Donald-Duck-Sammler bestückt Ausstellung in Leinfelden-Echterdingen Schnäbel aus Entenhausen und der Welt

Den Grundstein für seine Sammel-Leidenschaft legte Martin Wacker vor rund drei Jahrzehnten auf dem Camden-Flohmarkt in London. Foto: Jürgen Schurr
Den Grundstein für seine Sammel-Leidenschaft legte Martin Wacker vor rund drei Jahrzehnten auf dem Camden-Flohmarkt in London. Foto: Jürgen Schurr

Martin Wacker hat über Jahrzehnte eine riesige Donald-Duck-Sammlung aufgebaut. Jetzt verleiht der Karlsruher einen Teil seines Schatzes nach Leinfelden-Echterdingen, wo er ab Mitte Mai in der Ausstellung „Entenhausen war in Stetten“ zu sehen sein wird.

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Stetten - Wenn Martin Wacker über den langen Schnabel einer blechernen Schuco-Spielfigur aus dem Jahr 1934 streicht, gerät er ins Schwärmen: „Die Fliege ist noch dran, die sonst nie dran ist“, sagt er während eines Zoom-Gesprächs in seine Kamera, „sogar die Knöpfe sind noch nicht weggespielt“. Die etwas belämmert dreinblickende Ente im Matrosenanzug ist das Glanzstück seiner inzwischen ungefähr 4000 Objekte umfassenden Donald-Duck-Sammlung. Für rund 5000 Euro werde ein derartiger Vorkriegs-Blech-Donald mittlerweile gehandelt, aber er besitze auch viele Figuren für 50 Cent. Was ihm viel wichtiger ist: „Donald anno 1934 war eine nervige Ente. Später ist die Ente menschlich geworden.“

Und zwar, so sieht Martin Wacker das, menschlich im besten Sinne: „Donald ist eine Figur, die einem immer dann Mut macht, wenn man selber auf die Schnauze fällt“, sagt der 52-Jährige, der im Zivilberuf als Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH fungiert und nebenher seit Jahrzehnten als Kabarettist auf Kleinkunstbühnen und als Sprecher im Fußballstadion des KSC auftritt. Donald Duck habe 500 Jobs ausprobiert und sei in jedem gescheitert: „Ich finde es faszinierend, wie er sich immer wieder mit voller Euphorie in diese Jobs stürzt.“

Den Grundstein für seine eigene Leidenschaft legte er vor rund drei Jahrzehnten auf dem Camden-Flohmarkt in London, wo er einen zuversichtlich und etwas naiv guckenden Plastik-Donald erstand. Ein Freund schenkte ihm einen zweiten. Heute schicken ihm sein ältester Sohn und seine Schwiegermutter Handyfotos, wenn sie zufällig auf Flohmärkten ausgemustertes Donald-Spielzeug entdecken. Im Gegenzug hat er seiner Familie versprochen, dass seine Sammlung nicht aus seinem Arbeitszimmer heraus ins restliche Haus zu quillen beginnt. Da er versucht, „vollständig“ zu sammeln, besitzt er viele der Handyfoto-Figuren bereits nach Beutezügen auf Flohmärkten beispielsweise in Holland oder in Dänemark. Was nicht in seine Vi­trinen passt, verstaut er in Kisten. Aber immer noch entdeckt er Neues: Begeistert hält er eine verdutzt aus einem Spielzeug-Propellerflugzeug herausblickende Donald-Figur von 1970 in die Kamera, die er gerade erst für rund 50 Euro auf Ebay gekauft hat.

Donald auf dem Teetischchen

Martin Wacker besitzt japanische Cornflakes-Packungen mit Donald-Konterfei, er sammelt entsprechende Keksdosen, Joghurtbecher, Küchenrollen und natürlich auch Figuren, die Dagobert Duck, Gundel Gaukeley und die Panzerknacker darstellen. Für die hauseigene Micky-Konkurrenz innerhalb des Disney-Konzerns hegt er hingegen wenig Sympathie: „Die altkluge Strebermaus kommt in meiner Sammlung gar nicht vor.“ Stattdessen besitzt er eine Abbildung, in der Züge von Donald Duck und jene von Che Guevara verschwimmen: „Dagobert und Klaas Klever hat in den Comics ja alles gehört“, sagt Martin Wacker, „da wurde das Anrennen gegen den Turbo-Kapitalismus wunderbar ironisch vorweggenommen.“

Donald Duck funktioniert offenbar auf verschiedenen Ebenen unterschiedlicher Komplexitätsgrade: „Eine herrlich unlogische, ewig kindliche Ader, in eine Welt einzutauchen, die Entenhausen heißt“ befeuere seine Sammel-Leidenschaft, sagt Martin Wacker. Dann präsentiert er eine Porzellan-Kanne von 1938, aus deren weit aufgerissenem Schnabel sich einst Sahne in Teetassen ergoss: „Die englische Upper-Class hat sich tatsächlich Donald aufs Teetischchen gestellt.“ Erst viel später begann die Industrie damit, das lange aus Spielzeug und Alltagsgegenständen bestehende Donald-Angebot zu verbreitern: „Für die Phase, in der Kinder zu verdienenden Menschen werden, wurden ab den achtziger Jahren extra Sammlerfiguren hergestellt“, berichtet Martin Wacker, „aber spannender ist das historische Spielzeug“.

Rund 800 Objekte aus seiner Donald-Sammlung verleiht der Karlsruher demnächst nach Leinfelden-Echterdingen, wo sie vom 16. Mai an im Stadtmuseum neben vielen Comics und einer Dagobert Ducks Geldspeicher nachempfundenen Installation in der Ausstellung „Entenhausen war in Stetten – 70 Jahre Ehapa-Verlag in Deutschland“ zu sehen sein werden. Dass seine Donald-Figuren vorübergehend dorthin zurückkehren, wo der Verlag der Donald-Comics vor seinem Umzug nach Berlin Jahrzehnte lang seinen Sitz hatte, freue ihn besonders, sagt Martin Wacker: Als Schülerzeitungsredakteur habe er einst den Ehapa-Verlag in Stetten besucht und sei vor Begeisterung fast ausgeflippt. Allerdings wegen der vielen Gimmicks aus den Yps-Heften, die dort an der Decke eines Raumes drapiert gewesen seien. Seine Leidenschaft für Donald Duck erwachte erst als Erwachsener: Der Rückzug in die Kunstblase mit dem Dauer-Loser im Disney-Kosmos ermögliche zumindest „ein Stück weit Optimismus“.




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