Digitalisierung Das Einmaleins für die Generation Internet

Von Jacqueline Fritsch 

Auch wenn das Smartphone aus dem Alltag heute nicht mehr wegzudenken ist, will der Umgang mit dem weltweiten Netz gelernt sein. Stadtteilbibliotheken in Stuttgart bieten Führerscheinstunden für Kinder an. Wer geht da hin?

Ina, Clara und Tale (von links) bestehen die Prüfung mit links. Foto: Jacqueline Fritsch
Ina, Clara und Tale (von links) bestehen die Prüfung mit links. Foto: Jacqueline Fritsch

Filder/Stuttgart - Ein eigenes Handy haben sie noch nicht, und unter der Woche ist die Zeit am elterlichen Tablet auf 30 Minuten begrenzt: Clara, Tale und Ina gehören mit ihren neun Jahren zwar zu den sogenannten Digital Natives. Das bedeutet aber nicht, dass sie den ganzen Tag am Smartphone verbringen. Der Definition nach sind für Digital Natives Computerspiele, Internet, E-Mails und Instant Messaging von klein auf wichtige Bestandteile des Alltags. So nutzen auch die drei Mädchen Begriffe wie „googeln“, „Youtube“ und „Chats“ ganz selbstverständlich, ohne überhaupt zu wissen, wie man „Google“ schreibt.

Da sich Kinder heutzutage immer früher schon im Internet bewegen, sollten sie irgendwann auch den richtigen Umgang damit lernen. Zumindest sieht das die Stadtbibliothek Stuttgart so und lässt Kinder deshalb an ihrem Hauptsitz und den Außenstellen nur ins Internet, wenn sie vorher den sogenannten Internetführerschein gemacht haben.

Kinder sollen nicht blind rumklicken

In der Stadtteilbibliothek Möhringen ist Elke Probandt dafür zuständig, Kinder über Gefahren im Netz und richtiges Surfen aufzuklären. „Es geht vor allem darum, dass die Kinder nicht blind irgendwo herumklicken“, sagt sie. Probandt arbeitet seit 26 Jahren als Bibliothekarin. Eine ausgewiesene Internet-Expertin ist sie nicht. Um die Grundlagen des Surfens zu erklären reiche es, dass sie gut mit Kindern umgehen könne.

Clara, Tale und Ina haben schon ein bisschen Erfahrung mit dem Internet, überwiegend schauen sie Videos an, nutzen einen Kindermodus auf dem Tablet oder nehmen Onlinewörterbücher bei den Hausaufgaben zu Hilfe. „Das ist alles noch relativ sicher“, sagt Elke Probandt. Kritisch würde es erst, wenn die Mädchen in Chats fremde Menschen kennenlernen oder E-Mails schreiben. „Beim Chatten sollte man seinen richtigen Namen nicht angeben“, weiß Ina bereits. Auch bei Onlinespielen für Kinder verwenden die drei nur einen ausgedachten Nutzernamen.

Da scheinen sich die Kinder also schon recht gut auszukennen. Dennoch sei es wichtig, dass Kinder den Internetführerschein machen, meint Elke Probandt. Denn auch Digital Natives könnten von Erwachsenen noch etwas lernen. „In dem Alter sind Kinder meistens noch nicht so aktiv, dass sie über Viren, Spam und Unsicherheiten Bescheid wissen“, meint sie. In anderen Bereichen würden sich die Kinder aber gut auskennen. „Ich lerne oft auch noch etwas dazu“, sagt Probandt. Wenn die Teilnehmer zum Beispiel von einer neuen Lernapp erzählen, die sie für die Schule benutzen.

Und wie viele kommen da?

Datenschutz in Chats und gefährliche E-Mail-Anhänge kommen im theoretischen Teil der Veranstaltung zwar zur Sprache, das Praktische zielt aber eher auf Grundlagen der Computerbedienung ab. Clara, Tale und Ina dürfen jeweils ein Foto ausdrucken. „Ich will den Cannstatter Wasen googeln“, sagt Clara sofort und legt los. Alle drei Mädchen sind mit Begeisterung und Konzentration bei der Sache. Kein Wunder, dass sie den schriftlichen Abschlusstest, bei dem sie Beispiele geben sollen, was man im Internet alles tun kann und wie man überhaupt dorthin kommt, mit links bestehen.

Nachdem die Möhringer Stadtteilbibliothek früher jeden Monat Kinder dazu eingeladen hat, den Internetführerschein zu machen, ist es heute in vielen Bezirken nur noch jeden zweiten Monat üblich. Die Veranstaltungen sind unterschiedlich gut besucht, manchmal fallen sie wegen zu geringen Anmeldezahlen auch aus. In Möhringen nehmen laut Elke Probandt meistens zwei bis vier Kinder teil, maximal sind sechs erlaubt. „Inzwischen bieten wir das auch für Schulklassen an, deshalb sind die Veranstaltungen für Einzelpersonen nicht mehr so gut besucht“, sagt sie. Die Stadtteilbibliothek habe eine Kooperation mit der Riedseeschule, bei der jeweils die Drittklässler regelmäßig den Internetführerschein machen.

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