Schokohasen in Alufolie, mit Chemie gefärbte Eier oder das Osterlamm auf dem Tisch: Unsere Bräuche an den Feiertagen sind nicht gerade umwelt- und tierfreundlich. Doch es gibt Möglichkeiten, Tradition und Umweltbewusstsein miteinander zu verbinden.

Stuttgart und Region: Julia Bosch (jub)

Ostern steht vor der Tür. Und zu den Feiertagen gehören für die meisten Menschen nicht nur geselliges Beisammensein, sondern auch Traditionen: Eier bemalen, Schokohasen verstecken und suchen, ein Osterfeuer entzünden und etwas Besonderes essen. Doch ist das in Zeiten der Klimaerwärmung noch in Ordnung? Wer Ostern möglichst nachhaltig feiern will, sollte auf ein paar Dinge achten. Wir haben einige Tipps.

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Bei Eiern auf die Herkunft achten Für die meisten Menschen gehören Eier zu Ostern. Insgesamt wurden im Jahr 2021 in Deutschland 15,62 Milliarden Eier erzeugt – das bedeutet fast 190 Eier pro Einwohner . Dabei sollte man darauf achten, wie die Hühner gehalten werden. Herausfinden lässt sich das über den Stempel, der auf jedem frischen Ei abgedruckt ist.

Entscheidend ist dabei die erste Zahl. Die Drei steht für Kleingruppenhaltung, die 2010 die Käfighaltung abgelöst hat. Bis zu zwölf Hennen dürfen auf einem Quadratmeter leben, Auslauf gibt es keinen. Die Zwei bedeutet Bodenhaltung, daraus stammen die meisten Eier in Deutschland. Bis zu 6000 Hennen leben in einem Stall, dieser muss aber zu mindestens einem Drittel mit Stroh, Sand oder Torf eingestreut sein. Auf einem Quadratmeter dürfen neun Hühner gehalten werden. Gibt es mehrere Ebenen im Stall, also etwa Sitzstangen, darf man auf einem Quadratmeter sogar 18 Hühner halten.

Die Eins steht für Freilandhaltung. Dort leben ebenfalls maximal neun Hennen pro Quadratmeter in einem geschlossenen Stall. Sie dürfen tagsüber nach draußen, wo jedes Huhn mindestens vier Quadratmeter Platz hat. Die Null bedeutet eine ökologische Hühnerhaltung. Dabei dürfen sechs Hennen pro Quadratmeter im Stall gehalten werden, insgesamt maximal 3000 pro Stall. Draußen hat jede Henne mindestens vier Quadratmeter Auslauf. Und die Tiere bekommen Biofutter.

Ostereier lieber selbst färben In Supermärkten oder Bäckereien werden viele Eier verkauft, die bereits gefärbt sind. Bei diesen lässt sich oft nicht erkennen, woher die Eier kommen und wie die Hühner gehalten wurden. Ähnliches gilt bei Produkten, die Ei enthalten. Umwelt- und tierfreundlicher ist es deshalb, Eier aus guter Haltung zu kaufen und sie selbst zu färben – und bei Produkten, die Eier enthalten, auf Bio zu setzen.

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In den gängigen Flüssigfarben und Färbetabletten für Ostereier ist meist Chemie enthalten. Laut einem Test von Stiftung Warentest sind diese zwar nicht gesundheitsschädlich, selbst wenn sie durch feine Risse und Poren in der Schale ins Eiweiß gelangen. Wer dennoch lieber auf natürliche Farben setzt, hat eine große Auswahl. Das Umweltbundesamt empfiehlt Kurkuma, Kamille, Zwiebel- oder Walnussschalen, um die Eier gelblich-braun zu färben. Für eine grünliche Färbung sind Brennnesseln oder Spinat die beste Wahl, für eine rötliche Färbung Rote Bete. Um Eier natürlich zu färben, wirft man die Zutat in kochendes Wasser, bis es die jeweilige Farbe annimmt. Anschließend kocht man die Eier zehn Minuten in dem Sud.

