Euro-Werbung in Stuttgart Kritik am Glaskasten an der Königstraße

Coronakonform: Die Ausstellung der Bundesbank zum Zwanzigsten der Euro-Bargeldeinführung beschränkt sich auf einen einzelnen Schaukasten unter freiem Himmel. Foto: Mari/ Esposito
Coronakonform: Die Ausstellung der Bundesbank zum Zwanzigsten der Euro-Bargeldeinführung beschränkt sich auf einen einzelnen Schaukasten unter freiem Himmel. Foto: Mari/ Esposito

Die Bundesbank feiert die Euro-Bargeldeinführung vor 20 Jahren mit einer Ausstellung in einem Schaukasten vor dem Wilhelmsbau. Zumindest die Wahl des Ortes ist für Veronika Kienzle ein echtes Ärgernis.

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Stuttgart - Schon seit zwei Wochen präsentiert die Deutsche Bundesbank die Ausstellung „20 Jahre Euro Bargeld“ in der Stuttgarter Innenstadt. Anlass ist das zweite runde Jubiläum der Bargeldumstellung von der D-Mark auf den Euro.

Der Euro als Symbol der europäischen Integration

„Wir freuen uns, den Bürgerinnen und Bürgern auch in Pandemie-Zeiten ein währungspolitisches Informationsangebot machen zu können“, sagt Patricia Staab, Präsidentin der Hauptverwaltung der Bundesbank in Baden-Württemberg. Der Euro sei für viele Menschen das unmittelbarste Symbol der europäischen Integration. Seit der Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen vor 20 Jahren sei dieser Integrationsschritt „für alle täglich sicht- und greifbar“.

Die Würdigung des Jubiläums ist der Bundesbank wichtig. Über den Sinn und Zweck der Ausstellung lässt kaum streiten, wohl aber über die Wahl des Ortes, an dem der gläserne Quader der Bundesbank nun steht. Der befindet sich nämlich auf der sogenannten Querspange an der Königstraße, also der Verbindung zwischen Rotebühlplatz und der Kreuzung Tor-/Eberhard-/Steinstraße. Und diesen Ort findet Veronika Kienzle, Bezirksvorsteherin Mitte, „total daneben“. Mehr noch: Sie bezeichnet die Ausstellung in ihrer künstlerischen Ausgestaltung als einen „Grusel“. „Während andere Metropolen darüber nachdenken, Werbung im öffentlichen Raum zu minimieren oder sogar ganz zu unterbinden, ist in Stuttgart leider immer noch eine regelrechte Belästigungswerbung möglich“, sagt Kienzle.

Der Bezirksbeirat wusste nicht von der Ausstellung

Nicht genug, dass damit der knappe öffentliche Raum zusätzlich belastet werde, Kienzle kritisiert auch den konkreten Standort: „Das Ding stellt den Durchgang zum Alten Schauspielhaus optisch komplett zu.“ Die Stadt habe doch den gesamten Bereich entmöblieren wollen, entrümpeln und hat dazu ganz bewusst Straßenhändler mit ihren Ständen von der Königstraße verbannt. Der Bezirksbeirat habe von dieser Ausstellung keinerlei Kenntnis erhalten.

Über ihre Pressestelle teilt die Stadt dazu folgendes mit: „Die Genehmigung wurde im Rahmen einer Sondernutzung von der Straßenverkehrsbehörde erteilt. Mit der vom Gemeinderat beschlossenen Sondernutzungsrichtlinie Innenstadt wurden auf der Querspange mehrere Aktionsflächen ausgewiesen, die für Sondernutzungen dieser Art zur Verfügung gestellt werden können.“

Aus Kienzles Sicht hätte es Alternativen gegeben

Aufgrund der zahlreichen Belegungen in der Innenstadt habe keine zentrale Fläche für den beantragten Zeitraum zur Verfügung gestanden. Um aber die Realisierung des Projektes zu ermöglichen, so die Stadt, sei der Schaukasten auf der Aktionsfläche Rotebühlplatz genehmigt worden. Die Genehmigung wurde vom 6. Oktober bis zum 3. November diesen Jahres erteilt.

Das will Veronika Kienzle so nicht stehen lassen. Aus ihrer Sicht hätte es Alternativen gegeben, die aber Kreativität und den guten Willen verschiedener Seiten gefordert hätten. Kienzle weist in diesem Zusammenhang auf die großen und weitgehend leeren Schaufenster der nur wenige Schritte entfernten Deutschen Bank hin – und auf eine kernsanierte und noch leer stehende Ladenfläche vis-a-vis. „Eine Kooperation wäre eventuell ja möglich gewesen“, so Veronika Kienzle und weiter: „Auch die City Lights an der Bushaltestelle, mit ihren alle paar Sekunden wechselnden Inhalten, hätte man belegen können.“

Querspange wurde aufwendig umgestaltet

Die Bundesbank verteidigt die Form und den Ort des Containers dagegen: „Die Ausstellung ist als corona-konforme Freiluftausstellung in einem Glaskubus konzipiert und kann rund um die Uhr in der Stuttgarter Innenstadt besichtigt werden“, heißt es in einer Erklärung der Bundesbank. Interessierte hätten so die Möglichkeit, sich über „annähernd zwei Jahrzehnte Geldgeschichte“ zu informieren. Sie erführen „Unbekanntes und Unerwartetes“ über den Euro.

Die Querspange wurde erst vor wenigen Jahren aufwendig neugestaltet – für einen siebenstelligen Betrag. Das Architekturbüro Behnisch erhielt damals den Zuschlag. Das Büro Behnisch und die Stadt waren sich einig: Hochwertig sollte alles wirken, es sollte mehr Raum für Bürgerinnen entstehen, entsprechend sparsam möbliert sollte alles sein. Das zumindest kann man heute noch der Website des renommierten Stuttgarter Architekturbüros entnehmen. „Genau das war Konsens im Gemeinderat“, sagt Kienzle.

Der runde Geburtstag Euro-Bargeldeinführung scheint der Bundesbank nach eigenem Bekunden am Herzen zu liegen. Allerdings drängt sich die Frage auf, warum lediglich ein einzelner Schaukasten als Solitär auf dem Gehsteig steht, ohne in ein übergreifendes PR-Konzept eingebunden zu sein. Ob auch denkbar gewesen wäre eine Informations- und Akzeptanzkampagne mit einem zukunftsweisenden Ausstellungsdesign und einem synergetischen Miteinander von Ausstellung, Vorträgen und feierlichen Events zu verbinden? Auf diese Frage gab die Pressestelle der Bundesbank keine Antwort.

Der Quader wandert nun in andere Städte

Nur eines ist klar: Der Quader steht noch bis Montag, 1. November an seinem gegenwärtigen Ort. Dann wandert er weiter nach Saarbrücken, Frankfurt, Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Berlin und Leipzig.

Mehr als 300 Millionen Menschen in damals zwölf Staaten wurden zum Jahreswechsel 2001/2002 von den nationalen Notenbanken im Euroraum mit neuen Banknoten und Münzen versorgt. Heute ist der Euro die offizielle Währung in 19 der 27 EU-Mitgliedsstaaten. Die Bundesbank würdigt dabei auch ihre eigene Rolle bei der Bewältigung der logistischen und organisatorischen Herausforderungen.




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