Ergebnisse der Corona-Studie Kinder sind nicht die Treiber der Infektion

Von red/dpa/lsw 

Bei der Grippe gelten Kinder mitunter als regelrechte Virenschleudern. Aber welche Rolle spielt der Nachwuchs bei der Verbreitung des Coronavirus? Forscher aus dem Land haben dazu neue Erkenntnisse.

Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm, sprach bei einer Regierungspressekonferenz über die Studie. Foto: dpa/Christoph Schmidt
Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm, sprach bei einer Regierungspressekonferenz über die Studie. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Stuttgart - Kinder sind einer Studie aus Baden-Württemberg zufolge nicht so häufig mit dem Coronavirus infiziert wie ihre Eltern. Das ist das Ergebnis einer großen Untersuchung von Unikliniken im Land, die am Dienstag in Stuttgart vorgestellt wurde. Kinder hätten sich demnach seltener angesteckt als ihre Eltern und seien auch nicht als Treiber dieser Infektion anzusehen, sagte Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Ulm.

Die vier Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm stehen hinter der Untersuchung. Für die Studie wurden 5000 Menschen, die keine Symptome hatten, auf das Virus und auf Antikörper getestet, darunter 2500 Kinder unter zehn Jahren und je ein Elternteil. Mit Blick auf die Fallzahlen sprach Debatin von einer der größten Studien weltweit.

Nur ein Elternteil-Kind-Paar infiziert

Im Untersuchungszeitraum von 22. April bis 15. Mai war aktuell nur ein Elternteil-Kind-Paar infiziert. 64 Getestete hatten Antikörper gebildet und weitgehend unbemerkt eine Corona-Infektion durchlaufen, was einer Häufigkeit von 1,3 Prozent entspricht. Darunter befanden sich 45 Erwachsene und 19 Kinder. Man sei demnach weit von einer Herdenimmunität entfernt, sagte Debatin. Kinder in Notbetreuung waren den Ergebnissen zufolge auch nicht häufiger infiziert als andere.

Man habe mit der Studie aber nicht untersucht, ob Kinder besonders infektiös sind, sagte Hans-Georg Kräusslich, Sprecher des Zentrums für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Man könne bei den positiv getesteten Eltern-Kind-Paaren keine grundsätzliche Aussage darüber treffen, wer wen angesteckt hat.

Studie stütze laut Kretschmann politische Entscheidungen

Die Rolle von Kindern bei der Verbreitung des Virus spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiedereröffnung von Kitas und Grundschulen im Land. Man stütze mit der Studie politische Entscheidungen auf die aktuellste wissenschaftliche Expertise, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Dank der schnellen Bereitstellung der Ergebnisse könnten die Kindertagesstätten und Grundschulen schon bald eine neue Phase starten. Die baden-württembergischen Unikliniken hätten einen wertvollen Baustein für die weltweite Forschung und den weiteren Erkenntnisgewinn geliefert, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne).

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) stellte am Dienstag Konzepte für die geplante Öffnung von Kitas und Grundschulen ab dem 29. Juni vor. Das Abstandsgebot wird dann fallen. Kinder aus einer Gruppe sollen sich aber in Kitas und auch in den Schulen nicht mit Kindern aus anderen Gruppen durchmischen.

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