Esslingen Hängepartie für „Frauen helfen Frauen“

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Der Kreiszuschuss für die Vereine „Frauen helfen Frauen“ in Esslingen, auf den Fildern und in Kirchheim fließt weiter – es bleibt allerdings bei 31 000 Euro im Jahr.

Der  Plakatwettbewerb spiegelt den  Zwiespalt wider, in dem sich die Opfer häuslicher Gewalt befinden. Ein Zwiespalt, der auch  die Diskusson im Ausschuss durchzog.    Foto: Horst Rudel Foto:  
Der Plakatwettbewerb spiegelt den Zwiespalt wider, in dem sich die Opfer häuslicher Gewalt befinden. Ein Zwiespalt, der auch die Diskusson im Ausschuss durchzog. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Nebenan, im Foyer des Esslinger Landratsamts, sind die Siegerentwürfe des Plakatwettbewerbs ausgestellt, den die Runden Tische „Hilfen bei häuslicher Gewalt“ im Landkreis ausgeschrieben hatten. Am Samstag, 24. November, wird weltweit der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen. Zwischen lokaler Betroffenheit und internationaler Aufmerksamkeit hat sich der Sozialausschuss zu dem Thema „Frauen in Gewalt- und Krisensituationen positioniert. Irgendwo im Nirgendwo – irgendwo zwischen öffentlichkeitswirksamer Anerkennung einerseits und kassenwirksamer Zurückhaltung andererseits hat sich die Diskussion bewegt.

Die gute Nachricht: Die von den drei Vereinen „Frauen helfen Frauen“ im Landkreis Esslingen geleistete Beratung wird weiterhin mit 31 000 Euro aus der Kreiskasse unterstützt. Zudem ist der Ausschuss einmütig dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt, die im Jahr 2016 begonnene und bisher auf drei Jahre befristete Förderung in eine Dauerförderung münden zu lassen.

Die schlechte Nachricht: Die Vereine „Frauen helfen Frauen“, die diese übereinstimmig als wichtig empfundene Beratung in Esslingen, auf den Fildern und in Kirchheim anbieten, müssen sich noch ein weiteres Jahr lang andere Geldquellen erschließen, wenn sie die Beratung ausweiten, Tariferhöhungen ausgleichen oder aufgelaufene Defizite abfedern wollen.

Der Haushaltszug für das nächste Jahr ist abgefahren

Zwar hat die Ratsrunde eine zeitnahe Diskussion über die mögliche Erhöhung der Zuschüsse in der Kreisarbeitsgemeinschaft „Frauen helfen Frauen“ angemahnt, doch selbst, wenn die Runde zu dem Schluss kommt, die Arbeit von „Frauen helfen Frauen“ müsse mit mehr Geld unterstützt werden, ist der Zug für das kommende Jahr schon abgefahren.

Der weitergehende Antrag der Fraktion Die Linke, den Ansatz im Haushaltsplan des kommenden Jahres von 31 000 Euro auf 60 000 Euro nahezu zu verdoppeln, hat keine Mehrheit gefunden. Die Erhöhung hätte es den Vereinen ermöglicht, den gestiegenen Bedarf an Beratungsgesprächen für hilfesuchende Frauen zu decken, die Öffnungs- und Telefonbereitschaftszeiten auszubauen und die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren.

Die Notwendigkeit eines Ausbaus des Angebots lässt sich nach Einschätzung des Linken-Ausschusssprechers Reinhold Riedel schon allein aus der Statistik ableiten. „In den vergangenen vier Jahren haben sich die Fallzahlen der persönlichen Beratung im Kreis Esslingen auf 344 Fälle beinahe verdoppelt“, sagte er unter Berufung auf die Zahlen, die der Landkreis erhoben hat. Demnach wird vor allem das Angebot des Vereins in Esslingen immer stärker nachgefragt. Hatten sich im Jahr 2014 noch 89 Frauen hilfesuchend an „Frauen helfen Frauen“ gewandt, so waren es im Jahr 2017 schon 220 gewesen. „Und es geht letztlich auch um 400 Kinder, die betroffen sind“, legte Riedel nach.

„Landkreis nicht für Defizitausgleich zuständig“

Auch die SPD sieht Handlungsbedarf. „Die steigende Zahl von Frauen mit Migrationshintergrund bringt einen höheren Beratungsaufwand mit sich“, mutmaßte deren Ausschusssprecherin Solveig Hummel, die ebenfalls der Dynamisierung des Zuschusses das Wort redete. Während die Verwaltung auf eine Auswertung verwies, derzufolge die Mindeststandards wie Erreichbarkeit, Fristeinhaltung und Terminvergabe an allen Standorten erreicht wurde, sah die Grünen-Sprecherin Margarete Schick-Häberle keinen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. „Die Beratungsstelle in Esslingen arbeitet mit einem Defizit von 62 000 Euro. Das ist nicht in Ordnung“, sagte sie.

„Wenn bei einem Verein ein Defizit entsteht, gibt es keinen Automatismus, wonach der Landkreis das ausgleichen muss“, stellte der Esslinger Landrat, Heinz Eininger (CDU), gestützt von der Mehrheit im Ausschuss, lapidar fest.