Seit der Stilllegung der Schwarzwaldbahn-Trasse zwischen Weil der Stadt und Calw verfallen die Gleisanlagen. Mit dem Bau der Hermann-Hesse-Bahn kommt wieder Bewegung auf die Strecke.

Weil der Stadt - Wer durchs Steckental zwischen Weil der Stadt und Schafhausen wandert, blickt immer wieder auf Gleise. Eingebettet in die Landschaft verwittern die Schwellen. Um das brüchige Holz und zwischen den Steinen und Gleisen sprießen Gräser und Sträucher. Die Natur gewinnt die Oberhand über die Trasse, über die seit mehr als 30 Jahren kein Zug mehr gefahren ist. 1988 wurde der Güterverkehr nach einem Erdrutsch am Forsttunnel bei Althengstett eingestellt. Fünf Jahre zuvor rollte der letzte Personenzug über die idyllische Strecke.

 

Besagtes Jahr 1988 ist auch das Erscheinungsjahr des Allgäuer Films „Wallers letzter Gang“, der ebenfalls von einer alten Bahntrasse handelt. Wer den Trailer auf Youtube anklickt, begleitet den ehemaligen Streckengeher knapp drei Minuten auf seinem Abschiedsmarsch über die Schwellen. Ein Leben lang hat Waller, gespielt von Rolf Illig, die Strecke in Schuss gehalten. Im Ruhestand zieht es ihn noch einmal zurück auf die Gleise, wo er die Stationen seines Lebens durchlebt.

Spaziergang auf dem Forstweg

Etwas länger als die Filmausschnitte ist die Wanderung vom ehemaligen Bahnübergang der Keplerstadt, wo vor ein paar Wochen der Brückenschlag für die Zugstrecke über die Südumfahrung erfolgt ist, bis nach Schafhausen. Jetzt ist der Spaziergang nur mehr auf dem Forstweg neben den Gleisen möglich, denn es ist lebensgefährlich, den Baustellenfahrzeugen auf den Schienen in die Quere zu kommen.

Wer sich auf dem Weg umdreht, blickt auf die Altstadt von Weil der Stadt. Dominant ragt die Stadtkirche St. Peter & Paul über die ehemalige Reichsstadt. Bis zum Entschluss zur Reaktivierung der Strecke für die Hesse-Bahn, liefen Sonntagsausflügler, Familien und sogar die Ziegen von Krüger-Land in Grafenau auf ihrem Weg zur Landschaftsschutzpflege auf den Gleisen. „Als Verein Württembergische Schwarzwaldbahn Calw–Weil der Stadt haben wir auch Ausflüge über die Schienen gemacht“, sagt Roland Esken, Vorsitzer des Vereins. „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Obwohl die Strecke immer eine gewidmete Bahnstrecke gewesen sei und somit das Betreten verboten.

Der Gang auf den Schienen ist endgültig vorbei, denn es kommt Leben auf die Bahnstrecke zurück. Rund 40 Minuten wandert man durchs Steckental, so heißt das Waldstück, das eigentlich gar kein Tal ist. Die Tour ist für Wanderer wohl auch weit weniger dramatisch als im Kultfilm „Wallers letzter Gang“ von Christian Wagner dargestellt. Doch den ein oder anderen überkommt beim Blick auf die Schienen vielleicht so etwas wie Nostalgie. Erinnerungen an vergangene Wanderungen: von Schwelle zu Schwelle, immer entlang der stillgelegten Trasse, geschützt vom Bahndamm links und rechts.

Kurz vor Schafhausen passiert der Wanderweg, der hier fast parallel zur Bahnstrecke verläuft, eines der ehemaligen Bahnwärterhäuser. „Ursprünglich waren sie alle nach dem gleichen Bauplan gebaut und rund 80 Quadratmeter groß“, weiß der Experte Roland Esken. Anbauten sorgten für mehr Platz und so wie der Bahnhof in Schafhausen sind auch die Häuschen in Privatbesitz und meist bewohnt.

Die Straße, die von Schafhausen nach Ostelsheim führt, kommt in Sicht. Hier liegen die Ausläufer der Bahnschleife um den Hacksberg. Um die sogenannte Hacksbergschleife abzukürzen, werden eine 820 Meter lange neue Strecke, sowie ein 498 Meter langer Tunnel gebaut. Das spart Fahrzeit und mehr als zwei Kilometer Wegstrecke. Zwischen dem Hacksberg und Ostelsheim erfolgt der Ausbau zweigleisig. Auf dem knapp zwei Kilometer langen Stück können sich die Züge der Hermann-Hesse-Bahn somit auf der sonst eingleisigen Strecke begegnen.

Inzwischen rollen hier die Baufahrzeuge und durch das angrenzende Naturschutzgebiet hallen die Geräusche von den Gleisarbeiten. An der Strecke stapeln sich die alten herausgerissenen Bahnschwellen, die immer noch einen leicht teerigen Geruch verströmen. Zwar dauert es noch, bis die ersten Wagen der künftigen Hermann-Hesse-Bahn durchs Tal rollen, doch das Flair der alten, einst aufgegebenen Trasse geht mehr und mehr verloren und existiert bald nur noch in der Erinnerung.

Mehr zum Verein Württembergische Schwarzwaldbahn Calw–Weil der Stadt (WSB) und seinem Museum gibt es unter http://wsb-calw.de. Der Verein verfolgt, was auf der Trasse der ehemaligen Schwarzwaldbahn passiert und erhält historische Anlagen wie Stellwerke.