Esslingen Offene Denkmale schlagen die Brücke nach Europa

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Am 9. September ist wieder Tag des offenen Denkmals. Allein in der Stadt Esslingen wird das 25-Jahr-Jubiläum mit 57 Programmpunkten gewürdigt. Auch im Landkreis öffnen viele Denkmale ihre Türen.

Von Geburt europäisch: Auch die  Esslinger Sektkellerei Kessler öffnet ihre Türen. Foto: Rudel
Von Geburt europäisch: Auch die Esslinger Sektkellerei Kessler öffnet ihre Türen. Foto: Rudel

Esslingen - Wenn es den Tag des offenen Denkmals nicht schon seit 25 Jahren gäbe – für eine geschichtsträchtige Stadt wie Esslingen müsste er erfunden werden. Nicht weniger als 57 Programmpunkte schlagen am Sonntag, 9. September, die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die an diesem Tag kostenlosen Stadt- und Objektrundgänge beschränken sich nicht nur auf Dauerbrenner wie die Führungen durch die Esslinger Kirchen, sondern geben auch neue Einblicke in die Industriegeschichte der Stadt oder lenken den Blick auf neuzeitliche Bauten, die sich harmonisch in die gewachsene Umgebung einfügen.

Im Landkreis Esslingen reicht die Bandbreite des Programms vom Stickereimuseum Wolfschlugen über die Aichwalder Dorfkirchen bis hin zum Schlössle nach Unterlenningen und zu den Kirchheimer Fachwerkhäusern.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat ihren Tag des offenen Denkmals unter das Motto „Entdecken, was uns verbindet“ gestellt. Und weil 2018 ohnehin zum Europäischen Jahr des Kulturerbes ausgerufen worden ist, fällt der Brückenschlag gerade in einer Stadt wie Esslingen nicht schwer. „Das Bild der europäischen Stadt gründet auf einem gemeinsamen Erfahrungsschatz. Die Verbindungslinien spannen sich vom Eiffelturm in Paris über den Tower in London bis hin zu den Esslinger Kirchen“, sagt Christine Keinath, bei der als Projektleiterin die Fäden des Esslinger Denkmaltags zusammenlaufen.

Identitätsstiftende Bedeutung

Auch für den Esslinger Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht ist das Leitbild der europäischen Stadt von identitätsstiftender Bedeutung für die Stadtkultur und -gesellschaft der Gegenwart. Andreas Panter, der Leiter des Baurechtsamts, sieht in den Esslinger Baudenkmalen den direkten Brückenschlag in die europäische Vergangenheit. Noch weiter geht Peter Hövelborn, der als ehemaliger oberster Denkmalschützer der Stadt den Denkmaltag von Beginn an begleitet. „Zuerst war Europa, dann erst konnte sich Esslingen entwickeln“, sagt er unter Hinweis auf die Geschichte der Stadt, die ihre wirtschaftliche Bedeutung der Lage an dem europäischen Handelsweg zwischen Flandern und Oberitalien verdankt. Und nicht einmal die älteste Sektkellerei Deutschlands gäbe es in Esslingen, wäre nicht ein gewisser Georg Christian von Kessler vor nun beinahe 200 Jahren in Frankreich hinter die Geheimnisse der Champagner-Produktion gekommen.

Allein in Esslingen haben rund 200 Ehrenamtliche die Gefache dieses Gedankengerüsts mit prickelnden Inhalten gefüllt – darunter natürlich auch eine Führung durch die mittelalterlichen Gewölbekeller der Sektkellerei. „Bei den Führungen geht es mehr als nur darum, die Vergangenheit und das Erbe begreifbar zu machen. Die Teilnehmer sollen sich die Monumente aneignen“, sagt Christine Keinath, die besonders stolz auf die fünf angebotenen Kinderführungen ist. Rechtzeitig zum Denkmaltag wird auch der von der Kinderbiennale erarbeitete Stadtführer herauskommen, bei dem sich alles um die Esslinger Türme dreht. „Da geht es nicht nur um Kirch- und Stadttürme, sondern auch um Moscheen und den Smart-Turm in Oberesslingen“, sagt Margit Bäurle, die Projektleiterin der Kinderbiennale.

Die Idee kommt aus Frankreich

Der Tag des offenen Denkmals gilt als die größte Kulturveranstaltung der Bundesrepublik. Am Sonntag, 9. September, öffnen sich bundesweit die Türen von mehr als 7500 Denkmalen. Der Tag ist am 12. September des Jahres 1993 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ins Leben gerufen worden, die das Programm seither koordiniert. Die Idee war schon neun Jahre zuvor in Frankreich geboren worden. Die 1994 vom damaligen Kulturminister Jack Lang erklärten „Tage der offenen Türen in denkmalgeschützten Bauwerken“ mündeten in die 1991 erstmals vom Europarat ausgerufenen European Heritage Days. Auf diesen Zug ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zwei Jahre später aufgesprungen.


Die Stadt Esslingen beherbergt eine Vielzahl von bauhistorischen Schätzen und Kulturdenkmalen. In 57 Führungen erschließt sich dieses kulturelle Erbe am 9. September einem breiten Publikum. Der Denkmaltag wird um 11 Uhr vom Oberbürgermeister Jürgen Zieger auf dem Esslinger Marktplatz eröffnet. Die Rundgänge starten um 11.30 Uhr. Kostenlose Karten gibt es von 10 Uhr an bei der Stadtmarketing & Tourismus Gesellschaft im Späth’schen Haus, Marktplatz 6.




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