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England Schaurig schön

Ein spiritueller und sagenumwobener Ort: Stonehenge. Foto: Pompe/Look-Foto
Ein spiritueller und sagenumwobener Ort: Stonehenge. Foto: Pompe/Look-Foto

Eine Reise zu Edward II., zu kopflosen Reitern, rätselhaften Steinkreisen – und zu einer Quelle.

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In Englands Südwesten ist der Teufel los. Eine Reise zum ruhelosen Edward II., zu kopflosen Reitern, rätselhaften Steinkreisen – und zu einer göttlichen Quelle, die selbst Lepra heilen soll. Oder auch nicht.

Das Spuckschloss
Im Rittersaal riecht es nach modrigem Holz und altem Eisen. Unter den Sohlen knackt der Holzboden, an den Wänden hängen düstere Öl-Porträts. "Hier spukt die ruhelose Seele unseres letzten Hofnarren", sagt der Hausherr beim Rundgang durch Schloss Berkeley in der Grafschaft Gloucestershire. Dicky Pearce hieß dieser Narr, der Berater des damaligen Earls gewesen sein soll. In einer eisigen Nacht im Jahr 1727 brach ihm sein beißender Spott das Genick. "Ein Gast, der seinen Witz nicht verstand, schubste den Gaukler heimtückisch von der Galerie. So starb Pearce wie alle unsere Geister eines unnatürlichen Todes", erzählt Charles Berkeley. In der Kammer über dem Torbogen haucht die weiße Lady Schlafenden ihren eisigen Atem ein. "Selbst Prinz Charles verschonte sie nicht, als der hier einmal nächtigte. Am nächsten Tag reiste er überstürzt mit ungesunder Blässe im Gesicht ab", erzählt Berkeley, als rede er von einer etwas schrulligen Tante.

In der folterkammerähnlichen Burgküche hängen schwere Eisenspieße säuberlich aufgereiht an der Wand, darauf drehten einst komplette Rinder über der Glut. Mit einem dieser Spieße soll 1327 König Edward II. bestialisch gemeuchelt worden sein. Die Todesschreie des von seiner Ex-Gattin Isabella von Frankreich gestürzten Königs hat man angeblich sogar im 27 Kilometer entfernten Bristol gehört. "Und noch heute hört man seinen Schrei", beteuert Charles Berkeley. Wir lauschen gespannt – vernehmen aber nur eine dezent röchelnde Heizung. Gleichwohl steht für den Hausherr, der aus einer bürgerlichen Nebenlinie des letzten kinderlos verstorbenen Barons stammt, fest: "Ich wohne mit meiner Familie lieber im nahen Dorf." Nein, natürlich nicht wegen des größeren Komforts! "Wegen der Geister!"

 

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