Drogen-Prozess am Stuttgarter Landgericht Fast sechs Jahre Gefängnis für Sindelfinger

Der Prozess fand vor dem Landgericht in Stuttgart statt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Der Prozess fand vor dem Landgericht in Stuttgart statt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Im Prozess um Handel mit Kokain und Marihuana in großem Stil verhängt das Landgericht Stuttgart eine hohe Haftstrafe gegen einen 46-jährigen Angeklagten aus Sindelfingen.

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Sindelfingen/Stuttgart - Es war eine harte Strafe, die ein 46-jähriger Sindelfinger nach viertägigem Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht hinnehmen musste: Wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in sechs Fällen muss der Sindelfinger für fünf Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Sein 26-jähriger Mitangeklagter aus Ötisheim (Enzkreis) muss für zwei Jahre und vier Monate in Haft. Ins Netz war der Mann der Polizei gegangen, weil er einem verdeckten Ermittler Kokain im Wert von 38 000 Euro verkaufen wollte.

Der Rechtsanwalt den jüngeren Angeklagten, Andreas Melter, hatte noch am Tag der Urteilsverkündung alle Register gezogen und ein Schreiben des Arbeitgebers seines Mandanten vorgelegt, nach dem dieser im November sofort wieder in der Autofirma anfangen könne, in der er vor seiner Verhaftung tätig gewesen war. Doch die erhoffte Bewährungsstrafe blieb aus.

Urteil hat nicht den Erwartungen der Verteidigung entsprochen

„Die Ergebnisse fallen jetzt nicht so aus, wie es sich die Angeklagten erhofft hatten“, räumte der Vorsitzende Richter Rainer Gless in seiner Begründung ein. Dennoch sei positiv ins Gewicht gefallen, dass die Angeklagten Geständnisse abgelegt hätten. Ohne diese hätte der 26-Jährige mit bis zu dreieinhalb Jahren Haft rechnen müssen, erläuterte der Richter, beim 46-Jährigen wäre es auf sieben Jahre oder mehr hinausgelaufen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 46-Jährige Drogengeschäfte in großem Stil getätigt hatte. In sechs Fällen habe der Sindelfinger zwischen April 2020 und April dieses Jahres insgesamt etwa 18 Kilogramm Marihuana und zwei Kilogramm Kokain im Gesamtwert von rund 110 000 Euro ge- und verkauft. Nicht alle Tatorte konnten ermittelt werden, unter anderem haben die Geschäfte in Niefern-Öschelbronn (Enzkreis) , Pforzheim und Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) stattgefunden. Auf die Spur des Sindelfingers waren die Behörden gekommen, da sie die Kommunikation über den Messangerdienst Encrochat geknackt hatten. Dieser existiert heute nicht mehr, er wurde nach Ermittlungen von Europol von den Betreibern eingestellt.

Bei der letzten Tat im April gerieten die beiden Angeklagten in eine Falle: Ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamts hatte den Kauf von rund einem Kilogramm Kokain zum Preis von 38 000 Euro eingefädelt. Bei der Übergabe auf einem Parkplatz in Öschelbronn wurden die beiden Männer festgenommen.

Über einen Chat auf die Schliche gekommen

Nicht restlos aufklären ließ sich, aus welchem Grund der 26-Jährige bei diesem Deal mitgemacht hatte. Er selbst hatte behauptet, sein Mitangeklagter habe ihn unter Druck gesetzt, weil dieser ihn beim Kauf eines Hauses unterstützt und einen Kredit in sechsstelliger Höhe vermittelt hätte. Das bestritt der 46-Jährige. „Wir gehen davon aus, dass sich der jüngere Angeklagte zur Gegenleistung moralisch verpflichtet sah, aber Druck wurde wahrscheinlich nicht ausgeübt“, so der Vorsitzende Richter. Das Gericht habe den 26-Jährige zwar nur wegen Beihilfe zum Drogenhandel verurteilt, gehe aber davon aus, dass er „kein willfähriger Helfer“ war, der zum ersten Mal mit Rauschgift in Kontakt gekommen sei. „Bei einem Drogengeschäft in dieser Menge und mit diesem Reinheitsgehalt wählt man keinen Anfänger aus, sondern einen erfahren Hasen“, sagte Gless.

Angeklagter war laut Richter kein kleines Lichtchen

Der Vorsitzende Richter erklärte darüber hinaus, dass sich neben den Geständnissen, die den Prozess abgekürzt und die Vernehmung von Kontaktpersonen des verdeckten Ermittlers erspart hätten, auch positiv für beide Angeklagte ausgewirkt habe, dass die Drogen zum größten Teil sichergestellt werden konnten. „Dadurch war das Schutzgut Volksgesundheit nicht gefährdet“, meinte Gless. Negativ sei aber ins Gewicht gefallen, dass es sich bei Kokain um eine harte Droge mit hohem Suchtpotenzial handle und die Verwendung eines verschlüsselten Messangerdienstes auf eine hohe kriminelle Energie schließen lasse.




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