Esslinger Architekturpläne Eine biedere und langweilige Stadtbücherei

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Der Respekt vor dem Denkmalschutz beschert der Esslinger Stadtbücherei für die geplante Erweiterung die denkbar unattraktivste Lösung.

Der Neubau soll sich unauffällig dem Stadtbild anpassen. Foto: Pressefoto H. Rudel
Der Neubau soll sich unauffällig dem Stadtbild anpassen. Foto: Pressefoto H. Rudel

Esslingen - Die Sanierung und Erweiterung der Stadtbücherei wird – nach dem Kultur- und Kongresszentrum Neckar Forum – das zweitteuerste Bauprojekt in der jüngeren Esslinger Stadtgeschichte werden. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den dazu ausgelobten Wettbewerb. Man hoffte auf einen großen Wurf, ein architektonisches Ausrufezeichen. Einige der 21 eingereichten Arbeiten hätten – nach entsprechender Überarbeitung – durchaus das Zeug dazu gehabt, Modernität und Historie auf eindrucksvolle Art miteinander in Einklang zu bringen. Doch der Jury fehlte offensichtlich der Mut, auf eine zukunftsweisende Architektur im historischen Umfeld zu setzen.

Es muss nicht siebenstöckig sein

Es hätte ja nicht unbedingt der siebenstöckige, an die Elbphilharmonie erinnernde Entwurf eines Hamburger Architekten sein müssen. Aber dass sich die Fachleute, Stadträte und fachkundigen Mitbürger ausgerechnet für den unspektakulärsten, biedersten und optisch langweiligsten Wettbewerbsbeitrag entschieden haben, zeigt einmal mehr das ganze Ausmaß des Esslinger Dilemmas in Sachen zeitgemäßer Innenstadtentwicklung.

In vorauseilendem Gehorsam

Denn bekanntlich geht in der historischen Altstadt nichts ohne den Denkmalschutz. Dessen Vertreter setzen den Bemühungen, die Stadt nicht zum historischen Schmuckkästchen verkommen zu lassen, immer wieder enge Grenzen. Diese haben sich mittlerweile offensichtlich schon so sehr in den Köpfen aller Verantwortlichen festgesetzt, dass jedes Experiment in voraus eilendem Gehorsam von Anfang an aussortiert wird. Bloß nicht anecken, bloß nicht auffallen, so lautet die Devise. Was bleibt, ist eine vertane Chance – und die Hoffnung, dass es den Verantwortlichen zumindest gelingen möge, die wenig fantasievolle Hülle mit vielen fantasievollen Ideen für eine Bücherei des 21. Jahrhunderts zu füllen.