Eine Liebeserklärung Ti amo, Cannstatter Volksfest!

Die Königin der Fahrgeschäfte, das Riesenrad, soll in der City aufgestellt werden. Foto: dpa
Die Königin der Fahrgeschäfte, das Riesenrad, soll in der City aufgestellt werden. Foto: dpa

Zum zweiten Mal hintereinander fällt das Cannstatter Volksfest am Wasen aus. Zeit, daran zu erinnern, warum dieser Ort mehr ist als ein Corona-Testzentrum und ein Tummelplatz für Wirrköpfe.

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StuttgartCannstatter Wasen, im späten April 2021. Normalerweise würden auf dem Festgelände jetzt bunte Lichter blinken. Durch die Luft würde der unverkennbare Soundtrack wehen, eine Mischung aus dem Lärm der Fahrgeschäfte, dem Gekreische der Besucher:innen und das „jetzt geht es wieder rundundundund“, der Anheizer:innen von „Breakdance“ und Co.

Doch auch 2021 fällt das Frühlingsfest wegen der Corona-Pandemie aus. Die Festwiese bleibt grau. Bunt wird es nur, wenn komische Menschen ohne Masken gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung protestieren.

Apropos: In den letzten Jahren haben mir "Lederhosen-Buam" und "Dirndl-Damen" mit ihren importierten Pseudo-Traditionen und ihrer geborgten guten Laune den Wasen gründlich vergällt. Sie haben dafür gesorgt, dass der Wasen der uncoolste Platz in ganz Stuttgart wurde. Dabei habe ich ihn von frühester Kindheit an geliebt.

Revolution und Geisterschlange

Als kleiner Junge habe ich einfach die Farben, Lichter, Geräusche und Gerüche in mich aufgesaugt. Eine ganze neue Welt tauchte in den trashigen Airbrushbildern der Fahrgeschäfte auf. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich ein Volksfest sehe, höre, rieche. Besonders angetan haben es mir bis heute die Geisterbahnen. Das mitten im Herzen der fröhlichen Parallelwelt das Grauen lauert, hat mich total fasziniert. Die beweglichen Figuren an der Fassade der „Geisterschlange“ oder „Geister-Hexen-Vampire“ konnte ich ewig betrachten, reingetraut habe ich mich aber nie. Wenn doch, habe ich nach dem ersten Geist die Augen zugemacht.

Dann kam eine zweite Phase, so mit zwölf bis 15 Jahren, als ich mich mit Freunden, Cousins und Cousinnen auf alle Fahrgeschäfte gestürzt habe, von „Revolution“ bis „Circus, Circus“, nichts war mir zu wild. Heute wird mir schon schlecht, wenn ich nur daran denke. Wir waren pro Festsaison natürlich nicht nur einmal auf dem Rummelplatz (was für ein schönes Wort!). Ich hätte, ohne nachzudenken, einen Plan zeichnen können, wo welches Karussell und wo welche Bude steht.

Später kam dann eine Zeit, in der ich die Bierzelte entdeckt habe, die früher nur Platzverschwendung für mich waren. Eine Freundin von mir hat damals als Kellnerin gearbeitet und uns billigeres Bier ausgegeben (Namen werden nicht verraten!). Das war übrigens noch vor dem Lederhosen- und Dirndl-Zwang. Seit der sich etabliert hat, habe ich den Wasen vor allem am Abend gemieden. Nachmittags über das Gelände zu schlendern, habe ich mir aber nie nehmen lassen, ob alleine, mit Freunden oder mit Kindern von Freunden.

Ein Mini-Wasen in der City

Noch im April hieß es: „Wir alle bleiben voller Hoffnung, dass mit der zunehmenden Impf- und Testoffensive das Cannstatter Volksfest stattfinden kann“. Nun ist die Entscheidung für eine Light-Version in der Stuttgarter Innenstadt gefallen. Schausteller und Marktkaufleute sollen sich von Juli bis September mit Ständen und Fahrgeschäften in der City präsentieren. Die Königin der Fahrgeschäfte, das Riesenrad, wird zur Chefsache und soll, wenn es nach OB Nopper geht, an einem prominenten Platz aufgestellt werden. Wenn das nicht gute Nachrichten sind!




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