Esslinger Leuchtturmprojekt Festivalplanung mit sehr vielen Fragezeichen

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Das für Ende April geplante Podium-Musikereignis soll nun im Oktober stattfinden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, damit das große Beethoven-Projekt zum 250. Geburtstag des Komponisten noch seinen Weg auf die Bühne findet.

Außergewöhnliche Projekte sind das Markenzeichen des Podium-Festivals. In diesem Jahr geht es um einen ganz Großen der klassischen Musik Foto: /Horst Rudel/Archiv
Außergewöhnliche Projekte sind das Markenzeichen des Podium-Festivals. In diesem Jahr geht es um einen ganz Großen der klassischen Musik Foto: /Horst Rudel/Archiv

Esslingen - Wir befinden uns aktuell in der Planungs- und Verwaltungshölle. Wir wollen aber auf jeden Fall eine Woche mit Festivalfeeling erhalten.“ Frühzeitig, vor drei Wochen, haben Steven Walter, der künstlerische Chef des Esslinger Podium-Festivals, und seine vielen Mitstreiter erkannt, dass es unmöglich sein wird, das diesjährige Großereignis wie geplant vom 29. April bis zum 9. Mai in Esslingen durchzuziehen.

Seither laufen im Festival-Büro in einem Hinterhof in der Heilbronner Straße die Drähte heiß. „Eine Absage kommt für uns gerade 2020 nicht in Frage“, betont Walter. Schließlich feiert Deutschland Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag – und die Podium-Organisatoren sind von der Kulturstiftung des Bundes mit einem Millionenbetrag ausgestattet und beauftragt worden, einen wichtigen Beitrag zum Jubeljahr zu leisten.

Wie würde Beethoven heute klingen?

Zwölf Künstlerinnen und Künstler sind seit fast zwei Jahren nun dabei, sich Gedanken darüber zu machen, was Beethoven für die heutige Zeit noch bedeutet, und wie er vielleicht klingen würde, wenn er heute noch leben würde. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung sollte zur Eröffnung des Festivals am 29. April im Esslinger Kultur- und Kongresszentrum Neckarforum erklingen.

„Im Moment sieht es sehr gut aus, dass wir wesentliche Bestandteile des geplanten Festivals – darunter auch den Eröffnungsabend und die Premiere des Stehgreif-Orchesters – beim in den Herbst verschobenen Festival werden präsentieren können“, sagt Steven Walter. Angedacht ist aktuell ein Termin Mitte Oktober. Allerdings gibt es natürlich auch da noch ein paar kräftige Fragezeichen.

Nicht nur junge Menschen kommen in die Konzerte

Zwar hat sich das Podium-Festival zum Ziel gesetzt, mit ungewohnten Konzertformaten an außergewöhnliche Orten vor allem junge Menschen für die klassische Musik zu gewinnen. Das ist weitgehend gelungen, und damit hat das Festival bundesweite Aufmerksamkeit bekommen. Steven Walter weiß aber, dass auch viele ältere Menschen dem Charme seines Festivals erlegen sind. Und ob diese Risikogruppe sich im Herbst schon wieder bei Musikfestivals treffen darf, weiß momentan niemand.

Dennoch müssen jetzt die Planungen vorangetrieben werden, denn es gibt ein weiteres Problem: „Weil jetzt im Frühjahr zahlreiche Konzerte ausfallen, bemühen sich natürlich viele Konzertveranstalter – so wie auch wir – um Ersatztermine im Herbst“, erzählt Steven Walter: „Deshalb ist es nicht so leicht, die rund 80 Musiker, die beim Festival im Frühjahr dabei gewesen wären, auch tatsächlich zu uns zu holen.“ Überhaupt: die Situation fürs Podium-Festival sei zwar ausgesprochen unangenehm. Die Lage der Musiker aber, die in der Regel ausschließlich von Konzerten lebten, sei hingegen aktuell dramatisch. Viele wüssten im Moment nicht, wie sie in den kommenden Monaten ihre Miete und ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen.

Solidaritätsfonds für junge Musiker

Deshalb hat das Podium-Festival einen Solidaritäts-Fonds für junge Podium-Musiker ins Leben gerufen. Die ganz großen Summen sind auf dem Spendenkonto noch nicht eingegangen, erzählt Walter, „aber wir können zumindest ein bisschen helfen“.

Genau so kompliziert wie die Finanzierung der Künstler ist aktuell die wirtschaftliche Absicherung des Festivals: „Finanziert wird das Podium-Festival unter anderem von Stiftungen, durch öffentliche Zuschüsse, von privaten Spendern und natürlich auch durch die Einnahmen bei den Konzerten“, erzählt Walter. „Dabei müssen wir jetzt ganz viele formale Dinge beachten.“