InterviewDownhill in Stuttgart-Degerloch „Ich bin mit vielen Dingen nicht einverstanden“

Von Florian Dürr 

Für die Downhiller-Szene in Stuttgart läuft es nicht rund. Das ist aus dem herauszuhören, was Jannick Henzler im Interview sagt. Er hat jetzt kundgetan, dass er sich als Streckensicherer für den „Woodpecker“ zurückzieht.

Würde die Stadt Stuttgart gern mehr tun für die Downhiller, als sie kann? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Würde die Stadt Stuttgart gern mehr tun für die Downhiller, als sie kann? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Jannick Henzler von der Arbeitsgemeinschaft Downhill hat auf Facebook mitgeteilt, sein Amt als Qualitätsbeauftragter für die Downhill-Strecke „Woodpecker“ zwischen Degerloch und Stuttgart-Süd nach fünf Jahren ab sofort niederzulegen. Unsere Zeitung hat bei Henzler nachgefragt, wie es dazu kam.

Herr Henzler, warum haben Sie Ihr Amt als Qualitätsbeauftragter für den „Woodpecker“ aufgegeben?

Ich bin mit vielen Dingen nicht einverstanden. Zum einen, dass die Dauergenehmigung für die Strecke seit drei Jahren aussteht. Aber auch mit den aktuellen Baustellen. Wir waren uns vertraglich mit der neuen Baufirma nicht einig. Die Kommunikation mit dem Sportamt war in letzter Zeit auch ein bisschen enttäuschend. Den „Woodpecker“ gibt es jetzt seit fünf Jahren, die Strecke ist überholungsbedürftig. Da wird an vielen Stellen zu spät und zu langsam reagiert. Auch mit dem Signal, das allgemein an die Mountainbike-Szene gesendet wird, bin ich nicht einverstanden: Man kann nicht zum einen den „Woodpecker“ nachlässig behandeln und gleichzeitig Polizeikontrollen im Wald durchführen.

Was fordern Sie konkret für den „Woodpecker“?

Holzelemente sind ein Thema. Es sind oft gravierende Mängel, die dann notdürftig geflickt werden. Anstatt dass man einen größeren Arbeitseinsatz plant, bezahlt und dann auch rund macht. Und natürlich die Dauergenehmigung. Ohne die sind keine Veränderungen, zum Beispiel neue Elemente, möglich. Das Sportamt möchte gerne, aber ich habe das Gefühl, da macht die Bürokratie vielem einen Strich durch die Rechnung.

Warum wären neue Elemente wichtig?

Es werden immer mehr Biker, das hat man in der Corona-Krise auch wieder gemerkt. Man geht von 50 000, 60 000 Bikern in Stuttgart aus. Da ist eine einzige Strecke nicht mehr zielführend. Die kann gar nicht alles abdecken, was sich ein individueller Biker wünscht. Vor fünf Jahren war da schon der Gedanke, dass man zwei, drei Schritte weitergeht, aber da passiert einfach zu wenig.

Ihr Rücktritt wirkt nun so, als würden Sie aufgeben.

Ich gebe nicht auf, ich kann den „Woodpecker“ gar nicht verkommen lassen. Ich möchte weiterhin für die Szene da sein und das Thema Mountainbiken in Stuttgart vorantreiben, auch medial. Aber nicht mehr als Streckensicherer direkt vor Ort. Ich werde nicht mehr die Schaufel schwingen. Alles andere bleibt offen. Sowohl, wer mein Nachfolger wird, als auch wie es insgesamt weitergeht, wie ich mit dem Sportamt in Kontakt bleibe.

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