Digitalisierung in den Schulen im Strohgäu Die Kreide kann liegenbleiben

Von , Stefanie Köhler und  

Elektronische Wandtafeln und Tablets für die Schüler – die Schulen im Strohgäu forcieren die Digitalisierung. Allerdings ist es nicht damit getan, mit Geld vom Bund die Ausstattung zu verbessern.

Die elektronische Tafel erlaubt eine Vernetzung mit den Geräten der Schüler Foto: factum/Simon Granville
Die elektronische Tafel erlaubt eine Vernetzung mit den Geräten der Schüler Foto: factum/Simon Granville

Strohgäu - Konstanze Aßmann ist glücklich: An „ihrer“ Grundschule in Hemmingen arbeiteten in dieser Woche etliche EDV-Fachleute. Sie hängten sechs vollelektronische interaktive Wandtafeln in Klassenzimmern auf und machten diese betriebsfertig. Dazu kamen 32 Tablets für die Grundschüler. Damit ist der Digitalpakt Schule in Hemmingen umgesetzt – etliche Monate früher als geplant. Bereits zum Schuljahresbeginn können die neuen Arbeitsmittel eingesetzt werden.

Die Basis dafür war der Medienentwicklungsplan, berichtet die Schulleiterin, den sie mit zwei Kolleginnen erarbeitet hatte. Ein solcher Plan sei die Voraussetzung gewesen, dass die Gemeinde als Schulträger Zuschüsse für die Digitalisierung beantragen konnte. Am letzten Tag vor der coronabedingten Schulschließung im März sei der Plan zertifiziert worden. „So konnten wir auf das Geld zugreifen.“ Letztlich wurden 120 000 Euro dafür ausgegeben – von denen die Gemeinde nur ein Fünftel bezahlen musste.

Bei der Anwendung von digitaler Technik im Unterricht gehe es nicht um „Schwarzweißdenken“, erklärt Konstanze Aßmann, „es gibt kein digitales oder analoges Unterrichten.“ Sondern es sei ein Sowohl-als-auch und insgesamt eine Bereicherung – unter anderem für das Elementare an der Grundschule, das Lernen von Schreiben, Lesen und Rechnen. Es bekomme auch nicht jedes Kind ein Tablet, damit werde unter anderem die Gruppenarbeit gefördert. Anderes Beispiel für den Unterricht: Kinder müssen ein Buch vorstellen, das sie sich angeschaut haben.

Früher wurden dazu Plakate geschrieben und gemalt oder Gegenstände aus einer Kiste geholt, die dann erklärt wurden. Heute könnten schon Grundschüler dies mit dem Minicomputer machen, und dabei auch Fotos einsetzen. „Die Technik der Präsentation hat sich verändert“, so die Pädagogin – letztlich sei es immer noch das Ziel, Inhalte zusammenzufassen.

Mit dem Hinstellen der Technik und der Geräte sei es aber nicht getan, sagt Konstanze Aßmann. Die Schule habe dafür ein belastungsfähiges Wlan-Netz gebraucht, das schon installiert sei. Zudem wurde der Zentralrechner erneuert. „Wir sind sehr dankbar, dass die Gemeinde zackig aufgesprungen ist.“

Stadt erhöht Tempo der Ausstattung

Im Rahmen des „Sofortausstattungsprogramms“ Digitalpakt Schule hat der Bund den Ländern in der Corona-Krise 500 Millionen Euro zusätzlich für die Schulen zur Verfügung gestellt. In Ditzingen stehen laut der Verwaltung zur Ausstattung benachteiligter Schüler rund 225 000 Euro zur Verfügung. Dies entspricht knapp 86 Euro je Schüler.

Förderfähig sind digitale Endgeräte, Aufnahmegeräte wie etwa Webcams, Lernapps und Lernsoftware sowie Schulungskosten für Lehrer. Die Stadtverwaltung hat einen Hardwarekatalog erstellt, aus welchem die Endgeräte ausgewählt werden müssen, und auch das zu verwendende Betriebssystem ist vorgeschrieben.

Die Schulen haben unterschiedliche Entscheidungen getroffen zur Ausstattung mit iPads. Während die Theodor-Heuglin-Schule beschloss, jedem Schüler ein Gerät zur Verfügung zu stellen, arbeiten Realschule und Gymnasium wie die Hemminger mit Klassensätzen.

„Die vier Grundschulen sowie das sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum haben sich bereits vor dem Digitalpakt auf den Weg in die digitale Schule gemacht“, teilt die Verwaltung mit. Dort werde die Stadt mit je einem Viertel Klassensatz pro Klassenstufe – also zwischen 30 iPads an der Grundschule Heimerdingen und 84 an der Wilhelmschule – mit städtischen Mitteln „das Tempo der Ausstattung erhöhen“. Je mehr Geräte an den Schulen sind, je mehr dafür auch eine strukturierte Datenverkabelung notwendig ist, um die Geräte überhaupt störungsfrei nutzen zu können, umso mehr wird dafür auch eine strukturierte Datenverkabelung notwendig: Die Gebäude müssen entsprechend verkabelt sein, dafür bedarf es eines Verantwortlichen im Rathaus. Die Ditzinger haben dafür vor kurzem eine Stelle geschaffen.

Gut gerüstet für Online-Unterricht

Auch Korntal-Münchingen nutzt das Geld von Bund und Land für Investitionen in die Digitalisierung. Die Stadt erhält fast 200 000 Euro. Geschätzt 600 Tablets brauchen die Schulen laut der Verwaltung. 400 iPads wurden nun bestellt, „um eine Grundversorgung zu gewährleisten“. Grundsätzlich seien die Schulen in Sachen Digitalisierung bereits gut aufgestellt, teilt die Verwaltung mit. „Unsere IT-Abteilung ist im ständigen Kontakt mit den Schulen, um hier sukzessiv zu optimieren.“

Schon länger würden die Schulen mobile Endgeräte einsetzen. „In der Realschule arbeitet die iPad-Klasse immer mit iPads, für andere Klassen gibt es einen Klassensatz“, heißt es aus der Verwaltung. Die Grundschule Teichwiesenschule sei für den Präsenzunterricht mit zwei Laptopwagen und ebenso vielen Tablet-Koffern „gut ausgestattet“. Bei Bedarf kriegen die Lehrer Fortbildungen. Diese fragten etwa einige Grundschullehrer der Flattichschule nach. Dort baute die IT-Abteilung auch das Wlan-Netz aus.

Kein Schüler ohne Tablet

Am Montag werden nach jetzigem Stand alle Schüler wieder in den Präsenzbetrieb starten. Im Zweifel steht dem Online-Unterricht aber offenbar nichts im Weg: „Wir sehen uns für den Ernstfall gut gerüstet, Schüler ohne Zugriff auf Endgeräte entsprechend zu versorgen“, so die Verwaltung. Falls auch kein Zugang zum Internet besteht, ließen sich die Tablets zusätzlich mit Wlan-Sticks bestücken. Voriges Schuljahr stattete etwa die Realschule Schüler mit Leihgeräten aus. Die gaben die Schüler vor den Sommerferien wieder ab – und bekämen sie bei Bedarf erneut.

Den Leiter der Teichwiesenschule treibt indes etwas Anderes um. „Praktisch werden in der Grundschule nicht alle mit den elektronischen Endgeräten umgehen können“, sagt Gebhard Götz. Ein weiteres Problem sei, dass Kinder online bereitgestellte Unterrichts- oder Filmsequenzen häufig konsumierten und sich nicht in den Inhalt hineindächten. „Dieses Problem lässt sich durch das Bereitstellen von Endgeräten nicht lösen.“




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