InterviewDrei Fragen an Jonathan Nott Intelligente Spaßvögel

Von Susanne Benda 

Der britische Dirigent Jonathan Nott gibt an diesem Sonntag sein Debüt beim Staatsorchester Stuttgart. Auf dem Programm seines Konzertes stehen Schostakowitschs vierte Sinfonie, Richard Strauss’ „Burleske“ für Klavier und Orchester und Isabel Mundrys „Endless Sentiments“. Das Konzert, findet der Brite, sei „eine spannende Entdeckungsreise“.

Jonathan Nott Foto: Thomas Müller
Jonathan Nott Foto: Thomas Müller

Stuttgart - 16 Jahre lang war Jonathan Nott Chefdirigent der Bamberger Symphoniker. Heute ist er Musikdirektor des Tokyo Symphony Orchestra, Erster Dirigent der Jungen Deutschen Philharmonie und Chefdirigent beim Orchestre de la Suisse Romande.

Herr Nott, wie ist es zu diesem Programm gekommen?

Jeder spielt Schostakowitschs Fünfte, deshalb wollte ich mal wieder die Vierte aufführen. Sie gibt einen Ton vor, den man auch in den anderen beiden Stücken entdecken kann. Es geht um klugen Witz, um intellektuellen Spaß. Schostakowitsch lenkt die Zuhörer immer wieder in „falsche“ Richtungen, er spielt mit dem Material und mit der Intelligenz des Publikums.

Und das tut Isabel Mundry auch?

Ja, unbedingt! Wir bringen die Neufassung ihres erst 2018 komponierten Stücks in Stuttgart zur Uraufführung, und es ist faszinierend zu hören, wie die Komponistin hier schlichtes Material präsentiert, das sich entwickelt, entfaltet und dabei ungemein konzentriert wirkt. Man erlebt diese Klänge wie wenn man einen Kristall dreht: Man begreift ihn nie ganz, aber er schillert in immer neuen Farben.

Der Pianist Kirill Gerstein wird den Solopart in Strauss’ „Burleske“ spielen. Haben Sie mit ihm schon einmal zusammengearbeitet?

Nein, aber ich freue mich darauf – und auf dieses nur selten aufgeführte Stück, denn in seiner Mischung aus typischem Strauss-Ton und wienerisch-augenzwinkernden Momenten ist es ebenfalls ein intelligenter Spaß. Die Zuhörer werden bei diesem Konzert richtig viel erleben: eine spannende Entdeckungsreise. Am besten sollten sie zwei Mal kommen!

Termin Sonntag, 11 Uhr, und Montag, 19.30 Uhr, Beethovensaal