Doppelte Tempoüberwachung in Schorndorf Konzertierte Kontrolle gegen Motorradraser

Von  

Die Stadt Schorndorf und die Polizei messen an der Schlichtener Straße im Abstand von nur rund 150 Metern jeweils die Geschwindigkeit – die Klientel, die man dabei im Visier hat, geht dabei allerdings nicht ins Netz.

Ist da etwas angebracht, das da nicht hingehört? Auch das ist bei der Motorradkontrolle in Schorndorf überprüft worden. Foto: Stoppel 6 Bilder
Ist da etwas angebracht, das da nicht hingehört? Auch das ist bei der Motorradkontrolle in Schorndorf überprüft worden. Foto: Stoppel

Schorndorf - Schon bevor er wegen der Kurve zu sehen ist, kündigt sich der getunte Mercedes an. Die Klangdesigner aus Affalterbach haben ganze Arbeit geleistet, und auch die Beschleunigung im höheren Drehzahlbereich lässt sich sehen. Die Laserpistole von Lars Wenzelburger, Dienstgruppenleiter im Polizeirevier Schorndorf, zeigt nach Abzug der Toleranz 76 Kilometer pro Stunde an – 50 sind an dieser Stelle erlaubt.

Anwohner protestieren gegen Verkehrslärm

Am vergangenen Wochenende hatten rund 150 Meter talwärts mehrere Dutzend Menschen zu beiden Seiten der Schlichtener Straße mit Plakaten gegen den aus ihrer Sicht unerträglichen Lärm demonstriert. Ihr Appell richtete sich insbesondere an Motorradfahrer, die die kurvenreiche Strecke hinauf in den Schurwald gerne in Anspruch nehmen, um ihre Maschinen so richtig auf Hochtouren zu bringen. Auch illegale Rennen sollen auf der rund fünf Kilometer langen Strecke schon des Öfteren ausgetragen worden sein. Aufgerufen zu der Demo hatte die Heimleitung des Seniorenheims Spittler-Stift, das trotz eines dort geltenden Tempolimits von 50 Kilometern pro Stunde besonders von lärmenden Rasern betroffen ist.

Genau auf Höhe der Abzweigung zum Seniorenheim am Ortsausgang von Schorndorf hat an diesem Samstag das Ordnungsamt der Stadt Schorndorf ein Geschwindigkeitsmessgerät aufbauen lassen und gut 150 Meter weiter ein Trupp der örtlichen Polizei Posten bezogen – ihrerseits ausgestattet mit einem mobilen Laser-Messgerät. Die konzertierte Aktion sei der Versuch, jene Verkehrsrowdys zu erwischen, die vor der Radarfalle der Stadt nur kurz abbremsen, um gleich darauf den Motor wieder hochzujagen, und insbesondere Motorradfahrer unmittelbar auf ihr rücksichtloses Verhalten hinzuweisen, erklärt der Schorndorfer Revierleiter Markus Jatzko. Die Strecke sei wegen ihrer Lage und der Kurven nicht nur besonders lärmträchtig, sondern auch gefährlich. Allein im vergangenen Jahr habe es acht Verkehrsunfälle gegeben, an denen fünf Mal Motorradfahrer beteiligt gewesen seien. Bei der Hälfte dieser Unfälle sei nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache gewesen.

Schorndorf ist bei dem Thema kein Einzelfall

Schorndorf ist bei der Thematik freilich kein Einzelfall. Der Rems-Murr-Kreis bietet für Biker an vielen Ecken attraktive Strecken – meist mit ähnlich unliebsamen Begleiterscheinungen. Das Landratsamt hat sich deshalb jüngst auch einer landesweiten Initiative gegen Motorradlärm angeschlossen, der mittlerweile 81 Landkreise, Städte und Gemeinden angehören – darunter Berglen, Großerlach, Kernen, Leutenbach, Rudersberg, Waiblingen und Weinstadt. Gemeinsam mit dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann und dem Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Thomas Marwein, hat die Initiative von der Europäischen Union, der Bundesregierung, den Herstellern von Motorrädern sowie von den Bikern selbst mehr Anstrengungen gefordert, um Motorradlärm spürbar zu reduzieren.

„Mit Erfolg“, wie es in einer Mitteilung aus dem Landratsamt heißt. In einer Mitte Mai gefassten Entschließung spreche sich der Bundesrat dafür aus, die zulässigen Geräuschemissionen aller neu zugelassenen Motorräder auf 80 Dezibel zu begrenzen und fordere die Bundesregierung auf, sich bei der Kommission entsprechend dafür einzusetzen.

Unabhängig von der Landesinitiative macht sich der Kreis selbst schon seit einigen Jahren gegen Verkehrslärm stark – mit verschiedenen Konzepten, aber nicht überall freilich mit durchschlagendem Erfolg. Seit dem vergangenem Jahr versucht man mit „tierischen“ Schildern für das Thema zu sensibilisieren und an einen rücksichtsvollen Fahrstil zu appellieren. Die Kampagne an einschlägigen Strecken wie der Sulzbacher Steige oder dem Ebnisee ist unlängst ausgeweitet worden – neben Abschnitten bei Berglen und Rudersberg auch auf die Schlichtener Straße in Schorndorf, wo großformatige Hinweistafeln mit Slogans wie „Fahr nicht wie die Sau“ aufgestellt wurden.

Motorradfahrer fallen nicht nennenswert auf

Ob es diese Tafeln waren, die an diesem Samstagvormittag ihre Wirkung entfaltet haben oder andere Faktoren, lässt sich wohl kaum klären. Tatsächlich war die Fahrt des getunten Mercedes, der den ersten „Blitzer“ bemerkt und danach gleich Gas gegeben hatte, der einzige gravierendere Verstoß. Die eigentliche „Zielgruppe“, die der Motorradfahrer, fiel in den anderthalb Stunden der Beobachtung nicht nennenswert aus dem Rahmen – wenn man mal von ein, zwei Rundfahrten mit freundlichem Winken in Richtung der Polizeikontrolle absieht.

Markus Jatzko wiederum sieht das gelassen. „Wenn unsere Kontrolle die Wirkung gehabt hat, dass sich die Verkehrsteilnehmer weitgehend an die Regeln gehalten haben, ist ja auch etwas erreicht.“ Und: „Wir werden da dran bleiben.“ Der Mercedes-Fahrer zumindest wird sich an dieser Stelle das nächste Mal sicherlich überlegen, ob er wieder aufs Gas drückt. Ihm drohen nun ein Punkt in Flensburg und ein Fahrverbot von einem Monat.




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie