Esslinger Theaterpläne Nach „Schtonk!“ kommt nun „Der Vorleser“

Von  

Die Württembergische Landesbühne Esslingen und ihre Intendanten Friedrich Schirmer und Markus Grube landet mit der Uraufführung des Welterfolgs von Bernhard Schlink erneut einen Coup.

Dass „Schtonk!“ in Esslingen seine Uraufführung als Theaterstück gefeiert hat, hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Erfolgsgeschichte der WLB geht weiter. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel
Dass „Schtonk!“ in Esslingen seine Uraufführung als Theaterstück gefeiert hat, hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Erfolgsgeschichte der WLB geht weiter. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Esslingen - Die Württembergische Landesbühne Esslingen (WLB) schwimmt weiter auf einer Erfolgswelle. Obwohl der Intendant Friedrich Schirmer für die im Sommer zu Ende gegangene Spielzeit 2018/2019 eine vergleichsweise sperrige und unbequeme Stückauswahl getroffen hatte, strömten mehr als 113 000 Besucher zu den 824 Vorstellungen in Esslingen und in den Abstecherorten. Das ist das zweitbeste Ergebnis der vergangenen 30 Jahre. Wie schon im Vorjahr besuchten mehr Menschen die WLB-Vorstellungen als die des Staatsschauspiels in Stuttgart.

Seit Anfang September wird die WLB auf Friedrich Schirmers Wunsch hin von ihm und seinem bisherigen Chefdramaturgen Marcus Grube gemeinsam geleitet – und wenn man sich das Angebot an Stücken für die Spielzeit 2020/2021 anschaut, das die beiden Intendanten in dieser Woche den Vertretern aus den Gastspielorten präsentiert haben, sei die Prognose gewagt, dass die Erfolgsgeschichte der WLB noch eine ganze Weile weitergehen wird.

„Der Vorleser“ – ein Welterfolg als Buch und Film

Denn einmal mehr ist es Schirmer und Grube gelungen, einen veritablen Theater-Coup zu landen: Nachdem sie im Februar 2018 die Uraufführung der Theaterversion des Film-Kassenschlagers „Schtonk!“ von Helmut Dietl und Ulrich Limmer nach Esslingen geholt hatten, wird Ende September 2020 nun die Bühnenfassung des 1995 veröffentlichten und mit Kate Winslet verfilmten Romans „Der Vorleser“ seine Uraufführung in Esslingen erleben. Der Autor des in 40 Sprachen übersetzen Romans, Bernhard Schlink, wird zusammen mit Mirjam Neidhart die Bühnenfassung für die WLB schreiben.

Auch ein weiteres Helmut-Dietl-Werk steht in der Spielzeit 2020/2021 auf dem Programm. 2005 hat Dietl zusammen mit dem Autor Patrick Süßkind („Das Parfüm“) die romantische Tragikkomödie „Vom Suchen und Finden der Liebe“ geschrieben. Wie schon bei „Schtonk!“ hat Marcus Grube eine Bühnenfassung erstellt, die am 22. März 2021 ihre Uraufführung erleben wird.

Vom Suchen und Finden der Liebe

„Vom Suchen und Finden der Liebe“ könnte, so Friedrich Schirmer, auch das generelle Motto für viele Stücke der Spielzeit 2020/2021 sein. Dazu zählen neben „Der Vorleser“ auch Gotthold Ephraim Lessings Klassiker „Minna von Barnhelm“, die Indoor-Variante von „Shakespeare in Love“ und als weiterer Beitrag der Oliver-Storz-Stücke in der WLB „Die Freibadclique“. Das Stück wird als Gemeinschaftsproduktion des Erwachsenenensembles und der Jungen WLB im Juni 2021 seine Uraufführung erleben.

Glücklich sind Schirmer und Grube auch über die erneute Zusammenarbeit mit Jörg Ehni, der zuletzt die Freiluft-Version von „Luther“ geschrieben hatte. In „Wagner und Fritz“ hat er sich im Auftrag der WLB mit der Figur des Amokläufers Ernst Wagner befasst, der 1913 zunächst in Stuttgart-Degerloch seine vier Kinder und seine Frau erschlagen hat, dann in Mühlhausen, wo er einst Lehrer war, neun Menschen erschossen und Häuser angezündet hat. Er war der erste Straftäter in Württemberg, dessen Prozess wegen Unzurechnungsfähigkeit eingestellt wurde.

Viele Stücke werden in die nächste Spielzeit übernommen

Ernst Wagner kam 25 Jahre in die Psychiatrie nach Winnenthal. Jörg Ehni hat Szenen aus der Psychiatriezeit geschrieben, in der Wagner mithilfe eines fiktiven Mitinsassen namens Fritz seine eigene Welt erschafft. Die Uraufführung des Stoffs ist wie „Der Vorleser“ für das Eröffnungswochenende der Spielzeit 2020/2021 an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen geplant. Seit Friedrich Schirmer an die WLB zurückgekehrt ist, ist es schöne Tradition, dass erfolgreiche Stücke am Ende einer Spielzeit nicht abgespielt werden, sondern von den Gastspielorten weiter gebucht werden können – und gelegentlich auch im Esslinger Spielplan der WLB erneut auftauchen. So werden 2020/2021 unter anderem noch „Schtonk!“, „Der Trafikant“, „Backbeat“ oder „Kabale und Liebe“ zu sehen sein.




Unsere Empfehlung für Sie