Erinnerungen an eine Radiolegende Große Trauer um SWR-Moderator Thomas Schmidt

Von Uwe Bogen 

Die große Anteilnahme am Tod von Thomas Schmidt zeigt, wie beliebt der SWR-1-Moderator war. Zum Gedenken an die Radiolegende spielt der Sender am Freitag viel Musik und redet wenig. Hörer und Kollegen sind fassungslos.

So wurde er zur Radiolegende: Thomas Schmidt (links) 1989 mit Stefan Siller bei der Hörerhitparade Top Tausend X. Foto: Uli Kraufmann 10 Bilder
So wurde er zur Radiolegende: Thomas Schmidt (links) 1989 mit Stefan Siller bei der Hörerhitparade Top Tausend X. Foto: Uli Kraufmann

Stuttgart - „Unfassbar“, „unendlich traurig“, „viel zu früh“ – dies ist in Tausenden von Beileidsbekundungen in den sozialen Medien immer wieder zu lesen. Ein Fan etwa schreibt: „Ein Radio-Gott ist tot. Wir sind zusammen älter geworden. Seit 30 Jahren hat er aus seinen Sendungen ein Erlebnis gemacht. Für ihn hat man angeschaltet oder sich einfach gefreut, seine Stimme zu hören. Das war mehr als Radio. Viel mehr. Ein Freund ist gegangen.“ Ein anderer schlägt vor, dass die Sendung, die der beliebte Moderator aufgebaut hat, zu seinem Gedenken weiterhin „Schmidts Samstag“ heißen sollte.

Die SWR1 Programmchefin Carola Oldenkott erklärte: „Im Moment sind wir alle nur schockiert und können es nicht fassen. Für unsere Hörerinnen und Hörer sind wir ein Radioprogramm, aber SWR1 ist natürlich auch eine Familie, die sich seit Jahrzehnten kennt und in der auch viele Freundschaften entstanden sind. Wir sind unendlich traurig, dass ein guter Freund und Kollege gestorben ist.“

Er war ein Fan niederländischer Radioprogramme

Kollegen meldeten sich aus dem Urlaub, als sie am Donnerstagabend vom Tod des Moderators in unserer Zeitung gelesen hatten und sagten, dies könne doch nicht sein. In seinem Haus war Thomas Schmidt, der zuvor noch Urlaub im Allgäu gemacht hatte, zusammengebrochen. Die Todesursache steht noch nicht fest.

Im Frühjahr war der Moderator, der als „radioverrückt“ galt, lange Zeit nicht in seiner Sendung zu hören. Seine Fans machten sich Sorge, er könne krank sein. Thomas Schmidt war in Kur und kehrte gut erholt und mit neuem Tatendrang zurück.

In einem persönlichen Nachruf würdigt Wolfgang Heim, Schmidts Kollege seit 35 Jahren, den Verstorbenen: „Thomas konnte aus Musikmoderationen Kleinstkunstwerke machen. Den Titel ,Bello e Impossibile’ kündigte er an mit dem Satz: ,Gianna Nannini hat einen neuen Hund!’ Müsste man eine Hitparade machen der Besten und der Beliebtesten, der Freundlichsten und der Kreativsten und der Kollegialsten – Thomas wäre ganz weit vorne.“

Der Radioblogger Michael Louis schreibt: „Nach dem Interview für meine Homepage hatte ich mit Thomas Schmidt häufiger Kontakt. Er erzählte mir, dass er früher leidenschaftlicher Hörer des AFN gewesen sei und dass er schon seit vielen Jahren ein großer Freund niederländischer Hörfunkprogramme sei. ,Die können das. Das ist eine ganz andere Welt, nicht vergleichbar mit Radio in Deutschland’, meinte er. ,Die extrem lockere Art der Präsentation und der Umgang mit der Sendetechnik ist auch bei kleineren Sendern perfekt. Und die Musik-Rotation mit tausenden Songs führt einem vor Augen, wie viel gute Musik es gibt und wie wenig davon in Deutschland im Radio läuft.’“

„Bloß kein Stress, Thomas, im Himmel!“

Ein Hörer schreibt: „Ich bin unendlich traurig. Ich werde seine Witzigkeit, sein enormes Fachwissen, sowie seine ungemein beruhigende, angenehme Stimme sehr vermissen!“ Außerdem ist zu lesen: „Mein Gott haut das rein! War mit nicht bewusst, dass man um einen Menschen so trauern kann, den man persönlich nicht kannte. Da fehlt so viel die kommende Zeit. Auch für die Kollegen und Kolleginnen muss das unfassbar sein.“ Ein weiterer Facebook-Kommentar schickt ihm folgenden Wunsch nach oben: „Bloß kein Stress, Thomas, im Himmel!“

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