Ehrenamtspreis Vom abstrakten Begriff zum konkreten Handeln

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Am Wendlinger Robert-Bosch-Gymnasium soll das Konzept der Nachhaltigkeit fest verankert werden. Darum kümmert sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe in ihrer Freizeit.

An einem ganz normalen Schultag hat die Nachhaltigkeitsgruppe 20 Säcke mit dem Müll eines Schultags gefüllt. Der Abfall wurde im Foyer ausgestellt. Foto: oh 2 Bilder
An einem ganz normalen Schultag hat die Nachhaltigkeitsgruppe 20 Säcke mit dem Müll eines Schultags gefüllt. Der Abfall wurde im Foyer ausgestellt. Foto: oh

Wendlingen - Wenn man das so sagen möchte, dann hat am Robert-Bosch-Gymnasium (RBG) in Wendlingen alles mit dem „Fair-O-Mat“ seinen Anfang genommen. Die Fair Trade AG hatte den alten Apparat, der ohne Strom betrieben wird, vor einigen Jahren wieder hergerichtet und aufgemotzt, um die Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Lehrerschaft mit fair gehandelten Snacks zu versorgen, falls der Blutzuckerspiegel absinkt – oder die Gelüste einfach überhand nehmen.

Kooperiert wird dabei mit einem Weltladen aus der Nachbarschaft, der die Leckereien liefert. Ansonsten wird der Automat bis heute komplett von der AG gemanagt, was einen wesentlichen Teil dazu beigetragen haben dürfte, den Gedanken des fairen Handels am RBG zu verankern, um im Juli vergangenen Jahres als „Fair-Trade-School“ ausgezeichnet zu werden.

Alle Klassenstufen vertreten

Benjamin Muncke, der die AG leitet und betreut, wollte aber noch mehr. Ihm ging es darum, den Fair-Trade-Gedanken in einen größeren Kontext zu stellen und das Konzept der Nachhaltigkeit im Schulalltag aufzugreifen. Zusammen mit einigen Kolleginnen und Kollegen, der SMV sowie mit einzelnen Schülerinnen und Schülern rief er eine „Nachhaltigkeitsgruppe“ ins Leben, der mittlerweile ein Dutzend Jungs und Mädchen aus allen Klassenstufen angehören und die eng mit der Fair Trade AG verbunden ist.

Der von vielen Seiten seit geraumer Zeit ebenso inflationär wie abstrakt verwendete Begriff „Nachhaltigkeit“ soll durch konkretes Handeln mit Leben gefüllt werden – und das möglichst dauerhaft, also nachhaltig. Benjamin Muncke erklärt, „dass es dabei um mehr geht, als um einmalige Aktionen“. Vielmehr solle in jedem Schuljahr ein Aspekt aus diesem Bereich herausgegriffen werden, im abgelaufenen sei dies die Müllproblematik gewesen.

„Das Signal ist angekommen“

Dazu wurde im vergangenen November am RBG ein Zero-Waste-Day veranstaltet, ein Tag also, an dem in der Schule kein Müll produziert werden sollte. Zuvor waren allerdings die Abfälle eines anderen Schultags gesammelt und, gepaart mit entsprechenden Informationen, für eine Woche im Foyer „ausgestellt“ worden. Die Präsentation muss gewirkt haben. „Während wir beim ersten Termin 20 Müllsäcke füllen mussten, war es am Zero-Waste-Day nur noch einer“, sagt der Lehrer, der ansonsten die Fächer Englisch, Geografie und Sport unterrichtet. Natürlich hätten am Aktionstag alle darauf geachtet, möglichst wenig wegzuwerfen und es habe fast schon einen Wettkampf zwischen den Klassen gegeben, ergänzt Muncke. „Aber das Signal ist dadurch angekommen.“

Zumal die Nachhaltigkeitsgruppe nicht nachließ. In ihrer Freizeit schmückten die Mitglieder den Schulweihnachtsbaum mit upgecyceltem Weihnachtsbaumschmuck. Im Februar führten sie einen Handysammel-Aktionstag durch, um wertvolle Rohstoffe zu recyceln. Und Ende März hätte am RBG ein Kleidertauschtag stattfinden sollen, um zu verhindern, dass ausgemusterte Klamotten den Weg in die Tonne finden. Dazu ist es coronabedingt zwar nicht mehr gekommen, doch aufgeschoben soll auch in diesem Fall nicht aufgehoben sein.

Roter Faden im Alltag

„Wir werden den Müll-Aspekt im nächsten Schuljahr weiter verfolgen, um zu zeigen, dass man gerade auch in so einer Zeit nachhaltig agieren und leben kann,“ betont Muncke. Zudem solle es ja eben nicht nur bei einzelnen Aktionen bleiben. „Wir haben ein Müllkonzept für das RBG erarbeitet, an dem noch etwas gefeilt werden muss, ehe das im nächsten Schuljahr vorgestellt wird“, fügt er hinzu. Ein Punkt darin könnte sein, dass am RBG auf Einwegverpackungen und -geschirr verzichtet wird. „Das hat natürlich auch Auswirkungen auf unsere Schulveranstaltungen“, sagt Muncke, der seit 2009 an dem Wendlinger Gymnasium unterrichtet. „Für Feste, Discos oder Ähnliches muss man sich dann was einfallen lassen.“

Für die Gruppe sei klar, dass sich das Thema Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch den Schulalltag ziehen müsse. Im besten Fall könnte dafür sogar ein eigener SMV-Ausschuss gebildet werden. Dass das Engagement der jungen Leute nach den Ferien bröckeln könnte, weil sie zurzeit andere Sorgen haben, glaubt der Pädagoge nicht. „Die persönliche Überzeugung, aus eigener Kraft etwas bewirken zu können, ist längst bei allen da. Und sie zeigen den anderen, dass nachhaltiges Handeln bei jedem Einzelnen beginnt und jeder konkret etwas für eine gerechtete und nachhaltigere Welt tun kann“, sagt Muncke.

Dies ist letztlich wohl auch der Grund dafür, weshalb die Nachhaltigkeitsgruppe des Wendlinger Robert-Bosch-Gymnasiums für den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ nominiert wurde.




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