Einigung über Sparprogramm Daimler-Betriebsrat: „Kündigungen bleiben ausgeschlossen“

Von Yannik Buhl 

Der Autobauer Daimler hat sich mit dem Betriebsrat über stärkere Sparmaßnahmen geeinigt. Unter anderem wird die Arbeitszeit um rund sechs Prozent gesenkt – und die Ergebnisbeteiligung 2020 gestrichen.

Daimler muss wegen der Corona-Krise stärker sparen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Daimler muss wegen der Corona-Krise stärker sparen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Stuttgarter Autobauer Daimler verzichtet vorerst auf betriebsbedingte Kündigungen. Das Unternehmen hat sich mit dem Betriebsrat auf drei Maßnahmen geeinigt, mithilfe derer weiter Personalkosten gespart werden sollen. Zunächst wird in den sogenannten indirekten Bereichen – dazu gehören zum Beispiel Verwaltung, Logistik, Instandhaltung sowie Forschung und Entwicklung – die Arbeitszeit um 5,71 Prozent gesenkt.

Außerdem wird das tarifliche Zusatzgeld 2021 für alle Beschäftigten verpflichtend in bezahlte freie Tage umgewandelt und es gibt für 2020 keine Ergebnisbeteiligung. Die Vereinbarung gilt zunächst vom 1. Oktober 2020 bis 31. September 2021.

Beschäftigungssicherung bleibt bestehen

„Niemand soll sich existenzielle Sorgen machen“, sagte Daimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht unserer Zeitung. Das sei dem Betriebsrat vor der Sommerpause wichtig gewesen. „Es waren sehr emotionsgeladene Verhandlungen, aber wir haben für die Beschäftigten Regelungen gefunden, die sehr überschaubar sind“, sagte Brecht. Die bestehende Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 bleibt damit unangetastet.

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Durch die Maßnahmen spare das Unternehmen einmalig 400 bis 450 Millionen Euro, sagte Brecht. Die Personalkosten, die durch die geringere Arbeitszeit und die zusätzlichen freien Tage eingespart würden, entsprächen rund 9000 Beschäftigen.

„Wir danken der Belegschaft für ihren wichtigen zeitlich befristeten Beitrag, um diese Krise gemeinsam zu bewältigen“, sagte Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth. Über die Vereinbarung hinaus gelte es, „weiterhin miteinander die langfristigen strukturellen Themen anzupacken und zu lösen“. Nur so gelänge es, gestärkt aus der Krise zu kommen und die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze zu sichern, erklärte Porth.

Corona hat den Druck erhöht

„Die am 23. Juli 2020 veröffentlichten Ergebnisse des zweiten Quartals haben es erneut verdeutlicht, dass wir weiter alle Stellhebel nutzen müssen, um die erforderlichen Mittel für die Transformation bereitstellen zu können“, schreibt Daimler in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hätten diesen Druck noch erhöht. Die nun getroffenen Maßnahmen seien Eckpunkte für die Beschäftigungssicherung und die Erhöhung Wirtschaftlichkeit.

Daimler war wie die gesamte Autoindustrie durch die Coronavirus-Pandemie und den dadurch ausgelösten Einbruch der Nachfrage nach Autos noch stärker in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten als ohnehin schon. Daimler-Chef Ola Källenius hatte deshalb angekündigt, dass das bereits 2019 beschlossene Sparprogramm noch einmal deutlich verschärft werden müsse. Von insgesamt bis zu zwei Milliarden Euro bis 2025 alleine bei den Personalkosten war die Rede.

Die nun beschlossenen Eckpunkte werden laut Daimler nun über die Sommerpause gemeinsam mit dem Betriebsrat weiter konkretisiert. Zu dem Paket gehört etwa auch ein umfassendes Qualifizierungsprogramm, das die Digitalkompetenzen der Mitarbeiter verbessern soll.

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