Drehpunkt-Markt auf den Fildern Boxen und Kita statt Lebensmittel

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Die ehemaligen Schlecker-Filialen auf den Fildern werden keine Drehpunkt-Märkte.

Boxer statt Schlecker: in der ehemaligen Filiale der Drogeriemarktkette in Dürrlewang trainiert ein Boxverein. Foto: Philipp Obergassner
Boxer statt Schlecker: in der ehemaligen Filiale der Drogeriemarktkette in Dürrlewang trainiert ein Boxverein. Foto: Philipp Obergassner

Vaihingen/Möhringen - Die Schaufenster leer, die Türen geschlossen, die Rollläden unten: so sehen die meisten ehemaligen Schlecker-Filialen in Stuttgart derzeit aus. Das soll sich jedoch bald ändern. Verdi arbeitet mit der Stadtverwaltung an einem Konzept für die Nachnutzung als sogenannte Drehpunkt-Märkte. Dieses sieht vor, rentable Filialen unter dem Dach einer Einkaufsgenossenschaft weiterzuführen. Ein Standort auf den Fildern ist jedoch nicht darunter.

Nach Angaben der Wirtschaftsförderung gab es in Stuttgart insgesamt 46 Schlecker-Märkte. Die Besitzer der Immobilien wurden alle von der Wirtschaftsförderung angeschrieben, ob Interesse an der Einrichtung eines Drehpunkt-Markts besteht. 19 Inhaber meldeten sich zurück. „Auf den Fildern bekamen wir aber kein Feedback. Entweder die Besitzer hatten kein Interesse, oder die Ladenfläche ist bereits anderweitig vermietet“, sagt Dieter Rentschler, stellvertretender Leiter der Wirtschaftsförderung.

So zum Beispiel an der Osterbronnstraße in Dürrlewang. Seit September vergangenen Jahres hat der von seinem Vorsitzenden Yacinth Kouadio neu gegründete Verein Boxring Stuttgart in den ehemaligen Schlecker-Räumen einen neuen Unterschlupf gefunden. Drei Monate bauten die Mitglieder den Raum zur Boxhalle um, seit Anfang Januar wird dort trainiert. „Das ist jetzt unser Zuhause“, sagt Kouadio. Ebenfalls anderweitig genutzt werden sollen die Geschäftsräume an der Katzenbachstraße in Vaihingen. Beim Baurechtsamt ging ein Bauantrag für eine Kindertagesstätte ein. „Der ist aber noch nicht vollständig, also können wir noch nichts Genaues sagen“, sagt Amtsleiterin Kirsten Rickes. Weitere Anträge zwecks einer Umnutzung ehemaliger Schlecker-Filialen auf den Fildern liegen laut Rickes nicht vor.

„Wir sind noch in der absoluten Anfangsphase“

Noch unklar ist die Zukunft der Ladenfläche an der Widmaierstraße in Möhringen. Der Besitzer sucht derzeit noch nach einem Mieter. Da die Lage aber „nicht optimal“ sei, geht er davon aus, dass der Laden noch bis zu einem halben Jahr leerstehen können.

Kleine Stadtteile im Fokus

Dass es auf den Fildern keinen Drehpunkt-Markt geben wird, ist für Dieter Rentschler kein Problem. Eine Gefahr der Unterversorgung an nahen Einkaufsmöglichkeiten bestehe dort nicht. „In Plieningen oder Birkach sieht das schon anders aus“, sagt er. Wenn von den insgesamt 19 Standorten am Ende „zwischen fünf und zehn“ zu Drehpunkt-Märkten würden, wäre das ein „gutes“ Ergebnis für die Stadt. Aber auch für jene Standorte, die bei der Verdi-Prüfung „durch den Rost fallen“, sei es gut, eine Einschätzung zu haben, wie viel Umsatz zu erwarten sei.

In den vergangenen Wochen hat Verdi mit Hilfe eines Unternehmensberaters die ehemaligen Stuttgarter Schlecker-Filialen auf ihre Rentabilität geprüft. Die infrage kommenden 14 Standorte stehen auf einer Liste, die an die Wirtschaftsförderung der Stadt ging. Das sei aber alles noch nicht spruchreif, betont Stadtteilmanager Torsten von Appen, „wir sind noch in der absoluten Anfangsphase“.

Wenig Chancen für einen Drehpunkt-Markt

Alles, was er bisher sagen könne, ist, dass ein Drehpunkt-Markt in der Innenstadt gar nicht infrage komme. „Im Fokus sind Standorte in Stadtteilen mit weit unter 20.000 Einwohnern“, sagt von Appen. Mit den genauen Standorten will von Appen aber erst an die Öffentlichkeit gehen, „wenn wir auch wirklich sagen können, dass der Markt aufmacht“. Davor wolle man „keine Pferde scheu machen“, immerhin „geht es hier um sehr viel Geld“.

Verdi fordert Strukturhilfen der Stadt

Verdi unterstützt ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen dabei, sich selbstständig zu machen. Die als Mini-GmbH geführten Drehpunkt-Märkte sollen durch eine Einkaufsgenossenschaft konkurrenzfähig bleiben. Die Märkte sollen vor allem an Standorten gefördert werden, wo die Nahversorgung gefährdet ist. Der erste Drehpunkt-Markt hat in Erdmannhausen im Kreis Ludwigsburg eröffnet.

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Christina Frank ist zuständig für den Einzelhandel in Stuttgart. Sie sieht derzeit wenig Chancen für einen Drehpunkt-Markt in der Landeshauptstadt. Die großen Einkaufshäuser in der Innenstadt zögen Kaufkraft aus den Außenbezirken ab. „Ohne Strukturhilfen von der Stadt ist das nicht zu machen“, sagt sie. Unter den jetzigen Bedingungen könne sie keiner der ehemaligen Schlecker-Frauen zuraten, einen Drehpunkt-Markt zu eröffnen.

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