Dornhaldenfriedhof in Stuttgart Buddhisten wünschen sich eigenen Friedhof

Dieser Buddha soll das buddhistische Gräberfeld im Dornhaldenfriedhof zieren. Foto: privat
Dieser Buddha soll das buddhistische Gräberfeld im Dornhaldenfriedhof zieren. Foto: privat

Auf einer derzeit brach liegenden Fläche des Dornhaldenfriedhofs in Stuttgart soll ein buddhistisches Gräberfeld als Park, Ort der Begegnung und der Meditation für alle Religionszugehörigen entstehen. Noch gilt es aber, Hürden zu überwinden.

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Stuttgart - Wolfgang Staufner hat sich auf Stuttgarts Friedhöfen umgeschaut und ist sich sicher: Auf dem Dornhalden-Friedhof gibt es ein ideales Gelände für einen buddhistischen Friedhof. Der Schwabe mit dem buddhistischen Glauben ist in den vergangenen drei Jahren mit hiesiger Gründlichkeit daran gegangen, um dieses Ziel zu erreichen: Er hat einen Verein gegründet, er hat eine Internet-Seite aufgebaut, auf der jeder sehen kann, was es mit solch einem Gräberfeld auf sich hat. Und er hat den Kontakt zu den Ämtern aufgebaut, allen voran das Friedhofsamt. Eine Buddha-Statue gibt es auch schon, die einmal gütig über diese Fläche wachen soll, sie befindet sich derzeit auf einem Lagerplatz.

Buddhismus praktisch leben

Staufner: „Wir wollen zeigen, dass Buddhismus nicht nur eine schöne Philosophie ist, sondern praktisches Leben. Und wir wollen zeigen, dass der Buddhismus hier in Stuttgart ist. Das wäre doch ein tolles Zeichen: Stuttgart hat das erste buddistische Gräberfeld in Süddeutschland.“ Tatsächlich muss man suchen, um Vergleichbares zu finden: in Hannover oder in Dresden etwa, in Wien oder in Kopenhagen.

Doch was unterscheidet einen christlichen Friedhof von einem buddhistischen, passt dies überhaupt zusammen für einen gemeinsamen Erinnerungsort? Buddhisten glauben an die Wiedergeburt. Ihre Erfüllung gipfelt also nicht am Tag des Jüngsten Gerichts, für Buddhisten ist das Dasein etwas Andauerndes, egal in welchem Wesenszustand, ob Mensch oder Tier. Die sichtbaren körperlichen Überreste des Verstorbenen sind also quasi wertlos, werden verbrannt. Die Wesentlichkeit ist längst auf dem Weg oder schon angekommen.

Vergänglichkeit mitten im Leben

Buddhistische Friedhöfe sind also nicht nur ein Ort der Trauer, sondern vor allem der Meditation und Begegnung. „Natürlich geht es da auch um Vergänglichkeit und Tod“, bestätigt Staufner, „aber mit einem anderen Ansatz: Wie gestalte ich jetzt mitten in meinem Leben mein Dasein? Um was geht es im Leben? Im Buddhismus ist das schon jetzt auch im Alltag eine wichtige Meditation, nicht erst am Sterbebett“. Deshalb gibt Staufner auch dem Dornhaldenfriedhof den Vorzug gegenüber dem benachbarten Waldfriedhof: „Natürlich ist Letzterer erst mal einladender mit seinem Baumbestand. Aber auf dem Gelände des Dornhaldenfriedhofs wurden im Dritten Reich Kriegsdienstverweigerer erschossen, hier wurden einige RAF-Terroristen beigesetzt, das passt besser zu unserem Ansatz.“

Der buddhistische Friedhof ist also eher ein Park, der zum Verweilen und Nachdenken einlädt. „Kreuze gibt es nicht, Grabplatten oder -steine können, müssen aber nicht sein“, sagt Staufner. „Solche Erinnerungsformen sind uns nicht so bedeutsam, es kann auch ein Namensschild an einem Baum genügen wie in einem Friedwald. Wichtiger ist der Parkcharakter.“ Konkret ist das eine Fläche von 40 auf 40 Meter mit vier Zugängen in den vier Himmelsrichtungen, angelegt als Mandala, also ausgerichtet auf den Mittelpunkt. Dort befindet sich ein Stupa, ein Bauwerk ähnlich einem Schrein. Dieser Park wäre aber nicht nur für Buddhisten offen, auch Beerdigungen sind keineswegs nur für Buddhisten vorgesehen, so Staufner: „Es ist ein Angebot an die Bevölkerung.“

Laut aufzutreten ist offenbar nicht so die Sache der Buddhisten, gibt er zu. Die Zahl der Aktivisten, die hinter ihm stehen, nennt er überschaubar. Das habe aber nichts mit Desinteresse zu tun: „Es gibt schon viel mehr Buddhisten hier in der Stadt und dem Umland, die aus entsprechenden Ländern kommen wie Vietnam, Laos oder Thailand. Die verfolgen die Entwicklung schon sehr interessiert“, so Staufner. Zumindest einmal im Jahr kommen sie in Stuttgart bei einem zentralen buddhistischen Fest zusammen. In diesem Jahr ist dieses für Mitte Juni geplant. Eigentlich ein idealer Zeitpunkt, um das buddhistische Gräberfeld einzuweihen.

Für alle Glaubensrichtungen da

Doch bei allem Wohlwollen, mit dem das Friedhofsamt diese Entwicklung begleitet, gibt es noch bürokratische Hürden. Eine, die als nächstes ansteht: Der Bezirksbeirat von Stuttgart-Degerloch, zu dem das gesamte Friedhofsareal gehört, muss dem Vorhaben zustimmen. Immerhin habe der Vorsteher Marco-Oliver Luz bereits Wohlwollen signalisiert, sagt Staufner. „Er begrüßt das als ein Vorhaben der Diversität.“

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