Endlager in Baden-Württemberg Spannung vor Bericht zu Atommüll-Standorten

Das Atomare Zwischenlager (vorn), sowie das ehemalige Erkundungsbergwerk Gorleben (Luftaufnahme aus einem Flugzeug). Foto: dpa/Philipp Schulze
Das Atomare Zwischenlager (vorn), sowie das ehemalige Erkundungsbergwerk Gorleben (Luftaufnahme aus einem Flugzeug). Foto: dpa/Philipp Schulze

Ein Endlager soll alle hoch radioaktiven Abfälle aufnehmen, die bis zum Vollzug des Atomausstiegs Ende 2022 angefallen sein werden. Wo es liegen wird, ist ungewiss. Ende September werden erstmals Namen genannt. Auch Baden-Württemberg dürfte dann auf der Liste stehen.

Stuttgart - Die Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll nimmt an Fahrt auf. Wenn am kommenden Montag (28. September) in einem Zwischenbericht mögliche Gebiete für solch ein umstrittenes Depot genannt werden, dann sichten Politik, Umweltschützer und Bürgerinitiativen die erwartbar lange Liste der Regionen mit Spannung. Denn ein Endlager ist zwar notwendig - nur möchte es niemand vor der Haustüre haben. Und welche Regionen in die nähere Auswahl kommen könnten und warum, da hüllt sich die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bislang in Schweigen.

Sie hatte einen bundesweiten Zwischenbericht zu möglichen Atommüll-Standorten bis Ende des Monats angekündigt. Die BGE forscht seit 2017 nach einem Endlagerstandort für hoch radioaktiven Abfall und prüft zunächst geologische Gegebenheiten.

Untersteller wirbt für besonnene Debatte

Konkrete Gebiete seien vorab nicht bekannt geworden, sagte Fritz Mielert, Referent für Umweltschutz beim baden-württembergischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), am Dienstag in Stuttgart. „Das ist ein Blick in die Glaskugel. Was wir erwarten ist ein umfangreicher Bericht mit Daten, Methoden und Sekundärdokumenten.“ Es werde „so eine Art Wundertüte“ geöffnet, denn Transparenz sei nicht gegeben. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass auch Gebiete in Baden-Württemberg im Bericht genannt würden.

Vor der Bekanntgabe des Berichts wirbt Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) zwar für eine besonnene Debatte. Er rechne allerdings mit einer „gewissen Aufregung“, sagte er der dpa. „Das ist vollkommen nachvollziehbar, immerhin geht der Suchprozess damit in die nächste konkretere Phase.“ Der Bericht ist laut Untersteller allerdings noch keine Vor-Festlegung auf ein Bundesland, eine Region oder gar einen Standort. Jetzt müssten sich alle Beteiligten an das vereinbarte transparente und streng wissenschaftliche Verfahren halten. „Wir haben nur diese eine Chance, die Endlagerproblematik zu lösen - die dürfen wir nicht verspielen“, sagte der Minister.

„Geologie vor Geografie“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) plädiert weiterhin für die Haltung „Geologie vor Geografie“. Das bestmögliche Gestein muss laut einem Regierungssprecher nach fachlichen Kriterien genommen werden und es dürfe nicht von der Frage abhängen, ob es geografisch in den Kram passe.

Dagegen hatte die bayerische Landesregierung zuletzt für Aufsehen gesorgt, weil sie das Verfahren grundsätzlich infrage stellte. „Dieser Prozess wird über Jahrzehnte in Deutschland für Unruhe sorgen und Milliarden kosten“, hatte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dem „Spiegel“ gesagt. Mit Gorleben in Niedersachsen gebe es bereits einen gut erkundeten Standort für ein sicheres und fast schlüsselfertiges Endlager. Mit der generellen Kritik geht Glauber über die Position im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wähler hinaus. Dort heißt es nur: „Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist.“

Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen hartnäckigen Widerstands gegen den Ende der 1970er Jahre ins Auge gefassten Standort im niedersächsischen Gorleben auf Beschluss von Union, SPD und Grünen gestartet worden. Laut Standortsuchgesetz soll die Suche 2031 mit einer Entscheidung enden.

Prinzip der „weißen Landkarte“

In dem Verfahren gilt offiziell das Prinzip der „weißen Landkarte“ - erst mal kommt jeder Ort in Frage, nach festgelegten Kriterien werden dann nach und nach Orte ausgeschlossen. Damit aber Regionen für die Lagerung des hochradioaktiven Abfalls geprüft werden können, müssen sie Mindestanforderungen erfüllen. Dazu gehört die geringe Durchlässigkeit des Gesteins. Außerdem muss die Gesteinsschicht mindestens 100 Meter dick sein. Der Bereich für ein Endlager darf nicht mehr als 300 Meter unter der Erdoberfläche liegen. Und als ungeeignet gelten zudem Regionen, an denen vulkanische Aktivität erwartet wird, sowie Gebiete, deren Untergrund beschädigt oder gefährdet ist.

Granit, Steinsalz und auch Ton kommen nach heutigem Erkenntnisstand für die unterirdische Lagerung infrage. In Deutschland gab es bislang eine Präferenz für Salzgestein - das Standortauswahlgesetz fordert nun aber einen ergebnisoffenen Vergleich der drei Gesteinsarten mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen.

Salzgestein ist nördlich der Mittelgebirge zu finden, Tongestein überwiegend in Norddeutschland sowie im Grenzgebiet zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Der baden-württembergische BUND geht davon aus, dass der sogenannte Opalinuston auf jeden Fall im Bericht vorkommen wird. Seine Schicht zieht sich aus Zürich kommend unter der Schwäbischen Alb bis nach Ulm.

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