Bei Schokolade kommt es auch auf die Verpackung an Wer beim Kauf von Schokohasen und Schoko-Eiern auf Fairtrade- und Bio-Siegel achtet, tut der Umwelt und den Kakaobauern etwas Gutes. Doch ist es aus Nachhaltigkeitsperspektive in Ordnung, Eier und Hasen in Alufolie zu kaufen? Sind Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen nicht besser? Einige Schokoladenmarken werben etwa damit, dass man die Verpackungsfolie ihrer Tafeln im Gartenkompost entsorgen kann.

Das Umweltbundesamt ist diesbezüglich vorsichtig: Die Umweltbilanzen würden sich „nicht wesentlich verbessern, wenn die Rohstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen statt auf Erdölbasis sind“, sagt Ines Oehme, die sich beim Umweltbundesamt mit Kunststoffen und Verpackungen beschäftigt. Die Wirkungen würden sich nur verschieben: Während fossilbasierte Kunststoffe mehr klimawirksames CO2 freisetzten, würden für biobasierte Kunststoffe meist Düngemittel und Pestizide eingesetzt. Außerdem könne es zu Konkurrenzen um Flächen mit der Lebensmittelproduktion kommen.

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Der Naturschutzbund (Nabu) und das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg sind zum Ergebnis gekommen, dass zumindest bei Schokoladentafeln die Plastikfolie am nachhaltigsten ist. Die Verpackung sei leicht, der Kunststoff Polyethylen sehr gut recycelbar. Und die Herstellung der Plastikfolie sei weniger energie- und ressourcenintensiv als Alufolie. Auf dem zweiten Platz landet die Papierverpackung in Kombination mit Alufolie. Am schlechtesten in den Kategorien Klimawandel, nicht erneuerbarer Ressourcenverbrauch und Schadstoffemissionen schneidet die Kombination aus Pappkarton und Alufolie ab.

Möglichst pflanzlich backen und kochen Fleischkonsum hat an Ostern Hochsaison: Rund zwei Drittel aller Kaninchen und Hasen, die in Deutschland verspeist werden, kommen an Ostern auf den Tisch. In der Regel erzeugt eine Ernährung mit Fleisch, Fisch und Milchprodukten aber einen höheren CO2-Fußabdruck als eine pflanzliche Ernährung. Dabei funktionieren viele Osterrezepte auch vegan. Im Hefezopf kann man die Butter durch vegane Margarine ersetzen, die Milch durch Hafer- oder Sojamilch.

In Kuchen und Gebäck lassen sich Eier etwa durch Apfelmus oder mit Wasser vermischte und geschrotete Leinsamen ersetzen. Wer an Karfreitag nicht auf Fisch verzichten will, dem empfiehlt die Umweltorganisation WWF Karpfen oder Bachforelle – also Fische, die noch nicht völlig überfischt sind, und aus heimischen Gewässern stammen. Und „Schnitzel“ und der „Lammbraten“ schmecken zum Beispiel auch gut, wenn sie aus Soja oder Seitan hergestellt sind.

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Info: Osterfeuer möglichst klein halten

Umweltbelastung
Meist werden Osterfeuer in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag entzündet, in einigen Gegenden erst am Ostersonntag. Umweltfreundlich sind solche Osterfeuer eher nicht. Selbst bei sachgemäßer Durchführung entstehen laut Umweltbundesamt „eine Vielzahl von Schadstoffen wie Ruß, (Fein-)stäube und verschiedene Gase, die in die umgebende Atmosphäre und durch Inhalation auch in den menschlichen Körper gelangen“.

Tipps
Laura Spengler vom Umweltbundesamt gibt dennoch zwei Tipps für Osterfeuer: „Lieber klein und fein, statt groß und heiß. Und nur trockenes und unbehandeltes Holz verwenden, keine Gartenabfälle.“ Und man sollte keines bei starkem Wind oder bei Trockenheit entzünden.

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