Ehrenamt Gewappnet für den Fall der Fälle

Von Philipp Braitinger 

Beim Tag der offenen Tür des Technischen Hilfswerks (THW) im Stauferpark in Göppingen bestaunten die Besucher am Sonntag an vielen Stationen die vielfältige Ausrüstung der freiwilligen Katastrophenretter und verbündeter Kräfte.

Die Jugendgruppe zeigt dem Publikum ihr Können im Rahmen einer Schauübung im Hof des Technischen Hilfswerks im Stauferpark. Foto: Horst Rudel
Die Jugendgruppe zeigt dem Publikum ihr Können im Rahmen einer Schauübung im Hof des Technischen Hilfswerks im Stauferpark. Foto: Horst Rudel

Göppingen - Ob Hochwasser, Erdbeben, Unwetter oder Terroranschlag – wenn plötzlich nichts mehr geht, rückt das Technische Hilfswerk (THW) zum Einsatz aus. Am Sonntag waren Besucher eingeladen, sich im Stauferpark in Göppingen über die Fähigkeiten der Truppe zu informieren. „Man sieht das ganze Spektrum des THW“, erklärte der Öffentlichkeitsbeauftragte des Ortsverbands, Tobias Vester. Die Frauen und Männer in den einheitlich blauen Anzügen bergen Unfallopfer, sichern einsturzgefährdete Gebäude, bauen Brücken und sorgen auch unter widrigen Bedingungen für Energie, Licht, freie Straßen, Trinkwasser und Nahrung.

Gerät, das Leben rettet

Zu bestaunen gab es am Sonntag allerhand Gerät, das im Katastrophenfall Leben retten kann. Besondere Aufmerksamkeit erregte besonders unter den vielen Kindern ein blubberndes Wasserbecken. Was für den Laien aussah wie ein Jacuzzi, war der Beginn einer Wasseraufbereitungsanlage des Technischen Hilfswerks aus Tübingen. Mit mehreren Filtern, UV-Licht und Chlor kann die mobile Anlage Schmutzwasser zu Trinkwasser machen. „Die Anlage schafft 15 000 Liter pro Stunde“, erklärte die THWlerin Silke Koch neben der Anlage. Ein kleineres, aber von der Technik her vergleichbares Gerät sei derzeit in Mosambik im Einsatz.

15 000 Liter Trinkwasser pro Stunde

Neben verschiedenen Ortsverbänden des THW selbst haben Organisationen, die ebenfalls im Katastrophenfall zum Einsatz kommen, ihre Technik beim Tag der offenen Tür in Göppingen ausgestellt. Das Rote Kreuz war mit einem Rettungswagen dabei, die Polizei mit einem Schlauchboot, die Feuerwehr mit einer Drehleiter und die Bundesrettungshundestaffel hatte ihr bellendes Personal in den Stauferpark geführt.

Die Bundeswehr hatte neben einem Panzer „Fuchs“ und einem ferngesteuerten Roboter auch eine Feldküche mitgebracht, genauer: die Taktische Feldküche 250. „Man kann damit eigentlich alles kochen, was man sich vorstellen kann“, erklärte der Feldkoch mit dem Dienstgrad Stabsunteroffizier, Nicola Kornmeier, von der Panzerpionierkompanie 550 aus Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen). Vom Schnitzel über den Eintopf bis zum Kuchen erstreckte sich das Spektrum der kulinarischen Möglichkeiten. „Wir haben damit auch schon Popcorn gemacht“, sagte Kornmeier.

Die Zahl 250 in der Typenbezeichnung beschreibe, dass mit einer Kochschicht 250 Mann verpflegt werden könnten. Die Feldküche verfüge unter anderem über zwei große Kochwannen, in welchen wie wie bei einem Schnellkochtopf unter Druck Nudeln oder Kartoffeln schnell zubereitet werden könnten. In den beiden 175 Liter großen Behältnissen könnten jeweils 20 Kilogramm Nudeln gekocht werden, berichtet Kornmeier. „Wenns schnell gehen muss, sind 20 Kilogramm Kartoffeln in 20 Minuten fertig“, verspricht er. Die Hitze der Küche werde mit Diesel oder Petroleum erzeugt. Zum Anfachen werde Druckluft aus einem Lastwagen verwendet.

Am Land und unter Wasser

Druckluft für die Arbeit benötigte auch der Taucher des THW aus Neu-Ulm, der in einer Art Aquarium seine Ausrüstung präsentierte. Im Begleitfahrzeug hatte der Tauchgruppenleiter Robert Mayer auf einem Bildschirm genau im Blick, was der Taucher im Becken gerade machte. Die Arbeit unter Wasser sei besonders schwer. „Man muss immer gegen das Wasser kämpfen“, erklärte Mayer. Die Taucher des THW könnten mit ihrer Spezialausrüstung unter Wasser sägen, fräsen, schweißen oder schrauben. „Man kann alle Arbeiten, die man über Wasser machen kann, auch unter Wasser machen.“

Der Tag der offenen Tür des THW in Göppingen im April hat Tradition. „Wir hoffen wie bereits in den vergangenen Jahren auf rund 5000 Besucher“, so der Öffentlichkeitsbeauftragte des THW Göppingen, Tobias Vester. Dass der Aktionstag mit einem Hintergedanken organisiert wird, daraus macht er keinen Hehl. Die 70 aktiven Mitglieder seien immer auf der Suche nach neuen Kameraden.