft mit der Forderung nach einem Diesel-Fahrverbot gepiesackt. Klage folgt auf Klage – dabei ist der Grüne doch felsenfest davon überzeugt, alles Menschenmögliche zur Luftreinhaltung getan zu haben.

Mit seinem Dienstwagen-Check hat Resch seinen Kredit bei Kretschmann und Co. nun noch weiter geschmälert. Mit im Schnitt 244 Gramm CO2/km liege die Regierung im Ländervergleich nur auf dem vorletzten Platz, teilte die DUH mit. Kretschmann selbst rangiere mit seiner Hybrid-S-Klasse (228 g/km) auf Platz 5. Der Regierungschef konnte den Ärger kaum verbergen, als er am Dienstag zum Konter ausholte. „Ich würde der Deutschen Umwelthilfe empfehlen, sich an die Tatsachen zu halten“, hob er an.

„Ausschließlich Ökostrom“

Und dazu gehöre nun mal, dass er neben seiner (vorschriftsgemäß gepanzerten) S-Klasse in der Region Stuttgart einen rein elektrischen Audi e-tron benutze; und dass er in Berlin mit einem elektrischen Mercedes B-Klasse unterwegs sei; und dass die Elektroflotte eben keinen bundesweiten Strommix tanke, wie von der DUH angegeben, sondern ausschließlich Ökostrom. Kretschmann: „Das alles interessiert die DUH nicht.“

Auch Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat sich geärgert, als er las, dass er mit seinem Audi e-tron angeblich 166 g CO2 ausstößt. Nicht mal mit dem deutschen Strommix komme er auf diesen Wert, hat er nachgerechnet, geschweige denn mit Ökostrom. „Das einzige, was mir noch bleibt, ist, dass ich zu den Terminen laufe“, schimpfte er, „oder ich nehme das Pferd, aber das hat wieder Methan-Emissionen.“ Selbst die Bahn zapfe ja Ökostrom und trage somit auch zur CO2-Belastung bei. Kopfschüttelnd fügte er hinzu, die DUH weiche einfach nicht von ihrem Rechenschema ab.

Nur noch per Pferd?

Bei der Gelegenheit stellte Untersteller gleich noch klar, dass die Landesministerien für Flüge schon seit 2007 eine Ausgleichszahlung leisten. Diese Pflicht wurde 2018 auf die gesamte Landesverwaltung ausgedehnt. Und weil vor allem Professoren als Klimasünder ohne Flugscham identifiziert wurden, sollen künftig auch Hochschulen und nachgeordnete Behörden eine solche Kompensation leisten. Über die Kabinettsvorlage dazu seien sich Grüne und CDU aber noch nicht einig, ließ der Umweltminister durchblicken.

Den Imageschaden in Sachen Klimaschutz will Untersteller auch deshalb nicht auf sich sitzen lassen, weil er auf internationaler Bühne gern den Vorreiter gibt. So hat er dieser Tage auf der UN-Klimakonferenz in Madrid über die jüngsten Aktivitäten der sogenannten Under2 Coalition berichtet. Dies ist ein weltweites Bündnis von Städten und Regionen, die ehrgeizige Klimaziele verfolgen. „Die regionale Ebene gewinnt immer mehr Bedeutung“, sagte Untersteller über das von Kalifornien und Baden-Württemberg 2015 gegründete Bündnis. Ihm gehören inzwischen mehr als 230 Mitglieder auf allen Kontinenten an – darunter Metropolen wie Los Angeles oder Paris.

„Kretschmannisierung“

Eine Imagedelle als Klimaschützer droht den beiden Grünen übrigens auch von wissenschaftlicher Seite. So wirft der Rostocker Klimaforscher und Uni-Professor Felix Ekardt der Partei jetzt in der „Zeit“ vor, sie richte ihre Klimapolitik zunehmend so aus, „dass sie niemanden in seinem Lebenswandel“ störe. „Die Kretschmannisierung der Klimapolitik“ ist der Artikel überschrieben.

Der solchermaßen Gescholtene hatte am Dienstag auch darauf eine Antwort parat: „Kretschmannisierung kann ich allen nur raten“, sagte der Regierungschef - „das hieße meiner Kenntnis, meinem Engagement und meine Erfahrung folgen.“