Die Technik berge enorme Potenziale, finden vier Verbände – und fordern mehr Mittel und bessere Bedingungen für Erkundungen und Nutzung. Auch in Baden-Württemberg könnte die tiefe Geothermie für die Wärmewende eine wichtige Rolle spielen.

Mehr Unterstützung und bessere Rahmenbedingungen für Geothermie – das fordern vier Verbände aus dem Bereich Erneuerbare Energien. Die Ukraine-Krise habe die Abhängigkeit von fossilen Energien gerade im Wärmebereich aufgezeigt, sagte Sandra Rosteck vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Dabei läge unter der Erde „ein unterschätzter Schatz, den es zu heben gilt“.

 

Die tiefe Geothermie berge großes Potenzial für die Wärmeversorgung. Bis 2030 soll der Anteil der Erneuerbaren im Wärmebereich von derzeit etwas mehr als 16 Prozent auf 50 Prozent steigen. In Deutschland sind laut Bundesverband Geothermie bislang 42 Anlagen mit Tiefengeothermie in Betrieb, in Baden-Württemberg haben drei eine Betriebsgenehmigung, zehn sind gegenwärtig in Planung und eine wird gerade gebaut.

Keine konkreten Ausbaupfade für Geothermie im Land

Auch die Landesregierung in Stuttgart sieht gute Potenziale in der tiefen Geothermie, man stehe bei der Nutzung im Land aber noch am Anfang. Die tiefe Geothermie könne einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz, zur Versorgungssicherheit und zur Wärmewende leisten, sagte Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne).

Bereits im März 2020 hatte das Kabinett eine Road Map zur Unterstützung der Umsetzung von Projekten der tiefen Geothermie in Baden-Württemberg beschlossen, im Zuge dessen zum Beispiel Informationsveranstaltungen durchgeführt wurden. Auch die Task Force zum Ausbau Erneuerbarer Energien soll die tiefe Geothermie laut Landesumweltministerium mit in den Blick nehmen. Konkrete Ausbaupfade könne man demnach allerdings nicht seriös angeben.

FDP im Landtag sieht Potenziale nicht gehoben

Der klimaschutzpolitische Sprecher der FDP im Landtag, Daniel Karrais, sieht in der Geothermie ebenfalls „einen riesigen Schatz“. Die baden-württembergische Landesregierung habe es allerdings bis heute verpasst, diesen Schatz zu heben, kritisierte er. Bei der Geothermie habe der Südwesten besonders im Oberrheingraben geografisch einen enormen Standortvorteil, auch nehme sie vergleichsweise wenig Fläche in Anspruch.

Angesichts von Vorbehalten in der Bevölkerung brauche es aber „mehr Aufklärung“ – hier lasse das Umweltministerium konkrete Aktionen vermissen,so Karrais. In der Vergangenheit war es nach Geothermiebohrungen teils zu Erdbeben gekommen.

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Um der Nutzung von Geothermie einen Schub zu verleihen, fordern der Bundesverband Geothermie, der Verband kommunaler Unternehmen, der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK sowie der Bundesverband Erneuerbare Energien in einem neuen, gemeinsamen Positionspapier politische Maßnahmen.

Angeführt werden unter anderem ein konsequenter Ausbau von Wärmenetzen, systematischere Erkundungen des Untergrunds, eine bessere finanzielle Absicherung der Investitionen gerade zu Beginn eines Projekts, beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine Stärkung der Akzeptanz vor Ort.