Esslinger Architekturwettbewerb Eine Bücherei, die sich ins Stadtbild fügt

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Der Architekturwettbewerb zur Sanierung und Erweiterung der Esslinger Stadtbibliothek ist entschieden – doch der Entwurf wird auch Diskussionen auslösen.

Von der Burg aus betrachtet, ist der Neubau (Bildmitte) kaum zu erkennen. Foto: Büro AGN 7 Bilder
Von der Burg aus betrachtet, ist der Neubau (Bildmitte) kaum zu erkennen. Foto: Büro AGN

Esslingen - Das hat der Jury offensichtlich gut gefallen: Der eigene Entwurf, so erklären die beim Wettbewerb zur Modernisierung der Esslinger Stadtbücherei siegreichen Architekten des Büros AGN aus Düsseldorf, „begegnet der sensiblen denkmalgeschützten Situation mit Rücksicht und Respekt“.

In der Tat ist die Arbeit, für die sich die Jury nach einer zwölfstündigen Sitzung am Donnerstag einstimmig ausgesprochen hat, die mit Abstand unspektakulärste Variante für die geplante Sanierung und Erweiterung der Esslinger Stadtbücherei an ihrem bisherigen Standort zwischen Webergasse und Heugasse. Bei der Visualisierung des künftigen Blicks von der Esslinger Burg muss man schon sehr genau hinschauen, um die beiden Giebelhäuser, die im Bereich der bisherigen Nanzhalle entlang der Webergasse entstehen und das Raumangebot auf rund 3600 Quadratmeter erweitern sollen, überhaupt zu entdecken.

Der Bau nimmt die historische Formensprache auf

Dass die neue Stadtbücherei die historische Formensprache der Umgebung also aufnimmt, ohne eigene architektonische Duftnoten setzen zu wollen, scheint ein wesentlicher Grund dafür gewesen zu sein, dass sich auch der Vertreter des Denkmalschutzes für diesen Entwurf ausgesprochen hat.

Der geplante Neubau, so heißt es in der Begründung der Fachjury, füge sich „wie selbstverständlich in das Umfeld der Altstadt“ ein. Zwei „klar ausformulierte Baukörper“, die sich „traufständig entlang der Webergasse entwickeln“, sollen im Untergeschoss mit einer Lesekapelle, im Erdgeschoss mit einem großen Eingangsbereich, im ersten Stock mit Funktionsräumen sowie im zweiten und dritten Obergeschoss mit drei unabhängig vom Büchereigeschäft bespielbaren Veranstaltungssälen mit bis zu 180 Sitzplätzen gefüllt werden.

Der DVD-Raum wird wohl nicht mehr gebraucht

Erhalten bleibt der Innenhof, um den herum eine offene Verbindung entsteht, die Zugänge in alle anderen Bereiche der neuen Stadtbücherei ermöglichen soll. Auch ein großes Café ist Teil des Konzepts. „Der Entwurf hat das Potenzial, dass die neue Stadtbücherei der neue Lieblingsort der Esslinger wird“, erklärt der neue Esslinger Kulturbürgermeister Yalcin Bayraktar.

Auch sollen die zahlreichen, denkmalschutzbedingt teilweise kleinen Räume flexibel nutzbar sein. Das war eine wichtige Forderung: Denn wie genau die Bücherei der Zukunft aussehen muss, um die Menschen in großen Scharen anzulocken, ist heute ungewisser denn je. Noch ist beispielsweise in dem Neubau ein Ausleihraum für DVDs vorgesehen. „Den werden wir, wenn die Bücherei dann eröffnet wird, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr brauchen“, sagt der Oberbürgermeister Jürgen Zieger.

„Symbiose zwischen Tradition und Moderne“

Der Ratschef, bekanntermaßen ursprünglich ein Befürworter einer Neubaulösung, erklärt nun aber, er sei, nachdem er die Wettbewerbsergebnisse gesehen habe, mit dem bisherigen Standort versöhnt: „Die teilnehmenden Architekten haben mit viel Sachverstand, Ideenreichtum und Sensibilität für die notwendige Symbiose zwischen Tradition und Moderne in diesem Bereich der Altstadt auf die komplexe Aufgabenstellung reagiert.“

Dabei habe es, so ergänzt der Vorsitzende der Jury, der Stuttgarter Architekt Jörg Aldinger, „eine sehr, sehr breite Bandbreite an Vorschlägen“ gegeben. Viele der teilnehmenden Büros haben auf teilweise spektakuläre Turmbauten als Erweiterungsmöglichkeit gesetzt, die, so Aldinger, nicht „in die wunderbare, wertvolle Esslinger Altstadt“ gepasst hätten. Aus seiner Sicht sei ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl des Siegerentwurfs gewesen, dass dieser sich ins Stadtbild einfüge. Dass der Denkmalschutz bei der Entscheidung ein „gewichtiges Wort“ mitzusprechen gehabt habe, sei angesichts der Lage des anspruchsvollen Projekts selbstverständlich.

Wettbewerb europaweit ausgeschrieben

Der Architekturwettbewerb war zunächst europaweit ausgeschrieben worden. Insgesamt 25 Büros, darunter eines aus Oslo und eines aus Pamplona, wurden schließlich eingeladen, ihre Vorstellungen zu entwickeln. Die Jury musste sich schließlich mit 21 Vorschlägen auseinandersetzen.

In einem nächsten Schritt geht es darum, die Pläne für den Bau zu konkretisieren und mit dem Sieger über die Bedingungen der weiteren Zusammenarbeit zu verhandeln. Mit der Baugenehmigung ist dann wohl frühestens Ende des Jahres 2022 zu rechnen. Wie lange der Umbau konkret dauern wird, lässt sich seriös zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen.