InterviewDürr-Chef Ralf Dieter „Unser Geschäft mit VW ist gesunken“

Bei der vernetzten Produktion sieht  Ralf Dieter den Maschinenbauer  Dürr  weit vorn. Foto: Dürr
Bei der vernetzten Produktion sieht Ralf Dieter den Maschinenbauer Dürr weit vorn. Foto: Dürr

Von Schwächephase in China spürt Dürr-Chef Ralf Dieter wenig. Denn ganz neue Hersteller in der Volksrepublik haben Interesse an Lackieranlagen des Bietigheimer Unternehmens.

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Bietigheim-Bissingen - China strebt den Status der Marktwirtschaft und China kauft deutsche Technologiefirmen auf. Solche Nachrichten beunruhigen Dürr-Chef Ralf Dieter ganz und gar nicht. Der Manager, der China gut kennt, erläutert die Gründe für seine Gelassenheit.

Herr Dieter, was ist los in China? Der Markt schwächelt.
Das sehe ich nicht so. Von Januar bis August hat der Autoabsatz in China um 16 Prozent zugelegt, vor allem im Sommer waren die Zuwächse hoch. Aber strukturell hat sich die Nachfrage verschoben. Drei von zehn Autos, die dort verkauft werden, sind heute kleinere Geländewagen. Da können lokale Hersteller punkten, die das entsprechende Angebot haben. Das sind Autos, die 12 000 bis 18 000 Euro kosten. Dürr profitiert davon, weil die chinesischen Hersteller in neue Kapazitäten investieren.
Bleibt den deutschen Premiumhersteller das Nachsehen?
Der Wandel war abrupt. Deshalb haben lokale Hersteller bei den kleinen SUV´s derzeit noch einen Vorsprung. Sie haben ihren Marktanteil ausgebaut. Aber die Jointventures mit Beteiligung deutscher Autobauer arbeiten an einem entsprechenden Angebot, teilweise haben sie es bereits. Sie werden aufholen, da bin ich mir sicher.
In China kommen immer neue Hersteller auf den Markt. Die Regierung vergibt Lizenzen.
Die Regierung in Peking hat neue Lizenzen für Elektroautos vergeben. Wir kennen zwischen sechs und acht neue Spieler auf dem chinesischen Markt für Elektromobilität, die vorher noch nie Autos gebaut haben. Wir sind mit allen im Gespräch – sowohl für den Bau von Lackierereien als auch von Endmontagelinien. Wir planen viel, aber ich bin vorsichtig, ob auch tatsächlich alle Pläne realisiert werden. Nicht jeder neue Anbieter wird erfolgreich sein.
Liegt China bei Elektroautos vorne?
Für die Chinesen ist Elektromobilität schon seit längerem die Antwort auf die Umweltverschmutzung in ihren Städten. China ist da sicherlich Vorreiter.
Und die haben das Know how?
Davon können sie ausgehen. Die Chinesen haben jahrelang Erfahrung gesammelt. Sie sind bei Elektroautos nicht weiter als die Deutschen, aber sie hinken eben auch nicht hinterher. Wenn wir vor sieben oder acht Jahren in China Autofabriken geplant haben, saßen viele westliche Experten am Tisch, heute sind es ausschließlich chinesische Kollegen.
Droht nach der Stahlschwemme künftig die Elektroautoschwemme aus China?
Die Gefahr sehe ich nicht. Die chinesischen Hersteller wollen zunächst den eigenen Markt bedienen – das ist eine große Aufgabe. Zudem haben Chinesen Respekt vor dem Export. Deutschland gilt als der oberste Benchmark; wer hier Autos verkaufen kann, kann es überall auf der Welt. Die chinesischen Automobilproduzenten exportieren derzeit im Wesentlichen in den Mittleren Osten, nach Afrika, Südostasien – Autos, die dort üblicherweise gefragt sind, kosten bis zu 8000 Euro. In diesem Preissegment finden sie keine deutschen Hersteller.
China strebt gerade den Status einer Marktwirtschaft an. Bis Ende des Jahres muss die EU darüber entscheiden. Ist das Land reif dafür?
Beim Marktwirtschaftsstatus geht es um die Offenheit der Wirtschaft. Die Frage ist, ob wir genauso ungehindert in China investieren können wie Chinesen in Europa. In dem Bereich, in dem Dürr aktiv ist, gibt es keine Beschränkungen. Wir haben keinen Jointventure-Zwang. In anderen Bereichen, die als strategisch wichtig eingestuft werden, sieht es anders aus. Da können Ausländer nicht so einfach investieren.
Was gegen den Status sprechen würde.
Ich sehe die Marktwirtschaft in China schon recht gut verwirklicht, aber mit einem Element, das man hierzulande als Industriepolitik bezeichnen würde. Aber schauen Sie in die USA, dort ist es ähnlich: Wenn jemand ein Unternehmen kaufen will, dass als strategisch eingestuft ist, wird es von der US-Regierung verboten. In Deutschland kennen wir so etwas nicht. Kuka ist ein Beispiel dafür. Zuerst große Aufregung - passiert ist dann aber nichts.

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