Energieeffizienz auf der Ifa Fernseher soll kein Klimakiller sein

Große Schirme stehen nicht automatisch für hohen Energieverbrauch. Foto: dpa 8 Bilder
Große Schirme stehen nicht automatisch für hohen Energieverbrauch. Foto: dpa

Morgen startet die Ifa: Noch immer sind viele elektrische Geräte echte Stromfresser - ein Siegel soll Verbrauchern nun beim Kauf helfen.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)
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Berlin - Immer größer, immer leistungsfähiger. Seit Jahren sind Flachbildfernseher der Verkaufsschlager der Elektronikbranche. Rund zehn Millionen Stück sollen dieses Jahr allein in Deutschland verkauft werden. Auf der Berliner Funkausstellung sind Fernseher der neuesten Generation traditionell eine der Attraktionen. Leider sind viele Glotzen größere Stromschlucker, als die meisten Käufer ahnen. Manch älteres Gerät zieht bis zu 600 Watt Leistung aus der Steckdose. Bei fünf Stunden Fernsehkonsum pro Tag, zehn Jahren Lebensdauer und hohen Strompreisen kommen im Extremfall Energiekosten von über 2000 Euro zusammen.

Doch es gibt gute Nachrichten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat zur Ifa den Stromverbrauch von Fernsehern analysiert. Das schöne Ergebnis: in den letzten zwei Jahren hat sich der durchschnittliche jährliche Stromverbrauch fast halbiert. Noch 2009 schluckte ein TV-Gerät im Schnitt 214 Kilowattstunden (kWh) im Jahr, aktuell sind es nur noch 124 kWh. Die Industrie hat also für Verbesserungen gesorgt - allerdings nicht ganz freiwillig.

Denn spätestens zum Jahreswechsel müssen nun auch Fernsehgeräte ein Energielabel tragen. Energiefresser könnten also rasch zum Ladenhüter werden. Die Industrie hat zwar die Einführung des Labels durch ihre Lobbyisten in Brüssel viele Jahre verzögert, allein die Ankündigung führte aber offenbar schon zur Entwicklung effizienterer Modelle.

Energieeffizienz wird als Kaufargument immer wichtiger

Die Erfolge sind beeindruckend. Die Stiftung Warentest attestierte kürzlich auch TV-Geräten hohe Bildqualität. Das ist nicht selbstverständlich. Denn die geringere Leistungsaufnahme kann auf Kosten der Optik gehen. Doch die Siegermodelle präsentieren sich, so die Tester, "schon recht sparsam". Nur noch 41 Watt zieht ein Fernseher mit 66 Zentimeter Bildschirmdiagonale, 63 Watt ein Gerät mit 94er Diagonale und 85 Watt ein 102-Zentimeter-Gerät.

Die Siegermodelle von Sony und Samsung brauchten im Test nur noch halb so viel Energie wie die schlechteste Konkurrenz und sparten pro Jahr damit locker 30 Euro Stromkosten. Zusätzlich setzen die Hersteller intelligente Helligkeitssteuerungen ein und Strom sparende Leuchtdioden (LED) zur Hintergrundbeleuchtung der Schirme. Die Technik wird immer ausgereifter, weil die Industrie erkannt hat, dass Energieeffizienz als Kaufargument immer wichtiger wird.

Die neue BUND-Studie zeigt allerdings auch, dass der Trend zu immer größeren Fernsehern und zum Zweit- und Drittgerät die Einspareffekte aufzehrt. "Einerseits registrieren wir einen Wettbewerb um Strom sparende Geräte. Andererseits werben die Hersteller für den Kauf riesiger Flachbildfernseher, die in den meisten Wohnungen überdimensioniert sind. Das läuft dem durchaus vorhandenen Willen zum Stromsparen zuwider", kritisiert BUND-Energieexpertin Irmela Benz. Jedes zweite verkaufte Gerät habe bereits Bilddiagonalen von über einem Meter. Das sei auch für den Klimaschutz kontraproduktiv.

Viel zu tun bleipt in der Computerbranche

Auch das Ökoinstitut hat sich zur Ifa mit der Konsumtechnik beschäftigt. Die Experten raten, Geräte mit Umweltzeichen wie dem Blauen Engel zu kaufen. Solche DVD-Rekorder und -Player sowie Blu-ray-Player sparen demnach 60 bis 75 Prozent Energie. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts, das derzeit Kriterien zur Bewertung klimarelevanter Produkte und Dienstleistungen erarbeitet. Geräte, die den Anforderungen des Blauen Engels mit dem Zusatz "Schützt das Klima" genügen, haben viele Vorteile gegenüber konventionellen Geräten. So schalten Rekorder, die den ganzen Tag am Stromnetz hängen, automatisch vom Schnellstartmodus in den Stand-by-Modus, wenn das Gerät für einige Zeit nicht genutzt wird. Das spart Strom und auch Geld. "Wenn viele Menschen ein effizientes Gerät kaufen, tun sie in der Summe aktiv etwas für den Umwelt- und Klimaschutz", sagt Siddharth Prakash vom Ökoinstitut.

Viel zu tun bleibt auch noch in der Computerbranche. In deutschen Büros und Arbeitszimmern stehen derzeit 26,5 Millionen PCs und andere Rechner. 2020 werden es laut Branchenverband Bitkom sogar schon 37,5 Millionen sein. Schon heute verbrauchen diese Geräte zusammen so viel Strom, wie ein ganzes Atomkraftwerk produziert. Es könnte viel weniger sein. Denn nur jeder zweite Computer am Arbeitsplatz ist heute Energie sparend, wie Bitkom kürzlich einräumte.

Als Lösung gelten neue schlanke Rechner, die einfacher ausgestattet sind als herkömmliche PCs. Dadurch sind sie in der Anschaffung billiger und brauchen weniger Energie. So sinken Betriebs- und Wartungskosten. Die Anschaffung solcher Geräte, die bis jetzt nur acht Prozent des Bestands ausmachen, kann sich schon schnell in barer Münze auszahlen.

Auch die Computerindustrie wird künftig effizientere Geräte produzieren müssen. Denn es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das Energielabel auch für diese Branche vorgeschrieben sein wird. Bis 2020 soll der durchschnittliche Verbrauch von Rechnern am Arbeitsplatz von derzeit 500 auf 200 Kilowattstunden pro Jahr sinken. Bitkom hat dazu mit der Bundesregierung und dem Umweltbundesamt einen Aktionsplan für mehr "grüne IT" vereinbart. Im besten Fall könnten so bis 2020 rund 30 Terawattstunden Primärenergie, Stromkosten von 2,8 Milliarden Euro, CO2-Emissionen von 5,5 Millionen Tonnen und Computermaterial von fast 250 000 Tonnen vermieden werden. Dazu müssten aber alle geplanten Maßnahmen auch wirklich umgesetzt werden.




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